Instagram: Platzt die Blase?

5. April 2017 von in

Die Instagram-Blase. Schon lange verfolgen wir die Entwicklung, die die klassische Währung der Blog-Reichweite durch in die Höhe schießende Instagram-Zahlen in den Schatten stellte. Lange wurde geschwiegen, während aus 50k die 100k und schließlich die Millionen Follower wurden. Bei wenigen ging es dabei mit rechten Dingen zu, viele halfen gehörig nach. Die, die wie wir das ganze Geschummel nicht mitmachten, fanden sich plötzlich als verschwindend winziger Account zwischen all den anderen Bloggern wieder, die über Nacht Instagramstars geworden waren. Was war geschehen?

Das Schweigen hat nun ein Ende, und plötzlich platzen die Enthüllungen an allen Ecken heraus. Jana von Bekleidet erzählt von Instagram-Gruppen, Like-Käufen und Kettengewinnspielen. Reisebloggerin Nicki stellt öffentlich ein paar der Branchenleader an den Pranger. Blogger Bazaar nehmen Abschied von der Bildsprache, die auf Instagram „funktioniert“ und entscheiden sich für Authentizität statt Reichweitensteigerung. Und Vreni von Neverever gibt zu, ihre Zahlen mit Follow-Bots und Like-Austausch frisiert zu haben. Unter dem Hashtag #neverevernotreal eröffnet sie diese Woche eine Gegenbewegung, die das Schummeln sein lassen, Fake-Accounts erkennen und löschen und zurück zur echten Leser- und Follwerschaft finden soll. Bricht endlich das Eis des Schweigens und könnte sich nun wirklich etwas bewegen?

Fakt ist, dass es sich bei dem, was gerade stattfindet, um einen gigantischen Betrug handelt. Die Hunderttausenden Fake-Follower sind nämlich nicht die bloße Bauchpinselei selbstbewusstseinsloser Teenager, die sich ein bisschen Zuspruch auf Instagram suchen, sondern das Ganze ist ein knallhartes Geschäft. Für jeden Instagrampost und jede Story können Beträge im drei- bis vierstelligen Bereich verlangt werden, und genau das wird von Unternehmen auch gezahlt. Immer auf der Suche nach der größten Reichweite für die eigene Marke, nach dem besten Image und dem beliebtesten Influencergesicht.

Was ist aber nun das Fazit aus all den Betrügereien, die gerade in der Instagram-Blase stattfinden? Und um was geht es überhaupt? Am Ende geht es um die Zusammenarbeit von Firmen und Influencern, die durch Zahlen zustande kommt, aber am Ende auch Zahlen abwerfen muss. Reichweitenstarke Influencer zu buchen ist leicht, damit aber das zu erzielen, worum es bei der Kooperation ursprünglich gehen sollte, ist meist eine ganz andere Sache.

Immer wieder höre ich momentan, dass Kooperationen mit Riesen-Influencern keinen, und wirklich absolut gar keinen Effekt hatten. Keine Buchungen in der Brow Bar, keine Verkäufe von Taschen, keine Buchungen von Hotelzimmern. Nach Instagram-Kooperationen mit kleineren Accounts mit echter Followerbindung waren im Vergleich schon nach einer Nacht zahlreiche Buchungen eingegangen, oder Leser kamen ins Geschäft und erzählten, sie hätten davon auf ebendiesem Account gehört.

Neben einem riesigen Prozentsatz an nicht-lebendigen Accounts findet man auf den Profilen, die faken, was das Zeug hält, nämlich vor allem eines: eine Werbeanzeige nach der anderen, denn um nichts als Geld geht es hier mehr, nicht um Inhalte mit Herz und Seele. Wen aber interessiert Marke x und Marke y, wenn der Influencer jeden Tag zehn davon in die Kamera hält? Niemanden – und das wird die Blase früher oder später zum Platzen bringen. Denn Zahlen regieren die Branche – nicht nur Reichweitenzahlen, sondern auch Verkaufszahlen. Dass über Zahlen auf Blogs gar nicht mehr gesprochen wird, sondern nur noch Instagram als Währung gilt, ist dabei noch ein anderes Thema.

Wir haben das Glück, euch als echte und noch dazu schlaue Leser seit Jahren an unserer Seite zu haben – neben Instagram vor allem auf unserer Seite, die unabhängig von einem Algorithmus besteht. Kommentare zu lesen, die nicht aus „nice shot“ Komplimenten einer Bot-Maschine bestehen, und die Kooperationen mit den Marken, die wir auswählen, wirklich zu uns und euch passen und deshalb auch angenommen werden. Oft kriegen wir zu hören, wir wären einer der wenigen Blogs, der noch sei „wie früher“ – vielleicht sollte bei all dem Hype um das schnelle Geld mal wieder genau daran gedacht werden: an die Interessen der Leser, Inhalte mit Mehrwert und Kooperationen mit Sinn und Identifikation. Qualität statt Quantität – denn damit stimmen auch am Ende aller Kooperationen die guten, alten Zahlen.

