Wie ich mich in meinen Jaderoller verliebte

9. Oktober 2019 von in

Ich bin ein Langweiler, wenn’s um Beauty geht. Das wurde mir erst kürzlich wieder bewusst, als ich mit Freundinnen zusammensaß und es plötzlich ums Thema Anti-Aging ging. Während ich seit Jahren die selben Feuchtigkeitsmasken und Augencremes benutze und nur hin und wieder Neues ausprobiere, schlackerten mir nach wenigen Minuten die Ohren. „Unbedingt Hyaloron-Produkte nutzen.“ „Wer von euch hat schon Botox als Prävention ausprobiert?“ „Macht ihr auch so oft Overnight-Masken?“ Wie ein gescheuchtes Wiesel blickte ich von Gesicht zu Gesicht, versuchte, die Faltenanzahl zu lesen, um sie später mit meinem offensichtlich extrem vernachlässigten Gesicht und den tiefen Furchen, die sich in meine Haut spätestens jetzt gegraben haben sollten, zu lesen.

Doch ich fand nichts. Entweder ich habe einfach Riesen-Glück gehabt, im Gen-Pool und die wirklich tiefen Altersfalten machen sich gerade noch warm an der Startbahn, oder ich mache bereits so einiges richtig. Natürlich wäre es gelogen, wenn nicht auch ich dank Instagram & Co. längst einmal an Botox-Prävention nachgedacht hätte. Aber um ehrlich zu sein: Ich wüsste nicht wo. Ich habe keine Zornesfalte, keine großen Stirnrunzel-Falten und dann ist da noch die Angst, am Ende doch die falsche Entscheidung zu treffen. Also schob ich diese Idee auch erstmal auf die „Vielleicht irgendwann“-Bank.

„Aber zu Facials gehst du schon?“, hieß es im Verlauf des Gesprächs. Ich schüttelte beschämt den Kopf. Ich war noch nie bei einem Facial, und tatsächlich mag ich es auch nicht so gern, wenn mir jemand anderes im Gesicht rumfuchtelt. Außer bei Massagen.

„Na gut, dann hol dir wenigstens einen Jade-Roller, um etwas zu tun, bitte“, mit von Beauty-Liebe erfüllten Augen blickte mich meine Freundin an. „Okay, das probiere ich mal aus.“

Von Jade-Rollern hatte ich bereits gehört, aber auch hier zögerte meine Beauty-Laune bisher. Was zur Hölle sollte ich damit tun? Welch‘ Glück, dass Tchibo einen Jaderoller gerade im Angebot hatte. Ich stapfte zum Laden und verließ ihn Sekunden später wieder. A u s v e r k a u f t. Die Masse hatte die Wichtigkeit des Jaderollers scheinbar längst erkannt und pro forma Nachschub bei Tchibo geholt. Mit leeren Händen stand ich da und hoffte, beim Drogeriemarkt um die Ecke fündig zu werden. Ein einsamer Jaderoller hing noch im Regal, denn auch hier hatte wohl wirklich jeder gewusst, Jaderoller muss man haben.

Ich schnappte mir das grüne Ding, ohne so richtig zu wissen, was ich damit tun sollte. Aber hey, es gibt YouTube-Videos. Nachdem das neue Beauty-Tool es sich bei mir im Badezimmer gemütlich gemacht hatte, nutzte ich den nächsten regnerischen Abend, um mich weiterzubilden. Youtube an, eine Stunde später vollgesogen mit Infos aus. Ihr glaubt nicht, wie wichtig so ein Jaderoller für die Schönheit ist. Wenn man den Beautybloggern dieser Welt Glauben schenken mag.

Ich tat’s und rollte los.

Ich rollte weiter. Ich schloss meine Augen. Ich rollte über meine Stirn. Meine Wangen. Sogar mein Hals kam in den Genuss.

Ich war verliebt. Hatte ich das gerade wirklich gedacht? Hilfe, ich erschrak. Ich rollte nochmal zur Sicherheit. Schloss wieder die Augen. Riss sie auf. Blickte den Jaderoller an. Rollte nochmal. Meine Mundwinkel zuckten, bis sie sich zu einem Grinsen entschlossen, und ich zugab: Hilfe, dieses Teil kommt direkt aus dem Himmel.

So muss sich Beauty-Liebe anfühlen. Der kühle Stein des Jade-Rollers fühlte sich unglaublich an. Er erfrischte, der leichte Druck massierte meine Haut, mein Schläfen und Stirn, innerhalb von Sekunden fühlte ich mich ein kleines bisschen entspannter.

Um sicherzugehen, dass wir es hier nicht nur mit einer Eintagsmücke zu tun haben, rollte ich am nächsten Tag gleich nochmal. Diesmal aber mit meinem liebsten Gesichtsöl. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, quasi. Ich massierte nicht mit den Fingern, sondern ließ wieder meinen Jaderoller die Arbeit machen.

Hat er gut gemacht, würde jeder Chef sagen. Das Öl war perfekt einmassiert, meine Haut samtweich und durch den kühlen Stein fühlte ich mich wach und frisch.

Endgültig mein Herz erobert hatte der Jaderoller spätestens beim nächsten Migräne-Anfall. Aus einer Laune heraus dachte ich, der kühle Stein des Rollers könnte helfen. Und das tat er. Mit ihm massierte ich das Minz-Öl ein, das mir ganz gut hilft und fühlte mich gleich ein wenig besser.

Der Jaderoller und ich sind unzertrennlich. Mehrmals die Woche nutze ich ihn, es fühlt sich einfach gut an. Beim Blick in den Spiegel konnte ich bislang keine Veränderungen sehen. Ob der Jaderoller als Anti-Aging-Mittel taugt? Das wird sich dann wohl erst in 10 Jahren zeigen.

„Und hast du den Jaderoller ausprobiert?“, fragte mich meine Beauty-verrückte Freundin ein paar Wochen später.
„Jaaa“, strahlte ich bis über beide Ohren. „Was für ein tolles Teil, ich bin wirklich verliebt.“
„Oh super, dann musst du jetzt als nächstes aber wirklich mal zu einem Facial gehen.“

Puh. Ich weiß noch nicht, ob ich bereit bin, fremdzugehen.

Fotos: Unsplash

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2 Antworten zu “Wie ich mich in meinen Jaderoller verliebte”

  1. Ich würde mich da nicht so beinflussen lassen. Du hast so tolle Haut und machst offensichtlich einiges richtig, um mit über 30 so auszusehen :-).
    Einen Jade-Roller habe ich zwar nicht, dafür einen Rosenquarzroller, der hat etwa den gleichen Effekt, so wie du es beschreibst.

    • Danke <3
      Ja, die meiste Zeit lasse ich mich da auch nicht beeinflussen :) Meine Pflegeroutine funktioniert - und am Ende wirken da ja auch noch andere Kräfte wie gute Ernährung, genügend Schlaf, wenig Alkohol etc. :) Zu mir meinte auch mal eine Kosmetikerin, die meisten Falten ab 30 sind erstmal nur Trockenheitsfalten, also einfach viel Wasser trinken.
      Aber den Jaderoller will ich trotzdem nicht mehr missen, das kühle Gefühl ist so gut (egal, obs was bringt oder nicht hihi)

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