Trends Tried & Tested: Ist Gelb das neue Schwarz?

4. April 2018 von in ,

Sonnenblumen. Narzissen im Frühling. Zitronen. Bananen. Gelb ist eine Farbe, die eigentlich immer gute Laune macht, für warme Sommertage steht, erfrischt und motiviert. Wie konnte ich also 23 Jahre lang annehmen, dass diese Farbe in einem Kleiderschrank nichts zu suchen hat? Ich weiß es selbst nicht. Vielleicht liegt es gelben Textmarkern, die mich an wissenschaftliche Texte im Bio-Unterricht denken ließen, bei denen jeder Fakt gekennzeichnet werden musste – um dann nach fünf Minuten für immer aus meinem Gedächtnis zu verschwinden, oder an das Buch der Farbenlehre, in dem Gelb nur für eines stand: Neid. Gute Assoziationen kannte ich jedenfalls nicht und so machte ich um die Farbe jahrelang einen ganz großen Bogen – in jedem Bereich meines Lebens. Doch eine Frau, die mir anscheinend immer beweisen muss, wie falsch ich mit meinen Vorurteilen bin, grätschte mir mal wieder dazwischen: Trendforscherin Lidewij Edelkoort. Die Stilikone in Sachen Trends ist schon seit fast 40 Jahren in der Branche tätig und mittlerweile eine der einflussreichsten Frauen in der Zukunftsprognose. Kein Wunder also, dass Lidewij schon 2015 in einem Interview mit Focus wusste, dass Gelb DIE neue Farbe wird. Zwei Jahre später bewahrheitete sich ihre Voraussage. (Übrigens genauso wie die Vorhersage, dass Braun sein Comeback feiern wird.)

Balenciaga schickte gelbe Rollkragenpullover und wallende knallige Maxikleider über den Catwalk, Céline präsentierte bestickte Midikleider im Blusendesign mit Federapplikationen, Loewe verzauberte mit pastellfarbenen Patchwork-Kleidern und Stella McCartney ließ exotische Gefühle mit senfgelben Jumpsuits aufkommen. Zu guter Letzt eroberte dann auch noch meine dänische Lieblingsdesignerin Stine Goya mit ihren neongelben Mini-Volantkleidern mein Herz.

Kurzum, nach den Frühjahr/Sommer 2018 Schauen war ich bekehrt. Und wollte freiwillig zu Bibo aus der Sesamstraße mutieren – mit Federn à la Céline und Volumen im Stil von Stine Goya.

Fotos via Vogue Runway

Doch wie das oft mit Runway-Trends der Fall ist: Aus den Augen, aus dem Sinn. Die berühmt-berüchtigten Insta-Girls brachten die Farbe dann im Frühjahr zurück in mein Blickfeld und mein Modeherz. Doch eine ganz große Frage blieb: Steht mir als Blondine Gelb überhaupt? Die Antwort lautet: Gelb steht jedem, es gibt nur eine Bedingung. Finde deinen Farbton! Umso blasser, umso „ungelber“ muss das Gelb sein. Sprich: Curry, Senf, Ahorn oder Honig – alles was Speisen noch leckerer macht ist besonders was für helle Häutchen und Häärchen. Umso dunkler dann der Hautton oder die Hautfarbe wird, umso heller und knalliger darf das Gelb werden: Zitrus, Weizen, Vanille oder Strohgelb? Ja, bitte!

Inspiration fand ich auf Instagram mehr als genug, jede Menge Mädels machten mir mit ihren farbenfrohen Looks Hoffnung auf Frühling und Sonnenstrahlen:

 

 

 

 

 

 

 

Doch als es dann an meine Styling-Ideen ging, war mir mein eigener Kleiderschrank anscheinend selbst am meisten im Weg. Ich besaß genau ein gelbes Kleidungsstück. Eine Bluse. Die kam zwar für die Outfits hier auch zum Einsatz (ich würde sie, seitdem ich sie besitze, am liebsten täglich tragen, aber die unerträglichen Wintertemperaturen machen mir jeden Morgen einen Strich durch die Rechnung) aber ansonsten musste ich mir ordentlich was zusammenleihen. Und lernte die Farbe mit jedem Teil mehr lieben. Aber seht doch selbst:

Outfit 1

Fotos: Isabella Hoffmann

Definitiv mein allerliebstes Gelb-Outfit, denn hier kommt die Farbe zwar durchgehend vor, aber nur in gesunden Maßen. Die knallgelbe Swing-Bag von Sophie Hulme war Liebe auf den ersten Blick und beim Zurückgeben des Samples vergoss ich bittere Tränen, der Anblick hier löst in mir immer noch schmerzhaften Mode-Liebeskummer aus. Doch er zeigte mir, dass man beim Handtaschenkauf auch mal von seinem Sicherheitsdenken absehen muss. Ja, so eine Designerhandtasche ist teuer und soll eine Investition sein, aber hey, Mode ist vergänglich und das ist Geschmack auch. Die schwarze Handtasche könnte dir in 20 Jahren auch nicht mehr gefallen, oder? Dazu ein luftig leichtes Midi-Kleid im Seventies-Look von Stine Goya. So würde ich am liebsten jeden Tag aussehen. Da kann es noch so regnen, meine Laune trübt nichts.

