Vorsatz 2015: der Inspirationsfaden

22. Dezember 2014 von in


Ich stehe auf, und obwohl die Sonne nicht scheint, bin ich energiegeladen und motiviert. Ich habe das Gefühl, ich stehe vor Tausend Möglichkeiten, die ich nur am Schopf packen muss. Ich lese schon beim Frühstück einen Artikel, der so gut geschrieben ist, dass ich den Autor auf der Stelle heiraten möchte, und mit neuen Gedanken und Ideen im Kopf radle ich ins Büro. Hier flutscht alles, ich bin selbst überrascht von meiner Wortgewandtheit. Mein Kopf ist voll von Plänen, die sich in der nächsten Zeit verwirklichen werden und in meinem Bauch spüre ich Vorfreude. Vorfreude, aber auch ein grundgutes Gefühl, und das ist, so stelle ich fest: Inspiration. Ich bin inspiriert, und dieser Inspirationsfaden bestimmt alles: meine Laune, meine Arbeit, meine Aktivitäten. Ja, das ist er gerade, der Idealzustand, in dem ich strotze vor Inspiration und guter Laune, die abfärbt auf alles und jeden und mir den Antrieb für alles gibt. In dem sich alles schaffbar anfühlt, leicht und aufregend.

Leider ist es nicht nur einmal im Monat der Fall, dass dieser Inspirationsfaden reißt. Wenn das Ganze durch hormonellen Tiefgang bedingt ist, kann man eben nichts machen. Schlechte Laune, kein Antrieb, vergeht schon wieder. Aber wenn ich so zurückdenke, dann gab es immer wieder Zeiten in diesem Jahr, in denen dieser Faden regelrecht durchgeschnitten wurde. In denen meine offene Weltsicht auf einmal einem Tunnelblick gewichen ist. Statt mit neuen Ideen und Möglichkeiten war der Kopf nur noch gefüllt mit lähmenden Dingen. Abgabetermine, die sich am Horizont aufbäumen. Zukunftsängste, die abends mit ins Bett gehen. Oder auch Männer, die Energie und Inspiration nehmen, anstatt friedlich mit im Bett zu schlummern.

Es gibt verschiedene Dinge, die den Inspirationsfaden reißen lassen, und sie haben meist sogar die Eigenschaft, alle auf einmal zu kommen. Und dann gibt es statt Tausend Möglichkeiten nur noch das eine Thema, das einen beschäftigt. Man verliert ihn irgendwie, den Faden. Und dann steht man auf, und obwohl die Sonne scheint, ist kein Antrieb da. Im Kopf sind weder Ideen, noch Pläne, und zu wirklich viel fähig ist man auch nicht.

Wenn ich einen Vorsatz für 2015 habe, dann ist es, an meinem persönlichen Inspirationsfaden festzuhalten. So unmöglich ist es nämlich nicht, ihn vor dem Reißen zu bewahren. Zuallererst ist es dazu wichtig, sich überhaupt darüber bewusst zu werden, was einem die Inspiration raubt. Und welche Dinge einem neue Inspirationsschübe verpassen können: Neue Pläne, Ausbrechen aus eingefahrenen Mustern. Eine Reise, die schon beim Buchen ein neues Gefühl hervorlockt, und nach der man mit einer neuen Sicht zurückkommt. Eine aufgeräumte Wohnung, die die Energie nicht schon beim Chaos-Anblick aufsaugt. Bücher, Magazine, Texte, die man tatsächlich lesen sollte, statt sie nur auf den Nachttisch zu legen. Der Gang ins Museum, der Trip in die Berge, der Spaziergang im Park. Jeder findet sie für sich selbst, die persönlichen Inspirationsspritzen. Man muss es nur tun, anstatt den Faden einfach loszulassen. Und wenn es sich mal wieder ankündigt, können sie das Erste-Hilfe-Kit sein, die ihn gar nicht erst reißen lassen.

Es gibt übrigens auch schöne Dinge, die den Inspirationsfaden strapazieren. Verliebtsein zum Beispiel. Da wiederum ist ein bisschen unproduktives Dahinsimmern erlaubt, zumindest für eine Weile. Genau wie von Weihnachten bis Silvester. In diesem Sinne: schöne faule Tage, ihr Lieben!

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9 Antworten zu “Vorsatz 2015: der Inspirationsfaden”

  1. Schön geschrieben! Ich kenne das leider auch zu gut, besonders ärgerlich, wenn man sich wirklich jeden Morgen selbst in den Allerwertesten treten muss um produktiv und kreativ zu arbeiten.
    Ich werde im neuen Jahr auf jeden Fall daran arbeiten, wieder inspirierter und mit mehr Freude bei der Sachen zu sein – ahoi gute Vorsätze!

  2. Es gibt wirklich nichts was mehr Auftrieb und Motivation gibt, als gute Inspiration. Das kann für jeden auch wirklich was anderes sein. Auch bei mir, kann diese Inspiration immer wo anders herkommen. Mal aus einem Buch, einer Zeitschrift, einfach aus dem Alltagsgeschehen oder von Freunden. Aber sie sind sooo wichtig!
    Schöne Feiertage wünsche ich dir!!

  3. „Zukunftsängste, die abends mit ins Bett gehen. Oder auch Männer, die Energie und Inspiration nehmen, anstatt friedlich mit im Bett zu schlummern.“ – Groß!

  4. Inspiration kommt bei mir meistens dann, wenn ich gar nicht damit rechne – und fehlt, wenn ich sie dringend bräuchte. An dem Timing zu arbeiten wär auch mal ein ziemlich guter Vorsatz und mit deinen Ideen denke ich sogar, dass man das vielleicht wirklich selbst beeinflussen kann. Danke für diesen tollen Text!
    Auch dir schöne, faule und gemütliche Weihnachtsfeiertage!

    • Danke für deinen Kommentar! So ganz selbst beeinflussen wird man es wohl nie können, und inspirationslose Phasen oder Tiefs sind auch nötig, damit es Hochs geben kann. Aber wenn man sich darüber bewusst wird, dass man sich selbst manchmal Inspirationsschübe geben kann, ist das glaube ich ein Anfang.

  5. Wie Recht du hast! Inspiration macht wirklich unser Leben aus.
    Gefährlich ist aber glaub ich auch wenn wir einen Überschuss an Informationen und Inspiration bekommen, den wir nicht verarbeiten können, so schaltet man automatisch ab und lässt nichts mehr an sich ran. Also auch nicht zu viel spritzen ;)
    Amazed ist übrigens eine super Inspirationsquelle für mich!

    • Den Zustand kenne ich nur zu gut. Deshalb gilt es herauszufinden, was einen wirklich inspiriert, in all dem Zeug, was täglich und vor allem im Internet auf einen hereinprasselt. Manchmal ist z.B. Handy und Laptop ausschalten die beste Inspirationsquelle.

  6. Das mit den Zukunftsängsten könnte glatt von mir stammen – sie sind für die nächste Zeit vorbei, aber sobald die Bewerbungsphase für den Master losgeht, werden sie mich sicherlich wieder einholen.

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