Studentin, Feministin, Edel-Escort: 15 Fragen an eine Prostituierte

23. Mai 2018 von in

Vor ein paar Monaten schrieb ich diesen Artikel über die ehemalige Prostituierte und heute Sexualtherapeutin Ilan Stephani. Sie hatte ein Buch über ihre zwei Jahre in einem Berliner Puff geschrieben, mit dem sie viele Hürden und Hemmungen einriss, vieles erklärte und klarstellte und einen Dialog über die Prostituierte in unserer Gesellschaft eröffnete, die bis heute schwer stigmatisiert wird. Das Thema der Prostitution ist vielschichtig und hat unendlich viele Formen und Facetten, die von Zwangsprostitution bis zur persönlichen Erfüllung in diesem Job reichen. Egal, wie man zu Prostitution stehen mag: Sie verleugnen kann man nicht, denn sie existiert und die Nachfrage reißt nicht ab. Nur ein offener Umgang kann zu Akzeptanz führen, zu Verständnis und zur selbstverständlichen Integration von Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen in unsere Gesellschaft.

Nach meinem Artikel bekam ich eine E-Mail. Eine junge Frau erzählte mir, sie sei Studentin, Feministin, arbeite als Edel-Escort und wäre bereit, weitere Einblicke zu gewähren – kurz darauf traf ich mich mit einer unglaublich intelligenten, reflektierten und gebildeten Frau, die mir alle Fragen zu ihrem Nebenjob beantwortete, die mich schon immer interessiert hatten.

Schneller Sex, Bestätigung, Dominanz, Nähe und Zuspruch – was ist es, das die Männer in der Prostitution suchen?

Ohne bestreiten zu wollen, dass es sich bei der Escort-Tätigkeit um eine Form der Prostitution handelt, habe ich doch nicht den Eindruck, beurteilen zu können, was ‚die Männer‘ in jeder Form ‚der Prostitution‘ suchen. Ich kann lediglich berichten, was es ist, das sie bisher bei mir suchten – das aber auch nur in Ansätzen, weil die Gründe mannigfaltig sind und dazu oft etwas, worüber der betreffende Mann entweder selbst nicht tiefgehend nachdenkt oder mir die Ergebnisse dieses Gedankenganges nicht mitteilt. 

Aber zu dem, was ich weiß: Die Dates reichen vom Dinner Date mit einem Witwer, welcher seinen Töchtern nicht ständig neue Frauen vorsetzen und auch auf keine klassischen Dates gehen, andererseits aber auch nicht auf körperliche Nähe, Berührungen und schöne Abende in kultivierter Begleitung verzichten will, über mehrtägige Geschäftsreisen mit mir als stolz vorgezeigter neuer fester Freundin bis hin zu zwei-Stunden-Treffen mit einem Manager nach dem Geschäftstermin, bei denen es nach einem Glas Champagner und freundlichem Geplänkel unumwunden zur Sache geht (was übrigens auch seinen Reiz hat). Man kann sagen, dass die Dauer eines Dates einem vorher schon Auskunft darüber gibt, was derjenige vor hat. Also etwa: Zwei Stunden heißt meistens ein Sexdate oder ein Treffen mit jemandem, der vor einer längeren Buchung die Chemie testen will. Sechs Stunden heißt ein Dinner Date mit vorherigem und/oder anschließendem Sex. 18 Stunden bucht meist jemand, der die girlfriend experience sucht, man geht Essen, unterhält sich angeregt, hat mehrmals Sex, schläft miteinander ein, frühstückt gemeinsam.

