Outfit: Vom Abschied von Perfektion und entspannteren Hundeeltern

31. März 2021 von in ,

Pullover – & other stories (alt, ähnlicher hier), Hose – Zara (alt, ähnliche hier), Tasche – Mads Norgaard, Sneaker – Adidas, Sonnenbrille – Ace & Tate

Mein Ehrgeiz war mal wieder zu groß. Das bescheinigte mir am Wochenende eine Hundetrainerin, die wir gebucht hatten, um zu gucken, ob wir wirklich alles richtig machen mit Pepe. Denn gerade ich hatte nie einen Hund, sondern immer nur Katzen. Und wer kennt es nicht, als Katzen-Fan: Sie brauchen wirklich alles, nur keine wirkliche Erziehung. Eher hüpfen sie dir auf dem Kopf herum und lehren dir, was für eine bescheuerte Idee es ist, ihnen irgendetwas beizubringen. Mit Polly hatte ich da sozusagen sehr viel Glück. Denn ihr konnte ich trotz Katzen-Dasein beibringen, dass sie auch wirklich kommt, wenn ich sie rufe. Doch nicht nur das, sie läuft mir sogar wie ein Hund hinterher. Vielleicht gebe ich ihr aber auch einfach zu viele leckere Snacks, sodass sie mir hin und wieder wohlgesonnen ist.

Bei einem Hund ist es ja ganz anders. Ich möchte nicht den Vergleich zu einem Kind anstellen, aber so viele Ratschläge, wie ich beim Thema Hund bekommen habe, gab es bei Polly nie. „Erzieht ihn unbedingt.“ „Lasst nichts durchgehen.“ „Seid streng, sonst macht er was er will.“ Danke dafür, aber ja, dass ein Hund gut erzogen sein muss, wusste ich auch vorher. Und wer sich einen Welpen anschafft, liest vielleicht auch das ein oder andere Buch – hoffe ich zumindest. Für mich war klar: Wenn wir das Projekt Hund starten, dann richtig. Mit guter Erziehung, Konsequenz und natürlich auch viel Liebe. Damit Pepe später gut hört, und nicht einer dieser Hunde ist, die jeden anbellen. Die vielen verschiedenen Meinungen, Ratschläge und „Passt auf, viel zu viele unerzogene Hunde landen im Tierheim“ verunsicherten mich dann doch.

Und so haben wir uns richtig viel Mühe gegeben. Ab Sekunde 1. Stubenrein war er innerhalb von zwei Tagen, Sitz und Platz konnte er nach einer Woche. Er wird es mit Sicherheit wieder verlernen, dann wenn er in die Pubertät kommt, aber fürs erste machte mich dieser Trainingserfolg ganz froh. Bis ich irgendwann mit ihm spazieren ging und er permanent in meinen Mantel biss. Eine Laune? Nein! Beim nächsten Mal machte er es wieder. Und ich war alarmiert. Oh nein, wie bekommen wir das wieder los?

Die Hundetrainerin: „Gar nicht.“ Und ich: W A S? Und dann kam der Moment, an dem sich mich auf den Boden der Tatsachen zurückholte: „Er ist ein Baby. Er findet den flatternden Mantel spannend. Das ist ganz normal.“ Ich atmete auf. Okay, aber reinbeissen soll er ja trotzdem nicht. Und was, wenn er sich das beibehält. Auch hier gab es Entwarnung: „Wird er nicht. Sie sagen ihm konsequent, dass der Mantel nichts für ihn ist. Ersetzen den Mantel mit Spielzeug oder einem Leckerli. Und bitte, seien Sie nicht so überambitioniert. Er soll auch noch etwas Hund sein.“ Bäm, das saß. „Aber, aber ich dachte, man muss streng sein.“ „Ja, konsequent schon, gleichzeitig muss er aber noch nicht alles können. Wenn er an der Leine geht, schnüffelt und die äußeren Reize für sich verarbeitet, ist das schon viel. Wenn er dann noch Sitz macht, ist das genial, mit seinen guten drei Monaten.“ „Er macht sogar Platz“, sagte ich nicht ganz ohne Stolz – und die Trainerin bemühte sich, nicht die Augen zu verdrehen. „Sie sind definitiv zu ehrgeizig, Pepe ist super, sie sind gute Hundeeltern und er wird ein gut erzogener Hund. Aber jetzt ist er noch kurz bisschen Baby.“

Die Hundetrainerin nahm mir die Angst, irgendwas richtig falsch zu machen. Und ich konnte entspannen, und vor allem einen Gang runterfahren. Wir werden weiterhin trainieren, auch mit der Trainerin an unserer Seite, damit Pepe am Ende ein glücklicher Hund wird. Aber fürs erste können wir schon stolze Hundeeltern sein. Instinktiv- und dank der Lektüre – haben wir schon viel richtig gemacht. Was für eine Erleichterung.

