Aquatisch, maritim & molekular: Meine Lieblingsparfums sind klar wie ein Sommerregen

25. November 2019 von in

Parfums sollen Charaktere unterstreichen. Mehr als das sollten Parfums nicht machen, denn wer mag es schon, wenn Düfte übertünchen und aggressiv die Aufmerksamkeit auf sich ziehen; Stichwort: Aftershave. Ein für mich gutes Parfum ist komplex, leicht und trägt keinen Charakter auf, sondern unterstreicht ihn. Wenn ich mir meine aktuellen Lieblingsparfums so ansehe, sammeln sich da sehr ähnliche Nuancen an. Sie sind maritim bis aquatisch, molekular, synthetisch und frisch und klar wie ein lauer Sommerregen. Falls auch ihr Fans dieser Art von Düften seid, dann seid ihr in meinem heutigen Parfum-Spezial genau richtig.

Aquatisch, maritim & molekular: Meine aktuellen 5 Lieblingsparfums

27 87 – Wandervogel

27 87 ist eine genderneutrale und vegane Nischenmarke aus Barcelona, die den Fokus auf Qualität statt Quantität legt. Das sieht man bereits an den geradlinigen Flakons, die sich in Zurückhaltung üben, statt zu protzen. Auch die Düfte sind mindestens genauso zeitgemäß, komplex originell. Sie sind diese Sorte von Parfum, die man bei ihren Trägern und Trägerinnen aufschnappt und nicht zuordnen kann. Sie duften irgendwie, aber nicht nach Parfum. So auch Wandervogel. Der leichte, minzige Duft geht eher in Richtung erfrischender Zahnpasta oder Minzkaugummi, als klassisches Parfum. Die Minze ist in den Kopfnoten in guter Gesellschaft mit Shiso Blättern und maritimen Noten, die an die frische des Meeres erinnern, an warmen Sand und salzige Luft. In den Herznoten wird Wandervogel blumiger und edler: Anis, Fenchel und weiße Blüten tun hier ihr Bestes, die am Ende von rauchigem Moschus und Sandnoten abgerundet werden. Wandervogel ist perfekt für die jenigen, die ebenso wie ich maritime und aquatische Düfte lieben, die von einem guten Parfum eine Frische erwarten, die nichts mit blumiger Süße zu tun hat. Wandervogel ist cool wie der Atem nach frisch geputzten Zähnen und eine Meeresbrise.

27 87 – Genetic Bliss

Auch ich bin zum ersten Mal durch Molecule in die Berührung mit Molekül-Düften gekommen. Auch Genetic Bliss ist ein Molekularduft, der chemisch bis metallisch riecht und einen hohen Suchtfaktor hat. Wie viele andere Molekulardüfte auch, verändert sich der Duft über die Zeit hinweg, er trägt manchmal auf, mal hält er sich zurück. Er verfliegt nicht linear, wie normale Parfums. Genetic Bliss ist holzig und synthetisch. Doch anders als das berühmte Molecule 1 ist er klarer, zurückhaltender und wandelbarer. Eigentlich ist er wie Butter. Wie eine Art Booster holt er in der Kombination das Beste aus anderen Parfums heraus und gibt ihnen mehr Haltbarkeit und Facetten. Genetic Bliss funktioniert alleine und als Paar – vor allem mit Wandervogel.

Le Labo – Baie 19

Wo wir gerade von martimen und holzigen Düften sprechen: Das neue Parfum Baie 19 von der bekannten Nischenbrand Le Labo ist das beste aus diesen zwei Welten. Er lebt von Petrichor, einer Duftnote, die den Sommerregen auf trockenem Boden beschreibt. Diese klare Frische, die nach einem Regenschauer entsteht, kommt in Baie 19 Hand in Hand mit klassischem Patchouli und holzigen Noten daher. Baie 19 ist, als hätte man einen Regentag im Wald verbracht. Nur in gut.

Le Labo – Neroli 36

Schon 1000 Mal gefeatured, doch Neroli 36 hält sich wacker auf den vorderen Plätzen meiner Parfumsammlung. Anders als die obigen Düfte ist dieser von Le Labo die Spitze der Frische. Seine Herznote wird dominiert von Calone, eine Nuance, die auch Watermelon genannt wird und das reine Wasser beschreibt. Neroli 36 erinnert mich an Meer, Wasser, Frische. Er ist fast schon, als sprünge man in den Ozean. Nach einiger Zeit entwickelt er sich weißblumig, fast schon pudrig, doch bleibt glasklar und verliert seinen Sprung ins Wasser bis zum Ende nicht. Bei Neroli 36 scheiden sich die Geister, entweder man ist süchtig nach ihm (so wie ich), oder man kann ihn nicht ausstehen (was mir ein Rätsel ist). Für mich ist er der ultimative Sommerduft, den ich aber konsequent das ganze Jahr über trage.

Schwarzlose Berlin – Zeitgeist

Ich habe Zeitgeist bereits auf die Hälfte des Flakons runter gesprüht und habe jetzt schon Angst davor, dass er jemals aufhört, so sehr liebe ich dieses Parfum. Er war das erste, teure Nischenparfum, das ich mir gekauft habe. Mit Zeitgeist fing alles an und die Liebe soll niemals enden. Auch Zeitgeist startet mit Calone, also einem Sprung in den Ozean, doch bleibt weniger aquatisch. Er geht, anders als Neroli, schnell in die molekular-synthetische Richtung, weshalb er auch seinem Namen Zeitgeist alle Ehre macht. Er ist klar, rein, modern und (so beschreibe ich ihn am allerliebsten) sexy. Ich finde, sexy trifft Zeitgeist sehr gut, obwohl er nicht dem Sexy-Klischee, also süßlich rosig, entspricht. Er ist eher Berlin-sexy. Also cool, und auch wortwörtlich kühl, klar und, aufgrund seiner molekularen Nuancen, ungreifbar.

 

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2 Antworten zu “Aquatisch, maritim & molekular: Meine Lieblingsparfums sind klar wie ein Sommerregen”

  1. Yeaaah! Darauf hab ich gewartet, endlich mal wieder Parfum Input. Dickes Danke!! Freu mich schon auf den nächsten Sprung in die Parfümerie (gibt hier zumindestens eine die ein paar Nieschendüfte hat).
    Sag mal Amelie kennst du auch andere Parfumliebhaber*innen die wie du einen guten Geschmack haben, aber eben einen anderen? Fände noch mehr Input in der Richtung wunderbar

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