Ich denke, es geht – zumindest im Escort – klar auch um Sex, schnellen Sex würde ich aber als beliebig und eventuell respektlos beschreiben und zumindest das Gefühl von Respektlosigkeit hatte ich nie und ich denke offen gestanden auch, dass Escort dafür auch schlicht und einfach eine zu teure Lösung ist. Escort ist ein wenig, wie ein Tanz, ein Theaterstück, bei dem beide wissen, wie die Rollen verteilt sind und worauf es hinauslaufen wird. Natürlich weiß ich, dass ich nicht nur für die angeregte Unterhaltung getroffen werde – wobei das auch schon vorgekommen ist –  sondern vielmehr für die täuschend echte Illusion des, sagen wir, perfekten dritten Dates. Restaurant, Unterhaltung, lachen, flirten, Hotel, Sex, kuscheln, weiter unterhalten, oft über aktuelle Probleme, Details des Berufs, über Familie und Kinder. Auch hier kommt der entscheidende Unterschied zur Affäre zum tragen: Keine Eifersucht, kein plötzlich an der Familienhaustür klingeln. Wobei Illusion vielleicht das falsche Wort ist, denn natürlich gebe ich mir große Mühe, zugewandt zu sein und mich dafür zu interessieren, herauszufinden, wer derjenige ist und was er sich von diesem Abend erwartet, das bedeutet aber nicht, dass ich ihm zwingend etwas vorspiele. Mir machen diese Abende, diese Herausforderung, jemanden schnell erfassen können zu müssen, das ganze Spiel an sich im Großteil der Fälle wirklich Spaß. 

Bestätigung, Dominanz, Nähe und Zuspruch -hier verschwimmen wie auch beim restlichen Ablauf des Dates die Grenzen zur Beziehungssexualität, ein Mann sucht meiner Erfahrung nach bei einem Escort das, was er sich von seiner idealen Geliebten oder sogar Partnerin wünscht, meist ist er sogar verheiratet, kann seine Vorlieben aber entweder nicht mit ihr ausleben, oder will es nicht, oder sehnt sich nach dem Neuen, Ungewohnten – oder von allem ein bisschen etwas. Ich habe überdies den Eindruck, dass viele der Kunden einen Lustgewinn aus der Tatsache ziehen, es sich finanziell leisten zu können, tausende Euro dafür zu bezahlen, sich aus einer Auswahl schöner und gebildeter Frauen genau jene auszuwählen und mit ihr zu schlafen, nach der ihnen der Sinn steht. In wirklich guten Agenturen funktioniert dies sogar nicht nur über die Optik, sondern über ein matchmaking, durchaus vergleichbar mit dem Vorgehen der großen Partnervermittlungsagenturen. Dies lohnt sich dann für beide Seiten, weil die überwältigende Mehrheit der Klienten ‚Wiederholungstäter‘ sind, die oft ein- und derselben Agentur true bleiben, teils sogar demselben Escort.

Es gibt sehr unterschiedliche Formen der Prostitution – wie sieht die Form aus, die du machst?

Diese unterschiedlichen Formen gibt es in der Tat und ich denke, dass die Frage, wo Prostitution beginnt, was Prostitution eigentlich ist, eine sehr Interessante ist. Und darüber hinaus auch eine, die sich ein jeder stellen sollte, vor allem, wenn er in Begriff ist, über Prostitution zu urteilen. Für mich persönlich besteht beispielsweise kein Unterschied dazwischen, sich mehrere Drinks bezahlen zu lassen, dann mit nach Hause zu kommen und Sex zu haben, oder auch eine Affäre mit einem Mann einzugehen, den man aus romantischen Gründen nicht wählen würde, der einen aber mit Geschenken überhäuft und einer Frau, welche als Escort Männer trifft. All diese Handlungen sind meiner persönlichen Meinung nach Prostitution, auch wenn ich mir durchaus gewahr bin, dass letztere Form im Gegensatz zu den beiden Erstgenannten gesellschaftlich weit verbreitet verpönt ist. Gleichzeitig halte ich aber keines der Beispiele für moralisch verwerflich, sondern für eine individuelle und keinesfalls unmoralische Entscheidung, die es zu respektieren gilt.

Wie läuft ein typisches Date ab?

Das kommt ein wenig auf die Dauer des Dates an, ein zwei-Stunden-Date beginnt auf der Couch einer Hotelsuite und endet in deren Bett, längere Dates beginnen meist auf neutralerem Terrain, zum Beispiel einer Bar oder einem Restaurant. Eine gute Agentur gibt einem vorher zusammen mit Uhrzeit und Ort eine Art Steckbrief über den Klienten, damit man ihn auf Anhieb erkennt und es nicht zu peinlichen Verwechslungen kommt. Manchmal hat er sich ein bestimmtes Outfit gewünscht, das erleichtert den ersten Kontakt dann noch zusätzlich. Ich begrüße ihn dann herzlich mit zwei Küsschen, frage nach seiner Anreise, mache lockere Konversation, um die ersten aufgeregten Minuten – die Zeitspanne zwischen dem Klopfen an die Zimmertür und deren Öffnen kann sich anfühlen wie Stunden und ist für mich immer sehr aufregend, wer weiß schließlich, wer da öffnen wird? Kenne ich ihn? – zu überbrücken.

