Besserer Sex und neues Körperbewusstsein: Elvie

2. März 2017 von in

Beckenbodentraining ist wichtig. Wichtig für gesundheitliche Faktoren wie der Vorbeugung von Blasenschwäche, Rücken- oder Beckenschmerzen. Aber auch wichtig für etwas anderes: Denn starke Beckenbodenmuskeln können ihren ganz eigenen Beitrag zu unserer Sexualität leisten. Es geht los mit dem Gesamtgefühl, das durch Beckenbodentraining überhaupt erst wachgekitzelt wird – und endet bei einer unglaublichen Steigerung der Orgasmusfähigkeit. Jaja, man hat schonmal etwas davon gehört, fünf Minuten täglich anspannen und so weiter. Doch wie bei jedem Training führt Halbwissen und Halbherzigkeit dazu, das Ganze sofort wieder zu vergessen. Liebeskugeln und Co. wären auch eine Möglichkeit, driften aber für viele zu sehr in Sextoy-Sphären ab, die wenig mit körperlichem Einklang und Trainingserfolgen zu tun haben.

Und hier kommt Tania Boler ins Spiel: Die in sexueller und reproduktiver Gesundheit promovierte Forscherin im Bereich Frauengesundheit und UNESCO-Teamleiterin für HIV-Prävention hat die Firma Chiaro gegründet, die sich ganz auf Wearables von und für Frauen spezialisiert hat. Wearables, die es Frauen leichter machen sollen, mit ihrem Körper in Einklang zu kommen. Die hübsch aussehen und sich nicht schmuddelig anfühlen, die Spaß machen und motivieren. Wearables wie Elvie, den ersten Personal Trainer für die Beckenbodenmuskeln.

Da ich wenig Berührungsängste mit herkömmlichen Beckenbodentrainingsmethoden habe (Die klassischen Methoden sind Liebeskugeln oder das Vaginalei), konnte ich mich schon selbst von den Veränderungen überzeugen, die durch Beckenbodentraining möglich sind. Und kann nur sagen: Es lohnt sich. Definitiv. Allerdings war auch hier tatsächlich das regelmäßige Dranbleiben immer das Problem, weshalb ich unglaublich gespannt war, Elvie zu testen. Zum Launch in Deutschland hatte ich die Möglichkeit, mit Tania Boler zu sprechen – über Elvie, Frauen und das Verhältnis zu ihren Körpern!

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Tania, kannst du mir mehr über Elvie erzählen?

Es sieht mehr aus wie eine Schmuckbox, wie etwas Hippes, Cooles. Elvie hat zwei verschiedene Größen, die kleine Version kann mit einer Hülle größer gemacht werden. Man sollte auf jeden Fall beide Größen ausprobieren, wenn man Elvie zum ersten Mal benutzt – am besten im Stehen. Durch die Form lässt es sich sehr leicht einführen, ohne dass etwas weh tut. Man führt Elvie ähnlich ein wie einen Tampon, nicht zu weit, sodass der Außenpart noch zu sehen ist. Sobald man es aus der Box nimmt, verbindet sich Elvie automatisch mit der App.

Das Problem am Kegelmuskeltraining ist ja, dass man es ständig vergisst – es ist relativ langweilig, man ist sich nicht sicher, ob man es richtig macht und man sieht schwer direkte Erfolge. Was macht Elvie da anders?

Die Idee war, etwas Positives zu kreieren, das sich ganz natürlich in die normale Workout-Routine einfügt, mit dem man bestimmte Ziele erreichen kann. Für alle, die gerne Trackings benutzen, kann die App eine Motivation sein, die Übungen regelmäßig zu machen und Verbesserungen zu sehen. Elvie erkennt außerdem anhand des Winkels der Kontraktionen, ob es richtig sitzt und die Übungen richtig gemacht werden. Die App an sich sieht außerdem ein bisschen aus wie ein Spiel. Gerade der Punkt der positiven Motivation war uns wichtig. Wir wollten keinen Kegelmuskeltrainer mit dem Ziel anbieten, etwas gegen Inkontinenz tun zu können. Viel eher soll es darum gehen, ganz persönlich Verbesserungen dadurch zu spüren.

