Riots not Roses – Happy Frauenkampftag!

8. März 2018 von in

Wusstet ihr, dass der Weltfrauentag ursprünglich eine Initiative sozialistischer Organisationen im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen war? Vermutlich nicht – und das ist auch kein Wunder. Denn was heute noch vom Weltfrauentag übrig ist, sind meist Pralinen, Rosen und gewitzte Werbegags von Unternehmen, die „Mädelswochenenden“ und Prosecco-Tastings verlosen.

So hat sich beispielsweise die Drogeriekette Rossmann für diese Woche in „Rossfrau“ umbenannt und unter dem Hashtag #lasstdiefrauraus Kundinnen dazu aufgerufen, Bilder auf Instagram hochzuladen. Man solle unter den Postings verraten, wieso man gerne eine Frau ist. Die ganze Werbekampagne kommt tief aus dem Klischeesumpf gekrochen und listet die schlimmsten Stereotype auch noch feinsäuberlich auf der Webseite auf: „die Diva“, „die Prinzessin“, „die Beautyqueen“ oder „die Powerfrau“. Dabei verkauft die gute Rossfrau, genauso wie alle großen Drogerieketten, nach wie vor identische Produkte in rosa und blau, während die Produkte für Frauen teurer sind als die für Männer. Sie bietet auch weiterhin Einhornshampoo für Mädchen und Piratenshampoo für Jungs an.

Sinnentleerte Marketingphrasen

Auch Douglas fährt zum Weltfrauentag eine Kampagne unter dem Namen „Do it for you“ – und will damit Frauen ans Herz legen, sich nicht von den Erwartungen anderer abhängig zu machen. Das Ganze ist Douglas‘ erste „Haltungskampagne“ – wobei sich die Frage aufdrängt, wie viel Haltung genau in dieser Phrase stecken soll. Und das ist noch nicht alles: Das Trockenshampoo „Batiste“ wirbt seit Neuestem mit dem Hashtag #yesyoucan. Mithilfe eines Bots will die Werbeagentur frauenfeindliche Posts auf Twitter identifizieren und dann mit dem Firmen-Account mit positiven Statements antworten. Mit Trockenshampoo zu Gendergerechtigkeit? Das muss die Lösung sein. Der Kapitalismus hat soeben seine Höchstleistung an Absurdität erbracht.

Es sind drei Beispiele von vielen, aber allen gleich ist eins: „Frausein“ wird nicht nur mithilfe von Klischees definiert – es werden auch keine echten Probleme adressiert. Dadurch, dass es sich immer nur um eine verwaschene Version von „Selbstliebe“ dreht (die man natürlich nur mit dem Erwerb bestimmter Produkte umsetzen kann), werden akute, sozialpolitische Diskriminierungen einfach weggeworben. So wird der Kampf um Gerechtigkeit ins Lächerliche gezogen und auf sinnentleerte Hashtags herunter gebrochen. Der Weltfrauentag wird genutzt, um den Profit zu steigern – und der einstige Kampf um Emanzipation löst sich in Rosen-Vanille-Parfüm auf.

Der Kampf ist noch lange nicht vorbei

Lasst euch nicht an der Nase herumführen: Werbekampagnen wie diese sind weder fortschrittlich noch clever. Und würden es Unternehmen tatsächlich einmal ernst meinen mit dem Wunsch nach Gleichberechtigung – sie hätten durchaus Gelegenheit dazu. Zum Beispiel mit einer Abschaffung von „Gender Pricing“, „Gender Marketing“ und all den anderen Ungerechtigkeiten, die der Kapitalismus in Bezug auf Gender bietet. Nur gibt es da ein kleines Problem – denn das würde eventuell nicht zu noch mehr Profit führen. Und das ist und bleibt nun mal die Idee hinter Marketingaktionen wie diesen.

Besinnen wir uns also heute, statt Selfies mit Marketing-Hashtags hochzuladen und uns Rosen andrehen zu lassen, lieber auf die Ursprünge des Weltfrauentags: Denn der war eng mit antikapitalistischen Ideen verknüpft und hatte wenig damit zu tun, das Frausein zu „feiern“. Es ist ein Kampftag und soll auch einer bleiben – denn auch 117 Jahre später gibt es offensichtlich noch mehr als genug zu tun. Also: Besucht eine Demo, werdet laut, steht ein für eure Rechte – ganz ohne Rosen, Pralinen, Prosecco und Hashtags. Außer vielleicht #frauenkampftag.

Demos zum Frauenkampftag: Berlin / München / Frankfurt am Main / Stuttgart / u.v.m.

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4 Antworten zu “Riots not Roses – Happy Frauenkampftag!”

  1. Ich würde mich über mehr konstuktive und tiefergehende Artikel zum Thema Feminismus von euch freuen.
    Mehr die positiven Beispiele und das aktive Handeln in den Vordergrund zu stellen, anstatt groß und breit über negative Beispiele zu meckern: welche tollen Projekte gibt es schon, welche sollte man anregen, welche könnt ihr selbst anregen, was kann ich im kleinen tun usw.

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