Wir nehmen meist einen Drink, haben teils zum ersten Mal Sex und fahren in ein Restaurant, danach geht es ins Hotel auf seine Suite, es sind stets Luxushotels. Dort gehe ich – manchmal nach noch ein wenig Unterhaltung – ins Bad und komme in einem Dessous-Set mit Strapsen wieder heraus und ziehe ihn entweder aus oder sehe ihm dabei zu. Beim Sex gehe ich vollkommen auf ihn ein, es kann anspruchsvoll sein, Vorlieben und Wünsche in so kurzer Zeit herauszufinden, das macht es aber auch spannend für mich. Denn natürlich hat der Sex, den ich im besten Fall sehr genieße, immer auch eine geschäftliche Seite: Wenn er zufrieden ist, bucht er mich wieder, und alle Beteiligten – er, die Agentur und ich – sind glücklich. Ich habe stets im Hinterkopf, für wie lange bezahlt worden ist – das Geld wird meist in einem Umschlag auf dem Hotelzimmerschreibtisch hinterlegt, manchmal aber auch eleganter beim Aufeinandertreffen in der Bar zwischen den Seiten eines Magazins überreicht – und wenn die Zeit um ist, frage ich ihn charmant, ob er gerne verlängern würde. Ich würde allerdings niemals auf die Uhr sehen oder abrupt aufstehen, das fände ich extrem unhöflich und stelle es mir für den Klienten auch wirklich unangenehm vor :). Wenn es Zeit ist, zu gehen, und ich angezogen vor der Hotelzimmertür stehe, kommt mein Lieblingsmoment des Abends: Dieses Gefühl, mir meine Zeit so teuer bezahlt haben zu lassen, ist ein für mich sehr Machtvolles, Berauschendes, ich fühle mich jedes Mal wieder hellwach und euphorisiert und gehe manchmal noch alleine in dem Ausgehoutfit, das ich ja ohnehin noch anhabe, auf einen Absacker, bevor mich mein normales Leben wieder hat.

Wie häufig hast du Dates?

Das kommt darauf an, wie oft ich welche wahrnehmen möchte… Ich muss kein Date annehmen, würde ich aber jedes annehmen, was angefragt wird, hätte ich je nach Jahreszeit drei bis fünf pro Woche. Im Schnitt nehme ich drei im Monat wahr, würde ich sagen.

Wie sind die Bedingungen dabei? Darfst du nein sagen, wie viel Prozent des Geldes geht an dich, wie läuft die Bezahlung normalerweise ab?

Die Agentur bekommt etwas mehr als 40% des Betrages, was viel ist, dafür profitiere ich aber von deren Erfahrung und vor allem vom Pool and regulars, also Klienten, die sehr regelmäßig buchen und über die sehr viel bekannt ist. Mir hilft es beispielsweise sehr dabei, „ein perfektes Date hinzulegen“, wenn ich vorher schon weiß, was die Vorlieben des Kunden sind, das reicht von Outfits über Gesprächsthemen und Hobbies bis hin zu sexuellen Vorlieben und No-Gos. Ja, ich darf nein sagen, sowohl bei der initialen Anfrage als auch beim Date selbst. Letzteres ist bisher aber erst ein einziges Mal vorgekommen, und zwar, als mir ein vollkommen zugedröhnter Klient die Tür öffnete und ich auf dem Absatz kehrt machte. 

Die Bezahlung wird meist in bar getätigt, manchmal werde ich aber auch über die Agentur bezahlt, wenn eine Vorauszahlung erfolgt ist, was vor allem bei sehr langen Buchungen so gehandhabt wird. Auf mich wartet dann entweder auf einem Tisch der Hotelsuite oder zwischen den Seiten eines Magazins der fällige Betrag, welchen ich dann mit einem kurzen Blick in den Umschlag kontrolliere – das beginnt bei 1000€ für ein dreistündiges Date und steigert sich bis zu einem fünfstelligen Betrag für eine Woche Reisebegleitung. Letzteres ist aber die Ausnahme, am häufigsten sind sechsstündige Dinnerdates, die man sich im Grunde vorstellen kann wie ein Valentinstagsdate: Beide sind vorfreudig, machen sich besonders hübsch, gehen in ein tolles Restaurant und wissen genau, wie der Abend enden wird.

