Anja Schauberger Auf der Suche nach dem Sinn

Auf der Suche nach dem Sinn: Anja Schauberger und ihr neues Buch über das Leben

20. Januar 2022 von in

Anja und ich lernten uns in unserem ersten Semester kennen, in einer Germanistik-Vorlesung, noch nicht mal 20 Jahre alt. Heute sind über zehn Jahre vergangen und für uns beide wurde das Schreiben tatsächlich zum Beruf. Nach der Redaktionsleitung von Mit Vergnügen München ist Anja heute freiberufliche Journalistin – ihr kennt sie von der amazed-Serie Coffee Break– und Autorin. Gerade hat sie ihr zweites Buch herausgebracht: „Auf der Suche nach dem Sinn. 40 Gespräche über das Leben“. Das ganze letzte Jahr über traf sie sich zusammen mit Fotografin Susanne Schramke mit 40 verschiedenen Menschen, vom Pfarrer bis zur Astronautin, vom Philosophen bis zu Sendung-mit-der-Maus-Christoph. Um ihnen allen die Frage zu stellen: Was ist er eigentlich, der Sinn des Lebens?

Wenn man mit jemandem über diese Frage philosophieren kann, dann mit Anja. Schon unser erstes Gespräch hat mich beflügelt und nachdenklich gemacht, mir neue Horizonte eröffnet und mich bereichert. Und auch zehn Jahre später sitze ich genauso gerne mit Anja und einer Tasse Kaffee da und spreche mit ihr über die großen und kleinen Fragen des Lebens. Jedes Gespräch ist eine Bereicherung, jede Antwort immer schlau und einfühlsam. Ihre 40 Gespräche kann man nun in „Auf der Suche nach dem Sinn“ nachlesen. Nun habe ich Anja einen Auszug ihrer Interviewfragen selbst gestellt. Bei einer Tasse Kaffee in ihrer wunderschönen Münchner Altbau-Dachgeschosswohnung.

Anja Schauberger Auf der Suche nach dem Sinn

Wann bist du glücklich?

Wenn mir die Sonne ins Gesicht scheint, ich gut gegessen habe, wenn ich nach einem langem Spaziergang nach Hause komme, ich am Wasser bin, wenn ich mich vorfreuen darf, ein gutes Buch lese, bei dem ich nicht auf die Seitenzahl schiele, wenn ich an einem schönen Ort bin und den Ausblick genießen darf. Und seit der Pandemie noch verstärkt, wenn etwas Neues passiert, ich in Bewegung bin oder mit Freunden die Zeit vergesse.

Was hast du über das Leben gelernt?

Alles kommt zur richtigen Zeit. Die eigenen Erwartungen an sich sind die strengsten. Und viele Dinge passieren eben nicht so, wie man sie sich vorgestellt hat – das heißt aber nicht, dass sie deshalb schlechter oder weniger wert sind.

Welchen Ratschlag gibst du gerne weiter?

Mach’s in deinem Tempo!

Welchen Ratschlag hättest du für dich gerne früher erhalten?

Mach dir weniger Sorgen!

Anja Schauberger Auf der Suche nach dem Sinn

Was ist für dich der Sinn des Lebens?

Gerade ist es vor allem: Eine gute Zeit haben, mein Leben leben, genauso wie ich es möchte. Ohne Verantwortung, mit maximal viel Freiheit, aber das kann sich sicherlich auch verändern. Vielleicht hat man ja irgendwann genug davon, sich in erster Linie nur um sich selbst zu kümmern.

Erkennt man den Sinn des Lebens vor allem in seinen Krisen?

Vor der Arbeit an dem Buch war ich mir sicher, dass viele Menschen erst dann über den Sinn nachdenken, wenn etwas Einschneidendes passiert – und so ist es teilweise auch. Vor allem Männer funktionieren meiner Erfahrung nach oft über viele Jahre hinweg und hinterfragen erst, wenn eine Krankheit oder eine Krise ihr Leben auf den Kopf stellt. Im Interview mit der Kinderhospiz-Gründerin Christine Bronner fand ich besonders schön, als sie meinte, dass es die Krise ihrer Meinung nach gar nicht braucht, um das Leben wertzuschätzen und damit auch einen Sinn zu finden: „Man liebt das Leben vor allem dann, wenn man sich besonders lebendig fühlt! Wenn man richtig verliebt ist oder bei einem tollen Sonnenuntergang am Meer steht.“

Welche Rolle spielt die Liebe, wenn es um ein sinnerfülltes Leben geht?

Für mich eine der größten. Denn das Gefühl, dass sich alles ineinander fügt, sich sinnvoll anfühlt, dann wenn es es stimmig und ruhig in mir ist, das habe ich vor allem immer dann, wenn ich mit lieben Menschen oder meinem Hund zusammen bin.

Verleihen Kinder dem eigenen Leben einen (neuen) Sinn?