Kleid: Stine Goya (günstiger hier), Gürtel: Vintage von Oma (Alternative hier), Boots: What For (ähnlich hier), Tasche: Sophie Hulme, Ohrringe: Doris Imhoff Schmuck (Alternative hier)

Outfit 2

Fotos: Isabella Hoffmann

Weniger alltagstauglich dafür umso traumhafter war die Robe von House of Dagmar. Und damit eine echte Styling-Herausfoderung für mich Basic-Lover. Gesagt, getan, das Wickelkleid erinnerte mich von Anfang an an Attico, das Label von den beiden Streetstyle-Ikonen Giorgia Tordini und Gilda Ambrosio, und war somit ein Fall für das bekannte Tordini-Ambrosio-Downdressing: In meiner Levi’s fühle ich mich immer wie ich selbst, das ist also schon mal meine Wohlfühlgarantie, dazu kombinierte ich Mary Janes von Topshop, die ich in einem Sex-and-the-City-Shopping-Wahn in London unbedingt kaufen musste. Für Events könnte das mein zukünftiger Look der Wahl sein.

Kleid: House of Dagmar (ähnlich hier), Jeans: Levi’s Vintage, Kette: Pernille Corydon, Schuhe: Topshop (Alternative hier)

Outfit 3

Fotos: Julia Novy

Kein Risiko ging ich mit der letzen Variante ein und komme somit zu dem einzigen gelben Teil, was ich selbst besitze: Meiner One-Line-Drawing-Bluse von Claudie Pierlot, die das beste Sale-Schnäppchen des Jahres war – dafür musste meine Mutter während meines letzten Urlaubs für mich durch das KaDeWe hetzen, sorry nochmal! Das gesamte Outfit widme ich Lidewij, die das hier (leider) wohl kaum selbst lesen wird. Denn sie hat mein Leben so viel farbenfroher und lustiger gemacht, seitdem Braun und Gelb bei mir einziehen durften. Und in Kombination ein echtes Dreamteam sind, wer hätte es gedacht?!

Mantel: & Other Stories, Bluse: Claudie Pierlot (ähnlich hier und hier), Jeans: Levi’s Vintage, Boots: Mango (Alternative hier), Tasche: A.P.C., Gürtel: Aigner (ein ähnliches Modell), Ohrringe: Doris Imhoff Schmuck (ähnlich hier)

Mein Fazit:

Zum ersten Mal muss ich mich in meiner „Trends Tried & Tested“ Serie geschlagen geben. Woran das liegt? Ich hatte den Mädels von Amazed Knallgelb versprochen. Sorry ihr Drei, ich hab’s nicht geschafft… Denn Knallgelb steht mir und meinem Blondschopf einfach nicht. Stattdessen entdeckte ich aber jede andere Farbe eines gut sortierten marokkanischen Gewürzmarkts und seitdem sind Curry, Senf, Honig, Zitrone, Ahorn und Co. bei mir nicht nur in der Küche gern gesehene Gäste. Kurzum:

Wer keine Lust mehr hat, auf die Sonne zu warten, der ist sie ab jetzt einfach selbst. Tragt Gelb. Habt gute Laune. Strahlt. Basta.

Mehr gelbe Items aus den Onlineshops:

 

(Fotos Header: instagram.com/_jeanettemadsen_, instagram.com/lucywilliams02, instagram.com/emilisindlev, instagram.com/juliaindisguise, instagram.com/paileaainspo)

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2 Antworten zu “Trends Tried & Tested: Ist Gelb das neue Schwarz?”

  1. Vielen Dank für diesen längst überfälligen Tritt in den Hintern, der Farbe Gelb endlich auch mal eine Chance zu geben. Ich muss noch „meinen“ Farbton finden, aber der Anreiz ist dank dir jetzt wieder da!
    Outfit Nummer 3 ist übrigens mein persönlicher Favorit und würde ich exakt so anziehen. :)
    Herzliche Grüße aus Hamburg
    Nori

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