Stop! Quarantine! Zehn Ideen für Ablenkung in Krisenzeiten

18. März 2020 von in

Es sind verrückte Zeiten. Für viele die verrücktesten ihres ganzen Lebens. Deswegen sind die unter uns, die sich nun zu Hause in Quarantäne befinden, die meiste Zeit des Tages damit beschäftigt, diese Situation überhaupt zu fassen zu bekommen, minütlich die Nachrichten zu checken und ein kleines oder großes bisschen durchzudrehen. Das ist verständlich – aber es ist auch total erschöpfend. Deswegen ist es wichtig, gerade jetzt – wo all die Dinge pausiert sind, die uns sonst vom Nachdenken abhalten – ab und zu mal kurz aus dem Grübeln herauszukommen und aus der Zeit etwas zu machen. Und damit meine ich nicht, dieses eine Projekt endlich fertigzustellen, schon mal für später vorzuarbeiten oder die Steuer zu machen. Ich meine das, was wir alle zunehmend verlernen: Zeit totschlagen. Einfach so, ohne den Hustle und ohne messbaren Mehrwert. Hier sind zehn Vorschläge, wie man aus der Quarantäne-Gedankenspirale rauskommt und dabei schamlos der Unproduktivität frönt.

In ein Rabbithole geraten

Habt ihr auch so einen Wikipedia-Artikel, den ihr euch schon immer mal vorgenommen habt, zu lesen? Bei mir war es lange Zeit – ziemlich basic – der über Charles Manson. Letztens habe ich es dann doch getan und eine Woche später hatte ich vier Dokumentationen, einen zehnstündigen Podcast und endlose Youtube-Videos konsumiert. Und jetzt bin ich allzeit bereit für eine spontane und unwillkommene Powerpoint-Präsentation, immer wenn jemand auch nur im Entferntesten Triggerwörter wie „Los Angeles“, „Polanski“ oder „Helter Skelter“ in den Raum wirft. Was das zu bedeuten hat? Findet es raus – oder sucht euch euer eigenes Rabbit Hole. Gerade mithilfe von YouTube passiert das schneller, als man „Verschwörungstheorie Avril Lavigne“ tippen kann (Sondertipp: Das solltet ihr ganz dringend tun).

Mal wieder ein paar süße Selfies machen

So sehr Social Media eigentlich nervt und uns die meiste Zeit vor allem unter Druck setzt, kann es jetzt – in Zeiten von Social Distancing – ein extrem wichtiger Rettungsanker sein. Deswegen ist jetzt erst recht nicht der Zeitpunkt, um sich für Oversharing oder einem kleinen Ego-Boost zu schämen. Nun ist es nicht so, dass süße Selfies den Rest des Jahres unangebracht wären, aber jetzt gerade sind sie’s allemal! Wer also, wie ich, komplett verlernt hat, wie man auf Fotos wie ein Snack aussieht, der hat jetzt Zeit zum Üben. Schmeißt euch in Schale, gebt alles und postet die Ergebnisse – ich like sie alle, denn ihr seid eh alle süß!

Das eine Spiel zocken, für das man sonst keine Zeit hat

Wenn ihr zu diesen Teenagern gehört habt, die sich in den Sommerferien vor allem darauf gefreut haben, endlich wieder in kurzer Hose zu zocken, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Nostalgie. Für mich persönlich war das Spiel Die Sims – neben der Radiowerbung von Saitenbacher – immer der rote Faden in meinem Leben. Ich liebe dieses Spiel, als wäre es Teil meiner Familie, aber komme trotzdem ziemlich selten zum ausgiebigen Zocken. Damit meine ich nicht, mir ein paar Stunden nach der Arbeit zu gönnen – nein, ich meine ganze Tage, die so schnell vergehen, als wäre ich auf Speed. Vielleicht habt ihr ja auch so ein Spiel in eurem Leben. Wenn ihr könnt, holt euch beim nächsten Quarantäne-Einkauf einen grünen Tetrapak-Eistee und ’ne Packung Pombären, tut so, als wären Sommerferien, schmeißt den PC oder die Playstation oder den Gameboy an und denkt nicht an morgen!

Organisier eine Netflix-Watchparty

So lebensrettend Netflix in diesen Zeiten ist – den ganzen Tag alleine vor sich hin bingen wird dann doch irgendwann deprimierend. Aber dafür gibt’s eine einfache wie geniale Lösung: Die Browser-Extension „Netflix Party“. Wenn man sie installiert, kann man seine Freund*innen zum gemeinsamen Netflixen einladen und sich währenddessen per Chat austauschen – zu zweit oder in großen Gruppen. Das funktioniert übrigens auch bei YouTube-Videos – über watch2gether.com.

Karaoke singen

Apropos YouTube: Wusstet ihr, dass es dort zu so gut wie jedem Song eine Karaoke-Version gibt? Man braucht nämlich weder eine Karaokemaschine, noch eine Playstation, noch ein Mikrofon, Publikum oder Schnaps zum Karaokesingen. Es reicht auch ein Laptop und eine Haarbürste oder ein Kochlöffel, in die man hinein singt: Fertig ist das Quarantäne-Quaraoke! Das könnt ihr per Watchparty sogar mit Freund*innen machen, die woanders in Quarantäne sitzen. Singen ist ein Immunsystem-Boost, es macht gute Laune und lenkt ab – egal, wie grauenhaft es klingt. Und wenn ihr mutig seid, macht die Fenster auf – vielleicht erlebt ihr dann eine Nachbarnsituation à la Italien, nur eben nicht mit „Forza Italia, Forza Napoli“, sondern mit „Daylight in Your Eyes“ oder „Verdammt ich lieb‘ dich“.