Ganz bestimmt, aber ich glaube – wie es auch einige Menschen in meinem Buch gesagt haben – dass sich der Sinn im Leben immer wieder verändern darf. Für mich scheint es nur logisch, dass man mit 20 einen anderen Sinn sieht als mit 80. Da sind Kinder sicherlich ein wichtiger und großer Abschnitt, aber kein Muss. Ein kinderloses Leben fühlt sich ja nicht automatisch sinnlos an. Wahrscheinlich ist es schlau, den Sinn nicht nur im Außen zu suchen, auch wenn andere Menschen und die Gemeinschaft immer einen großen Teil zur Sinnsuche beitragen.

Lebst du eher in der Zukunft, in der Gegenwart oder in der Vergangenheit?

Leider immer noch zu oft in der Zukunft. Obwohl ich mit der Selbstständigkeit besser darin geworden bin, das Hier und Jetzt zu genießen und mehr zu vertrauen.

Welche Rolle spielt Religion bei der Suche nach dem Sinn des Lebens?

Für mich leider keine, ich bin schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, aber mich haben die Interviews mit Gläubigen wirklich nachhaltig beeindruckt, weil ich es toll finde, wenn man so viel Halt und Vertrauen in seiner Religion findet. Dem Pfarrer Schießler habe ich zudem wahnsinnig gerne zugehört, er ist ein sauguter Redner. Es kann also sein, dass ich bald mal wieder in einer Messe sitze, obwohl ich dachte, dass ich mit der Kirche gar nichts mehr am Hut habe.

Hätte unser Leben auch einen Sinn, wenn wir unsterblich wären?

Manche Gesprächspartner*innen fanden den Gedanken total spannend und waren sich sicher, dass unser Leben dann vielleicht sogar noch mehr Sinn machen würde. Ich schließe mich eher der Fraktion an, die meinte, dass es gut ist, dass unsere Zeit begrenzt ist – auch, wenn Älterwerden weh tut, so wie der Tod von lieben Menschen weh tut. Aber ich denke, dass wir ein Zeitlimit brauchen. Mir bleiben immer vor allem die Augenblicke im Kopf, in denen ich mir bewusst werde, dass sie endlich sind.

Was sind deine liebsten Antworten auf die Frage nach dem Sinn?

Es gibt so wahnsinnig viele, aber hier ein paar Auszüge: Der Pfarrer meinte zum Sinn: „Wenn das gelingt, dass Gabe und Aufgabe ineinander übergehen“ und Marina Weisband: „Liebe ist Teil des Sinns {..} zu lieben bedeutet, das Beste vom anderen anzunehmen {..} aber auch zu geben, ohne zu warten, was da vielleicht zurückkommt.“ Der Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht war sich dagegen sicher: „Es gibt keinen Sinn des Lebens. Das ist eine Überschätzung unserer kognitiven Eigenschaften, dass wir uns diese Frage überhaupt stellen.“

Warum fällt es so schwer, sich vor allem in seinen Dreißigern über den eigenen Sinn klar zu werden?

In dem Buch spreche ich mit Leuten, die in jedem erdenklich Alter mal am Sinn des Lebens gezweifelt oder sich ganz neu auf die Suche begeben haben. Vielleicht erscheint einem das Thema in den Dreißigern aber vor allem deshalb so präsent, weil in diesem Jahrzehnt besonders viele Entscheidungen getroffen werden, die für den weiteren Lebensverlauf von Bedeutung sind. Man macht sich in diesem Alter besonders Druck, bekommt aber auch viel Druck von außen, wenn es um Entscheidungen geht wie Kinder kriegen, Geldanlage, Beziehung oder den Job – ob direkt oder indirekt. Besonders schlimm ist ja, und das kenne ich auch gut von mir, dass man immer denkt, alle wären schon angekommen, ihr Leben wäre längst eingetütet, nur man selber, weiß noch nicht, in welche Richtung es überhaupt gehen soll. Ist aber Schmarrn, alle struggeln, und wie ich von einer guten Freundin gelernt habe, ist es längst nicht so, dass man aufgeräumt und „fertig“ mit dem Leben ist, nur weil man ein Haus gebaut, verheiratet oder Eltern geworden ist. Das Leben endet dann ja nicht, es fängt erst richtig an!

Was nimmst du mit aus der Arbeit an dem Buch?

Zum einen hat dieses eine Jahr, in dem ich daran gearbeitet habe, ziemlich gut den zweiten Lockdown überbrückt. Das Buch hat also einer gewissen Zeit einen Sinn geschenkt, die sich teilweise sehr düster und sinnlos angefühlt hat und dafür bin ich sehr dankbar. Zum anderen habe ich viele Menschen kennengelernt, die ich sonst wahrscheinlich nie getroffen hätte. Ich finde es spannend, dass jede und jeder eine spannende Geschichte zu erzählen, Höhen und Tiefen erlebt hat. Das perfekte Leben gibt es einfach nicht.

„Auf der Suche nach dem Sinn. 40 Gespräche über das Leben“ von Anja Schauberger und Susanne Schramke erscheint heute im Knesebeck Verlag!

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6 Antworten zu “Auf der Suche nach dem Sinn: Anja Schauberger und ihr neues Buch über das Leben”

  1. Was bitte ist das für eine coole Wohnung?
    Und das Buch werde ich mir bestimmt anschaffen, es sieht auch schön aufbereitet mit einer guten Mischung aus Text & Bildern.

    Liebe Grüsse
    Ava

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