Warum machst du diesen Nebenjob und keinen anderen?

Für mich hat dieser Nebenjob in der Abwägung schlicht die meisten Vorteile: Ich verdiene mit einem einzigen Escort-Date so viel wie sonst in zwei Wochen Kellnerjob, er hat also vor allem große zeitliche Vorteile für mich, was bei einem so zeitintensiven Ganztagsstudium wie dem meinigen sehr wichtig ist. Dazu – und vor allem – macht er mir tatsächlich meistens Spaß: Ich bereise schöne Orte, gehe in fantastische Restaurants und wohne in großartigen Hotels mit Männern, die zugegebenermaßen eher selten mein Typ-, aber meist sehr aufmerksam und interessiert- und darüber hinaus aufgrund ihrer meist erheblichen Berufs- und Lebenserfahrung sehr weltgewandt, kulitiviert und interessant sind. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass sich der durchschnittliche Escort-Klient (eventuell auch darum, weil ich schon zu Beginn das Geld bekomme, noch bevor irgendwas geschehen ist) mehr um mich, eine gute Atmosphäre und Harmonie bemüht, als es ein durchschnittliches normales Date tut. Last but not least ist es außerdem schon immer so gewesen, dass sich der Gedanke, für Gesellschaft und Sex hoch bezahlt zu werden, schon immer in meinen Phantasien wiedergefunden und angeturnt hat – und es immer noch tut.

Wo liegt deine Grenze, einen Mann abzulehnen?

Im Grunde sind meine Grenzen bei einem Escort-Date dieselben wie sonst auch: ein Date mit einem betrunkenen, respektlosen oder ungepflegtem Mann tue ich mir nicht an, dann verabschiede ich mich höflich und gehe. In einer guten Agentur wird darauf wert gelegt, dass dies mitgeteilt und der Klient verwarnt wird, man wird in dieser Entscheidung unterstützt

Welche negativen Erfahrungen hast du bisher mit diesem Job gemacht?

Einmal bin ich bestohlen worden – ich hatte einen eigentlich schönen Hotelzimmerabend mit gutem Sex mit einem Klienten gehabt, da sagte er auf einmal, er hätte seinen Autoschlüssel in der Tiefgarage verloren und verschwand, angeblich, um danach zu suchen. Wie ich nach einer halben Stunde des Wartens merkte, hatte er leider auch den Umschlag mitgenommen und machte keine Anstalten, wieder zu kommen… Ansonsten fällt mir diesbezüglich nur der mediokre Sex ein, der leider recht häufig ist, den ich aber nicht unter negativer Erfahrung verbuchen würde. Und, ja, es passiert sehr regelmäßig, dass allen Ernstes über Verhütung oder auch Praktiken wie Analsex oder Rimming diskutiert wird, mit denen ich mich vor allem beim ersten Mal nicht wohl fühle, was – genau wie mit ‘klassischen Dates’ auch – sehr lästig werden kann. 

Welchen Einfluss hat der Job auf dein Privatleben?

Einen großen, da es leider – und das sage ich aus leidvoller Erfahrung – nicht funktioniert, vollkommen offen mit diesem Nebenjob zu leben und ich dadurch gezwungen bin, das Thema zu umschiffen und entweder zu lügen oder andere Erklärungen für meine Reisen und Anschaffungen zu finden. Da ich aber weder verbale Ausweichmanöver noch Lügen gut finde, thematisiere ich vor allem die Reisen lieber erst gar nicht vor Uneingeweihten. Der Großteil meiner engen Freunde weiß davon, aber ich bin mittlerweile sehr vorsichtig, welchen ’neuen‘ Menschen ich davon erzähle und natürlich gestaltet sich auch die Partnersuche wirklich schwierig. Escort ist mit einem enormen sozialen Stigma behaftet und ist ein Thema, das oft Urängste, Abwehr und Befremden auslöst, was ich sehr schade finde, alleine aber nur sehr bedingt ändern kann.

Wie offen gehst du mit dem Job in deinem Alltag um?

