Trend Resümee 2021: Cheuge-Chic, 2014er-Tumblr-Ästhetik und die 2000er-Styles

21. Dezember 2021 von in
@naomielizee / @juliahobbs_ /@prosenkilde / @champagnemani

Das Jahr neigt sich dem Ende und auch wenn es gerade so aussieht, als würde das Spiel vom letzten Jahr sich wiederholen, gibt es auch Momente, die Grund für Optimismus bieten: Britney ist free, Paris Hilton verheiratet und die 2000er- aka Y2K-Styles haben uns alle in ihren Fängen. Und obwohl sich der Dezember anfühlt, wie der längste Monat der Welt und die Weihnachtsstimmung zwischen Terminen und Newsfeed noch nicht so richtig aufkommt, ist es Zeit für eine Trend-Bilanz. Denn 2021 war nicht alles schlecht. Vor allem, wenn wir uns die modischen Phänomene der Internetkultur ansehen.

 

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Mit TikTok als Trendschmiede konnten sich einige Mikrotrends im Mainstream beweisen, während wir von anderen nur minimale Anflüge zu spüren bekommen haben. Als Resümee lässt sich sagen: Was dieses Jahr geliebt wurde, war nicht nur cool sondern „-core“, also ein Must-Have für alle. Damit ist man dann entweder d’accord und hardcore dabei oder skeptisch dagegen. Jedoch gab es auch einige alte Bekannte, die 2021 ein Revival hatten – was für gemischte Gefühle sorgte.

 

7 Trends aus 2021, straight outta Internetculture

Trend 1: Die Tumblr Ästhetik

Key Pieces: Flanell Hemd, Dr. Martens, Skaterrock

Dieser Trend ist für mich der Inbegriff von Unbehagen, da er viel zu nah an meiner eigenen Jugend liegt, um ihn als wirklich neu und spektakulär wahrnehmen zu können. Die 2014er haben angerufen und ich würde ihnen gerne ihren Look zurückgeben. Aber TikTok und das Internet können gar nicht genug davon bekommen. Tumblrcore trendet und auf einmal sind wir alle im Soft-Grunge Fieber angekommen: tragen Flanellhemden und Chunky Boots, hören Indie Bands (Arctic Monkeys und The1975) und sind unsterblich in James Franco verliebt (Kultfilm: Palo Alto). Mysteriös und ein klein wenig Dark ist diese Art des Kleidens auch darauf bedacht nicht nur als Musik Connaisseur vorne dabei zu sein, sondern auch ihre literarische Belesenheit visuell nach außen hin zu präsentieren – mit ansprechenden Buchcovern, Vinyl und tiefgründigen Zitaten. Die Vielzahl an Subkulturen, die die Plattform zwischen 2009 und 2015 beheimatet hat, sprechen dafür, dass dieser Trend noch lange nicht auserzählt ist. Meine einzige Hoffnung ist es, dass die Galaxy-Leggins im Nirwana bleibt und wir ihr Revival nicht erleben werden.

@rxneexxThis is mainly 2014 grunge tumblr.(cred: @gracebritt)##fyp##foryou##2014##aesthetic##2014tumblr♬ original sound – Renee

 

Trend 2: Cottage Core, Cabin Core und der Traum vom Vanlife

Key Pieces: Maxikleid, Grobstrick Pollunder, quilted Jacket

Cottage Core und Co, das ist die romantische Vorstellung von einem Leben auf dem Land für Großstädter, die gerne mal abschalten wollen. Beflügelt von der Pandemie und dem neu erwachten Traum vom Vanlife ist dieser Trend perfekt, um unsere Wanderlust modisch auszuleben. Dafür braucht es weder ein Cottage in Cornwall noch eine romantische Hütte in den Bergen. Key-Items lassen sich für die Outdoor-Version des Boho-Chics überall finden, wo es Maxikleider, Blumenmuster, Spitzenapplikationen und Clogs gibt. Auch wenn mit diesem modischen Trend nicht alle etwas anfangen können, ist er doch eine gute Erinnerung, um mal wieder herauszukommen. Raus aus der Stadt, dem Alltagstrott. Alles abschalten, außer den Ruf der Natur. Der nicht bei der Kleidung aufhört, sondern auch Interrior-Herzen höherschlagen lässt.

 

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Trend 3: Hot Girl Summer

Key Pieces: Alles was Spaß macht und wonach der Sinn steht (brankaktuell auch der Impf-Booster)

Als einer der Trendmeilensteine 2021 konnte der Hot Girl Summer so gut wie jeden von sich überzeugen. Der aus einem Meme entstandene Trend fordert seine Verfolger:innen dazu auf, das Leben in vollen Zügen zu genießen und kann folglich als ein Ableger der Wellness oder Selfcare-Bewegung gesehen werden. Der Hashtag mit über 2,1 Millionen Beiträgen steht für Empowerment und die Befreiung von den Restriktionen der Pandemie. #Hotgirlsummer ist eine Einstellung mit neuem Körpergefühl, die wie eine Art Erwachen aus dem Winterschlaf gedeutet werden kann. Das wohl prominenteste Styling-Item: das Impfpflaster. Elegant konserviert mit einem Impfselfie, für das sich in das beste Outfit geworfen wurde. Auch wenn der Name anfangs Anlass zu hitzigen Debatten gab, ist das Ziel des HGS die Beteiligung von allen. Mit einem Joie de Vivre, von dem nicht nur #vaxxedgirls, sondern #vaxxeeverybody profitieren kann.

