Serientipp: Fett und Fett für alle Münchner und Neuköllner

16. Oktober 2019 von in

„Kennst du die schon: Münchner Typen in der Midlife Crisis mit 30, die immer ins Charlie und ins Cucurucu gehen“

So machte mir ein Freund kürzlich die neue Serie Fett und Fett aus der ZDF-Mediathek schmackhaft. Eine Serie, von der ich in den darauffolgenden Tagen immer wieder hörte, meist mit dem Zusatz „hab ich direkt am Stück durchgeschaut“: Der Faktor, der für mich endgültig reicht, mir eine Serie schmackhaft zu machen. Denn dass mich eine Serie wirklich so fesselt, dass ich nicht mehr aufhören will, passiert ganz schön selten – wenn sie aber gleich meinen halben Freundeskreis so catchen kann, dann mich vermutlich auch.

Was hat es also auf sich mit Fett und Fett? Sie stammt aus der Feder zweier Münchner HFF-Studenten um die Dreißig, Chiara Grabmayr und Jakob Schreier. Die damit treffender und unmittelbarer als viele andere Serien ein bestimmtes Lebensgefühl einfangen: Das Gefühl des um-die-Dreißig-sein in München, das sich irgendwo zwischen Cucurucu, Charlie und der Müllerstraße abspielt, in Untergiesing und an der Isar – und natürlich obligatorischerweise auch ein bisschen in Neukölln. Weil eben immer irgendwer gerade wieder nach Berlin zieht, und man eben immer wieder mal mit dem Sparticket oder dem Flixbus nach Berlin fährt, und sich dabei das gute Schawarma von Azzam nicht entgehen lässt.

Genau das ist es, was so viele gerade dazu bringt, Fett und Fett durchzuschauen: Man kann sich – definitiv als Münchner, vielleicht sogar als Berliner oder zumindest als zugezogener Neuköllner – mit all den typischen Orten, aber auch mit all den großen und kleinen Szenen identifizieren. Mit der Partyeinladung, die allerdings in Moosach stattfindet, woraufhin Protagonist Jaksch seufzend entgegnet, „ich wollt halt heut eigentlich in der Stadt bleiben“. Der Meme-Chat an der Bushaltestelle, der mit „schreibt….“ – „online“ und plötzlichen 4% Akku endet. Die neue Waschmaschine von Ebay Kleinanzeigen, die plötzlich der letzten Charlie-Bekanntschaft gehört. Das Abtreiben an der Isar, das in der Badehosen-Begegnung mit dem alten Schulfreund endet, der „immernoch bei BMW im Marketing“ ist. Die Serie ist ganz schön „München eben“, der geflügelte Satz, den wir alle schon gesagt haben.

Der Protagonist Jaksch, der in der Serie 30 wird, und erstmal in einen Mülleimer am Kolumbusplatz kotzt, weil seine neue Bekanntschaft drei Tage überfällig ist, ist wohl ein Sinnbild des „um die 30 Typen“. Ein bisschen sehr verpeilt, nach zig Praktika immer noch sehr perspektivlos und so wenig reflektiert, dass nicht mal seine Therapeutin Lust hat, sich mit seinem Leben zu befassen – bei der er natürlich nur gelandet ist, weil die Ex es ihm ans Herz gelegt hat. Ob einem bei diesem Protagonisten das Herz aufgeht, oder man am liebsten schreiend davonlaufen möchte, bleibt jedem selbst überlassen – am Ende bleibt aber ein ähnlich zwiespältig-liebevolles Identifikationsgefühl wie damals bei Monaco Franze. Und dem Franzl, der auch mit um die 50 so gar nichts auf die Reihe kriegt, wenn seine Frau nicht wäre.

Mit dem ewigen Stenz, der zumindest bei den Frauen gut ankommt, hat Jaksch in diesem Bereich zumindest mal gar nichts gemeinsam. Und das Herz am rechten Fleck hat er definitiv. Seine gesamte, 11-teilige Geschichte könnt ihr euch hier ansehen – und weil die Folgen alle nur zehn bis zwanzig Minuten lang sind, ist die Serie nun wirklich ideal zum am Stück durchschauen. Viel Spaß!

Fett und Fett in der ZDF Mediathek, verfügbar bis 6. April 2020

Fotos: ZDF/Johannes Brugger

Sharing is caring

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars bestätigst Du, dass Du unsere Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen hast.