Gif: Onlinemarketingrockstars

15 Antworten zu “Instagram: Platzt die Blase?”

  1. Ich finde es schade, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Und auch einige bzw. sogar viele meiner liebsten Blogger und Instagrammer sind nur noch voller Werbung und Anzeigen und Unboxing und Affiliate-Links. Klar, man muss von etwas leben, wenn man sich dafür vollzeit entschieden hat – aber was ist mit dem Content?

  2. Hey,
    ich bin auch unglaublich gespannt, wie sich das Business entwickelt. Ich selbst arbeite im Marketing und weiß was es heißt abzuwägen, mit welchen Mädels und Jungs wir auf Instagram nun zusammen arbeiten wollen.

    Anmerkungen auf unseren Profillisten wie „Fake Follower?“ sind Normalität geworden.
    Ich hoffe sehr, dass diese Entwicklung bald ein Ende nimmt, denn auch Marken wollen natürlich mehr Authentizität und Herz – anstelle einer lieblosen Anzeige nach der anderen. Gut geschrieben!

  3. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Ich bin ehrlich gesagt etwas „verzweifelt“. Als kleiner Blogger bekommt man von allen Firmen immer und immer wieder zu hören, deine Instagram Zahlen sind zu schlecht… Warum versteht denn keiner, dass der Blog das eigentlich wichtige und richtige Medium ist?! Ich würde mir niemals Fans kaufen, beobachte das aber bei anderen und bin dem völlig machtlos ausgeliefert. Eine Kooperation nach der anderen wird abgeschlossen und die Firmen merken scheinbar nichts… In einer Like Gruppe bin ich auch, ich wusste allerdings nicht, dass das ebenfalls „abgestraft“ wird. Die Mädels kenne ich mittlerweile fast alle, sodass das für mich eher eine nette Geste ist, als irgendwas illegales… eure Grafik ist mega cool. Ehrlich gesagt like und kommentiere ich auch, was das Zeug hält, sehe das aber eher als „Werbung“ für meinen Blog, denn woher sollen die Leute denn von einem erfahren, wenn nicht über das mega Portal Instagram.

    Ihr habt mich allerdings mal wieder sehr nachdenklich gestimmt, denn eigentlich ist es mir echt so zuwider Stund um Stund in dieser blöden App zu verplempern… Ich bin gespannt, wie das alles weitergeht.

    Ganz liebe Grüße und vielen Dank für euren tollen und ehrlichen Content,

    eure Neele

    • wir können unternehmen, die rein nach zahlen schauen, nicht verstehen. wir schauen uns die accounts an und sehen sofort, ob likes und follower gekauft sind. zu viele wollen auf den zug aufspringen und meinen, ohne anstrengung und fleiß eine deutsche chiara ferragni zu werden. wir erhalten jeden tag unzählige anfragen von mädels, die denken, einen ig account zu haben reicht aus, sich produkte zu bestellen, die sie nicht kaufen müssen, weil sie dann tolle fotos und super werbung machen werden. das reicht aber leider nicht. wenn wir sehen, dass unser account für ein bild zwischen ca. 200-400 likes bekommt bei aber 5.000-10.000 impressions und gut 16 k, kann man schon eine instagram-like-müdigkeit erkennen. zahlen sind eigentlich nicht wichtig. auch nicht früher bei facebook. denn was haben wir denn von fake followern? die machen keinen umsatz!? außer in den agenturen, die sie dir verkaufen und sich die hände reiben.man betrügt sich selbst und der blogger den kunden. dieser schuss muss früher oder später nach hinten losgehen. wir schätzen, dass sich sehr viele blogger und vermarktende agenturen sehr anstrengen oder sich künftig einen anderen ‚job‘ suchen müssen.

  4. Ohja, ihr habt so Recht. Und genau deshalb schätze ich euren Blog auch so: Er ist voller interessantem Content und der Leser hat das Gefühl, dass ihr alles, was ihr macht, aus Leidenschaft tut und nicht fürs Geld. Eben wie „früher“, als noch gar kein Geld geflossen ist. :)