 

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Trend 4: Bringing sexy Back (2000s Edit)

Key Pieces: Little Black Dress, Cut Outs aller Art und Transparente Kleider und Tops

Passend zum #hotgirlsummer und der wiedergewonnenen Freiheiten wurde (getreu dem Glam der 2000er) sexy zurück in die Kleiderschränke gebracht. Transparenz, gewagte Cut Outs und Designsprachen à la Tom Ford, Ludovic de Saint Sernain oder Nensi Dojaka staden hoch im Kurs. In dieser Analogie erlebte auch das Little-Black-Dress ein Revival und verdrehte uns mit seinen neuen Interpretationen und raffinierten Details die Köpfe. Der Hang zur Transparenz und der Tendenz, viel Haut zu zeigen, kann gesellschaftlich auch so interpretiert werden, dass nach einer Zeit des Rückzugs wieder Bedarf nach allem da ist, was uns anzieht und unter die Haut geht. Grenzen und Barrieren werden abgelegt – kaum verwunderlich also, dass dieser Trend auch einen neuen Blick auf Gender und Bekleidungskonzepte erlaubte. Denn in den hauchzarten Teilen, Crops und Hüfthosen sehen alle einfach wahnsinnig gut aus.

 

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Trend 5: Die Soft-Core Welle der modernen Romantiker

Key Pieces: Perlenkette (gerne auch bunt), Alles in Candy-Colours und Cardigans

Talking about: Genderklischees – die sind sowas von vorgestern. Zumindest, wenn man die Softboys von TikTok fragt. Die tragen nämlich alles, worauf sie gerne Lust haben und denken Männlichkeit und Kleiderkonzepte neu: von Perlenketten zu pastellfarbenen Pullundern oder Nagellack. Es gibt nicht, was wir dieses Jahr nicht auch an Männern und männlich gelesenen Personen gesehen hätten. Der softe Charakter des Trends ist dabei das A und O und spiegelt sich in den Farben und Materialien wider – die das Wort mit all seinen Sinnen aufgreifen und reflektieren. Aber auch unabhängig davon steht die Bewegung für Verletzlichkeit und Empathie. Denn der Trend für moderne Romantiker ist nicht nur modisch, sondern auch Lifestyle-mäßig zu betrachten. Das Leben ist nicht immer rosa und in Zuckerwatte gepackt, aber Hoffnung und Optimismus haben wir alle nach den letzten beiden Jahren wirklich nötig – und mit diesem Trend gibt es ihn sogar zum Anziehen.

 

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Trend 6: Cheugy ist das neue Cringe

Key Items: Ugg Boots, Niki Pants und Starbucks Becher

Cheugy (chew-gee), das ist so ein Begriff wie Cringe, dessen Bedeutung irgendwo zwischen allem und nichts liegt. Es ist das „OK Boomer“ der GenZ, die den Millennials damit zeigen will, wie überholt und aus der Mode sie sind: „Wie, du hast ein Live, Laugh, Love Schriftzug an der Wand, trägst Skinny Jeans, trinkst Starbucks-Kaffee und sagst Happy Fri-yay?“ Schon cheugy! Es ist die Persiflage von ‚being basic‘. Dinge, die mal eine Zeit cool waren, aber sehr massentauglich sind und im Angesicht der progressiven TikTok-Individualisten absolut unzeitgemäß scheinen. Nehmen wir es genau, sind alle Trends an der ein oder anderen Stelle cheuge – schließlich wiederholen sie sich alle paar Jahre wieder. In dem Sinne ist der dazugehörige Cheugy Chic also eine Art modische Revolte, die alles andere will, als am Puls der Zeit zu sein und sich jeder Trendwelle zu stellen. Oder sind sie einfach viel zu spät dran? Das perfekte Beispiel dafür, wie kompliziert Trends sein können.

 

Trend 7: Entering a new stage –Wired headphones und Meta Selfies

Key Pieces: Kabelkopfhörer, kenne deine Selfie-Angle und 1-2 weitere Leute (und deren Handys)

Wer hätte gedacht, dass Kopfhörer mit Kabeln ein Comeback haben? Die verhassten Accessoires, die sich ständig verheddern und einen Hang zum Wackelkontakt haben, sind die heimlichen Starts vieler Instagram Selfies und machen das Musikhören zu einem Retro-Erlebnis. Verkabelt und am Puls der Zeit? Dinge, die nach der Erfindung der AirPods vermutlich keiner in Zusammenhang gebracht hätte. Doch hier sind wir und hören Musik so, dass es sichtbar ist. Die Perspektive ist dieses Jahr also besonders wichtig gewesen, was auch das Meta-Selfie beweist. Denn hier wird mit verschiedenen Einstellungen und sichtbaren Ebenen gearbeitet. Ein Selfie ist nicht nur ein Selfie, genauso wenig wie Musikhören ohne sichtbaren Kabelsalat, als solches wahrgenommen wird. Stattdessen werden Spiegel und Bildschirme zu einer zusätzlichen Reflexion, die das Ich im Raum auf eine fast schon philosophische Ebene beleuchten – Meta eben. Und wenn wir darüber nachdenken, dann ergibt das auch Sinn in Bezug auf die Wahrnehmung. Von uns und von anderen. Denn im Tech-Universum sind nicht nur die Augen, sondern auch der Screen der Spiegel zur Seele.

 

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