Summer Break: Manu Chao und der Urlaub

10. August 2015 von in

Manu Chao gehört zu der Art von Künstlern, die von Menschen gehört werden, denen Musik egal ist. Die Menschen, die „alles hören“ und bei dieser Willkür sträuben sich mir die Nackenhaare. Gerade sitze ich auf meinem schattigen Balkon, trinke bei 36°C Paulaner Spezi und habe nicht im Entferntesten das Bedürfnis, das Haus heute noch zu verlassen.

Es ist Montag und ich höre Manu Chao. Manchmal gibt es nämlich nichts Schöneres, als beliebige Musik zu hören, die jedem Menschen das gleiche Gefühl vermittelt: Urlaub. Während ich so da sitze, diesen Text schreibe, zwischendurch minutenlang die Wand anstarre und mich von den vergilbten Blättern ablenken lasse, die nach und nach den glühend heißen Asphalt schmücken, und seine ersten Alben Clandestino und Esperanza höre, habe ich ein Urlaubsgefühl in mir, das ich sogar selten im Urlaub habe. Ich sitze also da, starre die Wand an und sehe sie vor mir, die Straßen von Saló am Gardasee, meinen Vater am Steuer, ich daneben. Ich war 14, hing meine Füße aus dem Beifahrerfenster, wir hörten Desaparecido und konnte mir keine schönere Situation wünschen, als mit meinem Papa in dem unklimatisierten roten Golf zu sitzen und Desaparecido zu hören.

Ich denke an Prosciutto Cotto, an die Plastikunterlagen in den Touristenrestaurants, an die nach Pappe schmeckenden Grissinis, an denen man sich satt isst, bevor die Quattro Formaggi kommt. Ich schmecke den kühlen Eiskaffee auf meinen Lippen, der aufgrund der vielen Sahne meine Zunge pelzig werden lässt und der nirgendwo besser schmeckt, als in Saló am Gardasee. Ich habe damals die gesalzene Butter gehasst, die es dort überall zu kaufen gab und heute freue ich mich, wenn ich aus Versehen gesalzene Butter kaufe, weil sie mich an den Gardasee erinnert und an die Unbeschwertheit, ja, die Belanglosigkeit, die positive Zeitverschwendung, an Olivenöl mit Weißbrot und an Manu Chao.

Morgen werde ich wieder in den Süden fahren, zwar nicht nach Saló und zwar ohne meinen Papa, aber in den Süden und ich werde mit Sicherheit belanglose Musik hören, da ich nichts anderes möchte, als darüber nachzudenken, ob ich mehr Lust auf Mensch ärgere dich nicht oder Uno habe, ob ich gerade lieber ins Meer gehen möchte, oder im Strandcafé sitzen bleiben. Ich möchte nichts anderes, als zwanzig Postkarten an meine Freunde und meine Familie schreiben und das mit einer Leidenschaft, die ich normalerweise in Dinge wie Arbeit investiere und in gute Gespräche mit Freunden. Stundenlang werde ich über den Postkarten sitzen, mir jedes Mal eine neue Begrüßung einfallen lassen („Calimera!“ „Hellas!“ „Jassas!“), über das heiße Wetter reden, das Meer, das überhaupt nicht erfrischt, das gute Essen, ich möchte über Oliven schreiben, über Pina Colada und Karaoke. Ich verabschiede mich und sage, dass es mir gut geht. Wirklich gut, ohne dass ich genauer darüber nachdenken müsste, denn es beschäftigt mich überhaupt nichts, außer die Frage, was es zum Abendessen gibt.

Summer-Break_02

Diese Woche werdet ihr auf amazed nichts lesen, als diese Gedanken zum Thema Urlaub. Sommerloch. Ruhe. Auszeit und Belanglosigkeit. Wir sind am Höhepunkt der Hitzewelle angekommen und wir brauchen gerade nichts anderes, als auf unseren Balkonien zu sitzen und uns stundenlang darüber den Kopf zerbrechen, ob heute eher das rote, oder das grüne Pesto für die Pasta angebracht ist. Hitzefrei für uns und für euch, wir sehen uns nächste Woche.

Mir geht es jedenfalls gut, Calispera!

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5 Antworten zu “Summer Break: Manu Chao und der Urlaub”

  1. Sorry, wenn ich jetzt die wohlverdiente Urlaubsstimmung vermiete, das will ich nicht, aber von Manu Chao als beliebige Musik zu lesen, tut mir irgendwie weh, da bei Hinhören (bzw Übersetzen der Lyrics für nicht Spanisch Sprechende ) auffällt, dass gerade das Album Clandestino, aber auch alle anderen enthalten viele hoch politische und/oder gesellschaftsrelevante Themen – illegale Flüchtlinge (clandestinos), negative Folgen der Globalisierung etc. Bei den jeweiligen Melodien bzw Rhythmen fällt das vllt oft nicht so auf. Aber auch Manu Chao selbst ist politisch aktiv und engagiert sich zB gegen Ausbeutung in Minen in Südamerika. Für belanglose Musik wäre eine Sammlung an Sommerhaus sicher passender ;)
    Schönen Urlaub! LG

    • Liebe Alexa, ich dachte mir fast, dass sich ein paar Leute darüber beschweren, dass ich Manu Chaos Musik als willkürlich bezeichne. Damit meine ich nicht den Inhalt seiner Texte, sondern die Melodie, bzw die Musik ansich. Ist absolut geschmackssache und nicht allzu Ernst zu nehmen. Und ich mag ihn ja abgesehen davon trotzdem, wie man im Text herauslesen kann.
      Liebe Grüße und danke!

  2. Danke für den Hinweis, Alexa. Mir blieb auch gleich das Essen im Hals stecken, als ich das gelesen habe und ich nahm mir fest vor, meinen Senf dazuzugeben. Hat sich jetzt erledigt :)

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