Ich binde ihn wie gesagt sicher nicht jedem auf die Nase, schon allein, um Ablehnung und Missgunst zu vermeiden, versuche aber schon, Aufklärungsarbeit zu leisten. Mir ist es sehr wichtig, klarzustellen, dass eben nicht jede Frau, die als Prostituierte arbeitet, darunter leidet oder gar dazu gezwungen wird. Und auch, dass ich diesen Nebenjob frei gewählt habe, ihn sogar gerne mache, und nicht machen muss, sondern will. Ansonsten versuche ich der Überzeugung entgegen zu wirken, dass ich irre Mengen Geld damit scheffele – die Agentur bekommt stets etwas über 40% des Geldes, Münchner Mieten sind hoch und ich möchte nicht arbeiten müssen, denn dann würde mir sicher der Spaß daran vergehen. Ich lebe für eine Studentin finanziell sorglos, werde mit dem Escort-Dasein aber so, wie ich es betreibe, definitiv nicht reich.

Wie fühlst du dich nach einem Date?

Nach einem Date fühle ich mich, wie ich mich nach einem gelungenen one night stand oder einer gefeierten Theateraufführung fühlen würde – ein wenig verwegen, vor allem aber euphorisch. Ich weiß, dass ich tausende Euro mit mir herumtrage, es ist ein starkes, ein machtvolles Gefühl. Ich habe das Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes wertvoll zu sein, und auch, für mich gesorgt zu haben, unabhängig zu sein. Der Moment danach ist einer der besten, vielleicht sogar DER Beste.

Wie schützt du dich bei den sexuellen Handlungen?

Immer mit Kondom und Pille, da würde ich niemals Ausnahmen machen.

Hast du Spaß dabei, befriedigt dich der bezahlte Sex?

Das kann ich wie bei normal zustande kommendem Sex natürlich nicht pauschal beantworten, aber ja, ich habe mitunter sehr befriedigenden bezahlten Sex. Nicht nur, aber auch, weil mich die Vorstellung, dafür hoch bezahlt zu werden, tatsächlich schon immer sehr angeturnt hat und das auch jetzt, wo es tatsächlich der Fall ist, nach wie vor der Fall ist. Mich macht es sehr an, dass ein Mann diesen Aufwand – finanzieller und planerischer Natur – treibt, nur, um einige Stunden mit mir verbringen zu können, wohl wissend, dass ich sein Geld ganz zu Beginn bekomme und jederzeit gehen könnte. Zusammenfassend gesagt: Es schmeichelt mir ehrlich gesagt sehr, eine Hetäre oder Geisha der Neuzeit zu sein, eine gebildete, kostspielige Geliebte auf Zeit. Ginge es nur um den Sex, wäre es deutlich weniger reizvoll für mich.

Hast du einen Partner und wie geht ihr mit deinem Nebenjob um?

Ja, den habe ich, und er weiß es, aber ich möchte nicht über oder für ihn sprechen. 

Hat sich deine Sexualität durch den Job verändert?

Ja, zum Positiven, das hat mich selbst erstaunt. Ich bin, wenn ich als Escort arbeite, privat körperlich nicht mehr anderweitig untreu, was ich früher immer war. Auch, wenn ich Kunden körperlich nicht immer irre attraktiv finde, finde ich doch an den allermeisten etwas Anziehendes, befriedigen sie doch mein Bedürfnis nach dem in einer Beziehung irgendwann fehlenden ‚aufregend und neu‘ und haben auch sexuell meist mehr Erfahrung als Gleichaltrige. 