    Liebe Grüße, Malina

  5. Ich frag mich seit langem, wie viele bin den wahrscheinlich zum größten Teil ca 15-20 jährigem Followerinnen von Caro Daur die von ihr präsentierten Produkte von D&G, Chloe und Co leisten können….;-). Dazu kommt, dass die Fotos ca. 3-4 mal wechseln, das ist fast schon Reizüberflutung…. Pamela Reif ich auch spannend: beim Ansehen ihres Instagram-Accounts bin ich bin jedes Mal aufs Neue verwundert, dass sie angeblich ihr Abitur mit 1.0 gemacht haben soll….und warum ihre Figur so gehypt wird, ist mir auch nich nachvollziehbar….und dann frage ich mich wiederum, ob ich nicht vielleicht einfach nur neidisch auf beider Erfolg bin….? dabei bin ich selbst weder Bloggerin noch Instagrammerin….und bin froh, dass ich mich nicht täglich aufs Neue bei Instagram beweisen muss…dennoch: an die Arbeit eines gut recherchierten Artikels wie zB Eurem Blog kommt so ein Foto nie heran und die Preise die fürs Produktplacement bezahlt werden halte ich nicht für gerechtfertigt….ich hoffe, dass die zukünftig gerechter verteilt wird, damit qualitative Blogs wie Eurer bestehen bleiben werden….Liebe Grüsse

  6. Toller Artikel, aber von eurem Blog bin ich es eh gewohnt, dass ihr euch kritisch mit solchen Hypes auseinandersetzt. Deshalb lese ich so gut wie keine Blogs mehr, um Instagram und Co mache ich schon lange einen gaaanz grossen Bogen. Schade nur, dass das erst jetzt offen ausgesprochen wird, wo sich schon x-tausende Mädels wahrscheinlich schon verzweifelt verschuldet und körperlich kasteit haben, um den Trullas, oh Verzeihung, „Influencern“, nachzueifern. Aber Geld stinkt ja bekanntlich nicht. Deshalb, Mädels: besser von den ganzen schwindligen Apps abmelden und ein gutes Buch lesen, ist besser fürs Karma.

    Danke nochmals für den Artikel!

  7. Ich gebe euch vollkommen recht!
    Ich arbeite im Bereich Social Media Analytics und könnte fast täglich brechen, wenn ich sehe was „Kollegen“ machen.
    Wie kann man Influencer einkaufen, ohne zu schauen, ob die Follower echt sind. Warum kauft man sich Reichweiten, die in Bots enden? Und wie kann man nur so hart auf Qualität scheißen!?
    Mich macht das Thema unglaublich wütend, dass man influencer nicht nach Qualität bewertet, sondern einfach nur Zahlen in den Raum wirft, und hofft, dass der Kunde kauft.
    Bitte bleibt so authentisch & lasst euch von so einem Strom nicht treiben! <3

  8. So ein toller Artikel!
    Ich hoffe ja schon lange, dass die Blase platzt und endlich mal wieder die Leute Erfolg haben, die mit ehrlichem und sinnvollem Content punkten.
    Sobald ich mehr als 2 Uhren und zig Taschen gesponsored sehe, entfolge ich sowieso :D

  9. AMEN!!
    Immer wieder gut, dass man die Meinung nicht alleine vertritt.
    Unglaublich, wie manche Instagram Accounts einfach über Nacht wachsen und noch unglaublicher, dass viele Agenturen und Brands einfach auf den Schwindel reinfallen.
    Macht es uns als „Non-Faker“ natürlich nicht leichter, im Blogger Business mitzuhalten.
    Ganz genau meine Worte, weiter so!!
    xx

  10. Ein toller Artikel mal wieder und zu dem Bots-Thema ist auch alles gesagt, was meine Meinung widerspiegelt. Bei dem von euch verlinkten Artikel „warum seht ihr alle gleich aus“ habe ich mir beim Lesen aber auch gedacht – es gibt ja auch viele kleine, mit Herzblut geführte Accounts, die viel individueller sind – da verstehe ich aus User Sicht nicht, wieso man sich drüber beschwert aber dann doch allen großen folgt, die uniformiert die gleichen Produkte und Ausblicke mit Eifelturm und Macarons posten. Aus Firmensicht verstehe ich natürlich, dass Reichweite ein Faktor ist – aber auch hier ist es unverständlich, dass keiner richtiges Controlling betreibt, ob das investierte Geld auch bei der Zielgruppe landet, die Umsatz bringt oder halt bei Bots. Manche Hypes und Trends inspirieren ja auch – und auch ich trinke bestimmt nicht zuletzt wegen Instagram Matchalatte oder esse Smoothiebowls, setze den urban jungel interior Trend um, oder oder – wie im Leben 1.0 haben bestimmte Zeiten auch bestimmte Trends. Ich glaube Antionia hatte hier auch schonmal drüber geschrieben – das sehe ich auch so. Trends für sich interpretieren, ausprobieren, mitmachen und sich austauschen finde ich toll – aber künstliche, unnatürliche Darstellungen eines „fake-Lebens“ und eine Dauerwerbebeschallung eben nicht – von fake Followern ganz zu schweigen. LG *thea

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