Serientipp: Community

28. August 2013 von in

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Anders als Antonia kann ich Serien nicht (mehr) haben, die so exorbitant spannend sind, dass ich auf jede Folge hinfiebere, wie ein pubertierender Teenager. Serien üben generell ein großes Suchtpotenzial auf mich aus und nach jahrelanger Zeitvergeudung mit Gossip Girl oder Vampire Diaries (ich weiß …), habe ich beschlossen, dass mein Konsum reduziert werden muss. Wer viel arbeitet, hat nicht die Zeit, sich mit einem weiteren virtuellen Leben zu befassen. Wir sind doch erwachsene Menschen, die besseres zu tun haben, als nach einer 10-stündigen Arbeitsschicht noch fünf Folgen einer Serie reinzuziehen, um anschließend wieder in die Arbeit zu gehen.

Ha. Ha.

Mal ehrlich: Das ist ein netter Gedanke meinerseits, aber die Abhängigkeit erwischt mich immer wieder; weshalb ich große Bögen um berühmt berüchtigte Sucht-Serien wie Breaking Bad oder Game of Thrones mache, da ein kleines bisschen Wahrheit eben doch in den oberen Worten steckt. In meinem ersten Serientipp stelle ich euch deshalb eine Serie vor, in die ich mich nicht aufgrund des Suchtpotenzials Hals über Kopf verliebt habe, sondern die aufgrund ihrer Originalität und Innovation den Titel „Die beste Serie unserer Zeit“ verdient hat. Community.

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Die Storyline ist durchschaubar und unspektakulär. Der gutaussehende Anzugtyp Jeff Winger verliert seine Anwaltszulassung, da er seinen Abschluss an dem College fälschte und ist verdonnert, diesen auf einem öffentlichen Loser-Community College „Greendale“ nachzuholen. Dort lernt er nach kurzer Zeit das blonde Mädchen Britta Perry kennen, welche er mit seinem Charme überzeugen möchte. Er gründet eine Lerngruppe, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen und dem Blondie näher zu kommen.

Kurzerhand schließt sich eine Gruppe von insgesamt sieben Studenten zusammen. Da wäre die junge Annie, die ehemalige Highschool-Musterschülerin, die unsterblich in Troy verliebt ist. Dieser wiederum war auf derselben Schule und der absolute Superstar, der es notentechnisch nicht weiter schaffte als nach Greendale. Troy ist der beste Freund von Abed („Troy and Abed in the morning!“), der ein absolutes Genie ist und ein riesiger Serien- und Filmliebhaber. Die gläubige Mutter Shirley und der alte Außenseiter Pierce komplettieren die merkwürdige Runde.

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Wie man vielleicht schon erkennt, geht es in Community nicht um die Geschichte als solche, sondern um die Charaktere. Die Serie spielt mit Serienklischees. Der wahnsinnige, psychopathische Lehrer Senor Chang zum Beispiel macht der Lernrunde immer wieder das Leben schwer und der namenlose Schulleiter (engl. „Dean“) entwickelt im Laufe der vier Staffeln immer stärkere transvestitische Züge, die zu höchst unangenehmen Fremdscham führen. Die Serie ist so intelligent und vielschichtig, dass die Sucht, die ich für Community entwickelte, eine ganz andere ist, als für Serien, die auf ein Suchtverhalten ausgelegt sind. Es gibt selten stark offene Enden und ich denke mir nicht, dass ich kaum erwarten kann, wie es nun weiter geht.

Der Autor und Produzent Dan Harmon entwickelte mit Community ein völlig neues Serienformat, in der reinste Serien-Anarchie herrscht. Alles ist erlaubt und mit jeder Folge und Staffel traut sich Harmon einen Hammer mehr. Mal sind alle Figuren in dem 20-minütigen Serienformat Knetfiguren, mal verpixelte Vintage-Computerfiguren, mal herrscht Krieg und mal werden Charaktere getauscht. Auch nahm meine absolute Lieblingsserie zum richtigen Zeitpunkt sein Ende: Mit dem Abtritt der Greendale-Studenten, trat auch die Serie Community ab. Keine armseligen Versuche, die Serie noch aufrecht zu erhalten.

Keine Enttäuschungen.

Copyright: Sony Pictures Television

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15 Antworten zu “Serientipp: Community”

  1. Die Serie sieht total gut aus :) muss ich mir merken :)
    Und ich finde deinen Gedanken bezüglich Serien sehr interessant, da ist viel Wahres dran, aber das gilt dann für schrecklich viel, denn Blogs lesen und allgemein TV schauen oder ein Buch lesen, fällt dann irgendwie auch in den Topf: ich beschäftige mich mit einem anderen Leben und nicht mit meinem und doch entwickelt man sich dabei irgendwie weiter, wird inspiriert usw.
    Da ist ein gesunde Balance gefragt, aber das ist bei mir in der Regel bei keiner Serie möglich, irgendeinen Handlungsstrang finde ich immer so spannend, dass ich direkt weitersehen möche.

  2. Hahaha oh Amelie was ein Timing! In zwei Stunden gehe ich zu meinem Magister Prof um ihn mein Magister-Thema vorzustellen. Thema: Pop Kultur Referenzen in Serien am Beispiel von Community!

    Wie witzig.
    Ich selbst guck die Serie seit Mitte der zweiten Season nicht mehr weil die Figuren mich nicht ansprachen aber man muss definitiv den Hut ziehen vor dem Ideenreichtum der Autoren.

    • Ha, sehr gut!

      Aber interessant: Ab der zweiten Staffel fand ich Community erst wirklich gut, da die Liebesgeschichte zwischen den Hauptcharakteren nichtig wurde und gerade weil es generell immer absurder und absurder wird. Die erste Staffel finde ich von allen definitiv am schwächsten, die vierte hingegen am besten!

  3. Ich fand die erste Staffel gut und sehr lustig. Mir wurde die Serie aber von Staffel zu Staffel viel zu schräg. Mittlerweile schau ich’s nicht mehr. Aber das ist ja das gute an Serien: Es gibt so viele davon, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist (;

    Lg

  4. Meine absolute Lieblingsserie! Soviel Meta Popkultur in 20 Minuten lässt mein Geek Herz höher schlagen.
    Soweit ich jedoch informiert bin, sind die Greendale Studenten noch nicht abgetreten: Dan Harmon nach dem Debakel der letzten Staffel und Chevy Chaes Abgang erneut Showrunner und die Show geht im Herbst weiter. Leider wird Donald Glover alia Troy nur noch einige Gastauftritte geben – kein „Troy und Abed in the morning“ mehr!

  5. Oh! Ich liebe Community auch sehr und kann deine Worte zu 100% unterschreiben. Es steckt hinter jeder Folge SO VIEL mehr als man erahnen könnte.
    Ich bin zwar noch mittendrin, aber ich bin gespannt, ob es eine Fortsetzung geben wird oder nicht… :)

  6. der namenlose Schulleiter (engl. “Dean”) entwickelt im Laufe der vier Staffeln immer stärkere transvestitische Züge, die zu höchst unangenehmen Fremdscham führen

    ist problmatisch ausgedrück, finde ich. nicht die ‚transvestitischen züge‘ führen nicht zur fremdscham, eher wie er jeff immer wieder angräbt obwohl dieser ganz offen sein desinteresse kundtut.

    • Geschmackssache. Ich persönlich fänd es schon merkwürdig wenn mein Schulleiter mit diesen absurden Verkleidungen herum springen würde. Natürlich ist die unerfüllte Liebe zu Jeff noch so ein Thema.

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