Sharing is caring

6 Antworten zu “Studentin, Feministin, Edel-Escort: 15 Fragen an eine Prostituierte”

  1. Liebe Milena,
    die Prostitution scheint für dich ein faszinierendes Thema zu sein. Auch ich finde es interessant. Du hast dieses Thema nun in zwei Artikeln beleuchtet. Einmal aus der Sicht einer Autorin und eines Escort Girls. Beide haben sich vollkommen freiwillig in diesen Job begeben, die eine um ein Buch zu schreiben und die andere, um sich sexuell auszuleben und einen finanziellen Benefit zu erziehlen. Das sind für mich Nischen innerhalb eines Gewerbes, das auf nichts anderem beruht als einen (meist) weiblichen Körper gegen Geld zu verkaufen. Sehr interessant in diese Welt abzutauchen und mehr davon zu erfahren. Da die Mehrheit der Prostituierten jedoch nicht innerhalb dieser Rahmenbedingubgen arbeiten und mehr als einen (oder drei Freier) pro Nacht bedienen, würde ich dir gerne zur Recherche des nächsten Artikels zu dem Thema einen Verein wie Sisters eV München empfehlen, da ich nicht davon ausgehe, dass du dich dazu in den nächsten Puff begeben möchtest. Damit dieses Thema auch mal aus einer anderen Perspektive betrachtet wird, als aus der heute gängigen linksliberalen, feministischen Sicht, die die Prostitution als einen normalen Job ansieht bis hin zum Ausdruck weiblicher Emanzipation. LG

    • Vielen Dank für die Anregung! Ganz richtig, beides waren Nischen innerhalb des sehr vielschichtigen Gewerbes, und selbstverständlich ist die Prostitution zum Großteil ein Gewerbe, unter dem die Menschen leiden, die ihren Körper anbieten. Trotzdem kommt es auf den Individualfall an, und Artikel wie dieser sollen dazu beitragen, auch ein anderes Bild zu zeigen und das Stigma aufzulockern, das viele Prostituierten gegenüber haben. Wenn sie will und es frei entscheidet, soll eine Prostituierte auch voll in der Gesellschaft stehen können.
      Vielen Dank auf jeden Fall für den Hinweis zu Sisters e.V., den werde ich mir mal genauer ansehen!

      • Der Punkt ist, dass Akzeptanz von Prostitution die Ausbeutung fördert, wie man im Vergleich zu Frankreich sehen kann. Nicht umsonst floriert die Prostitution in Deutschland und 90% der Prostituierten machen den „Job“ nicht freiwillig. In Schweden ist Prostitution verboten, aber bestraft werden die Freier nicht die Prostituierten. Wenn eine Gesellschaft akzeptiert, dass der weibliche Körper eine Ware ist, welche Signale sendet sie an Männer wie Frauen? Hier mal ein paar Infos zu gängigen Mythen rund um das Thema https://sisters-ev.de/wp-content/uploads/2017/12/18-mythen-c3bcber-prostitution.pdf

  2. Ich kann Thea nur zustimmen. Der Artikel ist sehr spannend (wobei die Frage, wie sie konkret dazu gekommen ist Escort zu werden offen bleibt, googelt man das?! und auch wie sie zB zu ihrer Agentur gekommen ist) und ich finde es wichtig, dass Sexarbeiter*innen mehr Akzeptanz und keine Stigmatisierung in unserer Gesellschaft brauchen. Das geht natürlich einher mit dem was Thea sagt, da eben diese fehlende Integration unterstützend wirkt, dass vieles im Graubereich bleibt und viele Sexarbeiter*innen (welche meist aus dem Ausland kommen und ihre Rechte nicht kennen, geschweige denn durchsetzen könnten, da in Abhängigkeiten stehen) zum Teil schwer ausgebeutet werden und sicherlich nicht locker flockig liberal Sexarbeit machen würden, wenn sie die Wahl hätten.

    • Liebe Maria, wie sie im Interview sagt, war die Faszination und die Phantasie schon da, der Weg zur Escort-Agentur führt dann z.B. klassisch über Google. Das oft sehr schwierige und ausbeuterische Gewerbe der Prostitution sollte natürlich nicht verharmlost werden, es soll eher darum gehen, das Thema aufzufächern und das Stigma zu lockern!

  3. Da du von einem zeitaufwendigen Ganztagsstudium sprichst und dich mehrfach als gebildet bezeichnest, scheinst du prinzipiell eine Karriere anzustreben, die abseits von deinem Körper stattfindet. Wie machst du das denn, wenn du fertigstudiert hast, im Beruf durchstarten willst und dann plötzlich einem deiner Freier im Gerichtssaal oder am Verhandlungstisch gegenübersitzt? Ich kann mir vorstellen, dass es in so einer Situation nicht gerade einfacher wird, als junge attraktive Frau ernstgenommen zu werden (ganz abgesehen davon, wie man selbst sich dabei fühlt, wobei du das bestimmt anders als ich empfindest).

Schreibe einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars bestätigst Du, dass Du unsere Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen hast.