Melde dich bei allen deinen Freund*innen

Eine der positiven Dinge an diesem Ausnahmezustand ist der Fakt, dass wir diesmal wirklich alle im selben Boot sitzen – auch, wenn diese Boot-Experience für jede*n anders ist. Alle haben ihre eigene Corona-Geschichte, aber jede*r hat eine. Und es ist heilsam, sich darüber auszutauschen, um mit der Situation umzugehen – auch, wenn man nicht 12 Stunden pro Tag über Gesundheitsamt, Mundschutz und Klopapier reden sollte. Macht euch eine Liste mit allen Freund*innen, mit denen ihr seit mehr als zwei Wochen nicht mehr gesprochen habt, ruft sie an, verschickt ein paar Sprachnachrichten oder organisiert digitale Treffen in kleiner Runde (das geht zum Beispiel sehr einfach über Jitsi Meet). Denn wie wir alle wissen, ist für niemanden mehr alles so, wie es noch vor zwei Wochen war. Tauscht euch aus!

Eine Quarantäne-Playlist erstellen

„Don’t stand so close to me“, „It’s the End of the World (As We Know It)“, „All By Myself“ – oh, und „Virus“ von LaFee! Was haben diese Songs gemeinsam? Sie gehören auf jede gute Quarantäne-Playlist! Ich habe einen halben Tag gebraucht, um meine eigene zu erstellen. Das war ein schöner halber Tag! Ich kann es nur empfehlen.

Richtig laut Musik hören, die man mit 15 gut fand

Warst du Emo, Hopper, Indie oder Punk? Ganz egal wie, es gibt wenig, was mehr aufputscht, als sich wieder so emotional verwirrt zu fühlen wie mit 15 – und das geht am Besten mithilfe von Musik von früher. Für mich persönlich ist es immer eine gute Mischung aus My Chemical Romance, The Kooks, System of a Down und K.I.Z., die macht, dass ich plötzlich MySpace ziemlich doll vermisse und das dringende Bedürfnis habe, ein paar coolen SchülerVZ-Gruppen beizutreten. Es ist ein guter Zeitpunkt für ein bisschen fehlgeleitete Nostalgie.

Orgasmen haben!

Orgasmen sind nachweislich gut fürs Immunsystem, sie bauen Stress ab und sind sehr, sehr gesund. Man könnte fast sagen, in anspruchsvollen Zeiten wie diesen gehören sie zur Bürger*innenpflicht. Ich verschreibe euch hiermit mindestens zwei Stück pro Tag! Mir egal, wie ihr sie euch beschafft. Allein, zu zweit, zu dritt – eben je nach Quarantänesituation. Und wenn ihr euch gerne Pornos anschaut, dann ist auch ein guter Zeitpunkt, um Pornoregisseur*innen mit feministischem Anspruch – wie zum Beispiel Erika Lust – zu unterstützen und euch einen Film zu gönnen. Tut es für uns alle! Ich zähl‘ auf euch!

Videos von Liziqi anschauen

Wenn man wirklich nur noch alles vergessen will und das dringende Bedürfnis hat, auf irgendeiner idyllischen Lichtung im Gras zu liegen, dann ist der YouTube-Channel der Chinesin Liziqi mein absoluter Geheimtipp. In ihrem Heimatland ist sie ein Superstar, weil ihre Videos an Ästhetik und Zen nicht zu übertreffen sind. Sie lebt mit ihren Großeltern in der Provinz und macht wirklich alles (wirklich alles!) aus Naturmaterialien selbst – sogar ihre Möbel. Ihre Videos sind eine Mischung aus Tutorial, Screensaver und ASMR-Beruhigungscontent: Sie spricht nicht, und man schaut ihr einfach dabei zu, wie sie das perfekte Leben führt.

Bildcredit: Unsplash

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6 Antworten zu “Stop! Quarantine! Zehn Ideen für Ablenkung in Krisenzeiten”

  1. Haha, geile Tipps, danke! Die Videos von Liziqi sind ja der Hammer! Und ich musste natürlich Avril Lavigne googeln (WTF?!). Netflix-Party ist für’s Wochenende notiert. Ihr seid super!

    Viele Grüße,
    Sarah

  2. Boah ne Leute. Ich finde es grade jetzt wichtig, sich nicht zu verkrümeln um Ego-Dinge zu machen, die niemandem was bringen. Gerade jetzt, wo wir vllt. mehr Zeit haben als üblich, ein bisschen rechts und links zu schauen und Hilfe anzubieten fänd ich hier den angebrachteren Tipp ;-)

    • Das stimmt natürlich, das habe ich als vorausgesetzt angesehen. Natürlich soll man helfen, so viel man kann! Die Möglichkeiten sind in Quarantäne-Situation aber eingeschränkt, und bevor man verrückt wird, finde ich Ablenkung richtig und wichtig. Dass man trotzdem für Nachbarn einkaufen gehen sollte, Oma anrufen und Spenden sollte, wo man kann, sollte (hoffentlich) jedem klar sein!

  3. Okay sorry, dann habe ich das falsch verstanden. Ich finde die Tipps ehrlich gesagt trotzdem ein bisschen fragwürdig. Richtig laut Musik hören, wenn man bedenkt wie viele Menschen gerade im Home Office arbeiten müssen (und ich gehe Mal davon aus, dass der Großteil eurer Leser*innen in Mehrfamilienhäusern wohnt).. oder seine Zeit vergoogeln, wenn man doch weiß wie negativ sich das auf die Psyche auswirken kann. Und das in einer Phase, in der die Psyche eh schon einiges aushalten muss..

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