Und da musste ich abends fast schon lachen. Ich meinte immer zu meinen Freund:innen, dass ich bestimmt mal eine strenge Mama sein werde. Da meinte ich aber mein zukünftiges Kind – und nicht meinen Hund. Aber wenn es um Verantwortung für ein Lebewesen geht, packt mich der Ehrgeiz und vor allem die Fürsorge. Ich möchte vieles richtig machen und wenig falsch. Und wenn ich eines aus der Stunde mit der Hundetrainerin für das Jetzt und meine Zukunft gelernt habe: Es ist okay, auch mal Fehler zu machen. Keine (Hunde-)Mama oder (Hunde-)Papa ist perfekt. Und nur weil man mal was falsch oder nicht on point macht, gerät das (Hunde-)Kind nicht auf die schiefe Bahn.

Dieser Anspruch an Perfektion – vor allem bei einem Lebewesen – ist absurd. Und so bin ich froh, dass mir jemand Außenstehendes all die Sorgen genommen hat. Fast wie eine Hebamme wahrscheinlich. Etwas mehr Leichtigkeit darf nun einziehen, Pepe ist ein toller Hund. Und ich versuche mich nur noch in Perfektion bei (Hunde-)Accessoires. Wie meine neue Tasche für mich als frisch gebackene Dog-Mom. Hier passt wirklich alles rein, was der kleine Racker braucht. Denn coole Hundeeltern wollen wir auf jeden Fall sein.

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4 Antworten zu “Outfit: Vom Abschied von Perfektion und entspannteren Hundeeltern”

  1. Liebe Antonia
    Als Teammitglied-Katze: Wie geht es eigentlich Polly? Haben Pepe und Polly sich inzwischen angefreundet?
    Ich möchte in Zukunft sehr gerne eine Katze als Mitbewohner, mein Freund einen Hund. Daher verfolge ich die tierische Entwicklung bei dir gespannt.
    Lieber Gruss
    Isabelle

    • Liebe Isabella,
      genau so war es bei uns auch :) Ich bin Team Katze, mein Freund ist Team Hund. Wir haben uns also gut informiert, welcher Hund gut mit Katzen kann und bewusst für einen Welpen entschieden, weil es dann einfacher ist. Ich hätte sonst gerne auch einen Hund gerettet. Polly geht es sehr gut, den ersten Tag fand sie den Hund komisch, mittlerweile lässt sie ihn machen. Kommt er ihr zu nah, zeigt sie es ihm. Ansonsten ist sie aber super entspannt, schläft neben uns, auch wenn er nur ein paar Zentimeter entfernt ist und gewöhnt sich immer mehr an ihn. Ich muss aber auch sagen, dass Polly wirklich die entspannteste Katze der Welt ist. Ich glaube, wenn man bspw. eine junge Katze/Babykatze und einen Welpen zusammenführt, gibt es gar keine Probleme. Das ist dann Normalität für beide. Nur eine alte Katze kann sich vielleicht nur noch schwer an einen Hund gewöhnen. Hier herrscht also Waffenstillstand bis Harmonie – und ich kann mir vorstellen, sobald Pepe etwas ruhiger und weniger wuselig ist, kuscheln die beiden auch zusammen. :)

      Liebe Grüße!

  2. Schade, dass ihr keinen Hund aus dem Tierheim gerettet habt, nur weil ein Welpe „einfacher“ ist.
    Aber das muss im Endeffekt auch jede:r für sich entscheiden :)
    Ganz viel Freude weiterhin mit dem neuen Familienmitglied!

    • Liebe Marry,
      ich habs schon mehrfach gesagt: Ich hätte sehr gerne einen Hund aus dem Tierheim gerettet und habe mich nicht für den „einfacheren Weg“ entschieden. Sondern mir wurde abgeraten, weil ich bereits eine Katze besitze. Und ich wollte auch meiner Katze einen guten Start mit einem Hund bereiten, der besser einzuschätzen ist. Das konnte mir im Tierheim und im Tierschutzverein niemand garantieren, deswegen ist es dann doch ein Welpe geworden. Und ehrlich gesagt empfinde ich einen Welpen weitaus anstrengender als einen bereits erwachsenen Hund ;) „Einfach“ ist wahrscheinlich keine Hunderziehung :)
      Liebe Grüße!

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