Es gibt drei große Gruppen von Frauen, die Elvie benutzen. Zum einen die Millennials, die besonders den Spaß- und Sex-Faktor daran sehen, die Steigerung des Selbst- und Körperbewusstseins. Sie sehen Elvie mehr als ein Sextoy, was ich aber gar nicht ablehne, denn es ist beides: Sex- und Gesundheitsverbesserer. Dann sind es die Mütter, die gerade ein Kind bekommen haben, die Elvie mindestens zwei Monate konstant benutzen. Die dritte Gruppe sind die Frauen nach der Menopause – man verliert Kollagen ja nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich, was die Muskeln schwächt.

Was genau hat man nun also vom Training mit Elvie?

Die Trainingsherangehensweise kann, wie beim normalen Besuch im Fitnesstudio, ganz unterschiedlich sein: Es kann einen bestimmten Anlass geben, wie etwa Blasenschwäche in der Menopause, man kann es vorbeugend machen oder mit einem bestimmten Ziel. Das ist für viele vor allem der Sex – allerdings dreht es sich hier nicht nur um den Mann, der dadurch mehr spüren könnte. Studien belegen, dass Frauen, die zwei Monate lang ihren Beckenboden trainieren, mehr Lust auf Sex haben, stärkere Orgasmen haben und weniger unter Scheidentrockenheit leiden. Die Beckenbodenmuskeln sind mit der Klitoris verbunden – je mehr man den Muskel stärkt, desto mehr Kontrolle bekommt man. Der Beckenboden ist aber auch mit den tiefen Bauchmuskeln und der Rückenmuskulatur verbunden, man tut also auch etwas gegen Rückenprobleme oder für die Stärkung der Bauchmuskulatur. Und dann natürlich die Vorbeugung – selbst wenn man keine Kinder gebärt, wird man im voranschreitenden Alter Probleme mit dem Beckenbodenmuskel bekommen, wenn man ihn nicht trainiert – zum Beispiel Blasenschwäche.

Ab welchem Alter sollte man Elvie benutzen?

In Japan werden Mädchen schon mit 12 über die Funktionen des Beckenbodenmuskels aufgeklärt. Ich persönlich finde, das sollte grundsätzlich ein Teil der Sexualerziehung und Aufklärung sein. Offiziell empfehlen wir Elvie ab 18 – eine frühere Benutzung hängt natürlich von den individuellen Lebensumständen ab.

Wie lange dauert es, bis man einen Effekt bemerkt?

Das ist natürlich unterschiedlich – der allgemeine Konsens sagt, drei Monate, wir sagen neun Wochen bei dreimaligem Training pro Woche. Allerdings stellt man schon nach zwei Wochen Veränderungen fest – viele Frauen schreiben uns schon nach einer Wochen Emails und sagen, ihr Leben hätte sich verändert. Das ist dann allerdings weniger physisch, als vor allem psychisch. Selbstbewusstsein hat viel mit dem Verhältnis zum eigenen Körper zu tun, alles ist miteinander verbunden.

Ich finde, es geht auch um die Art, wie man über seinen Körper denkt. Viele Frauen wollen einfach nur, dass er funktioniert – Beckenbodentraining ist ein völlig neuer Zugang zum eigenen Körper. 

Frauen wird oftmals ein falsches Verhältnis zu ihrem Körper eingetrichtert. In einigen Ländern geht man nicht mal arbeiten, wenn man seine Periode hat, und wie viele Frauen halten die Periode für etwas Ekliges!

Das geht ja bis zum Thema Verhütung. So viele Frauen nehmen einfach die Pille, ohne darüber nachzudenken. Und selbst wenn nicht, liegt fast immer die volle Verantwortung bei der Frau. Findest du, auch hier sollte sich etwas ändern?

Ich komme ja aus der Verhütungsforschung und glaube, dass es sehr viel bessere und effektivere Formen der Verhütung gibt als die Pille. Wie bei jeder großen Veränderung müssen hierfür aber die Faktoren Bildung, Bewusstsein und Technologie zusammenkommen. Die Technologien der alternativen Verhütungsformen gibt es bereits, es fehlt aber noch am Bewusstsein und der Erziehung, um die Veränderung voranzutreiben. Ich glaube aber daran, dass das passieren wird. Es liegt allerdings auch viel an den Regierungen und der pharmazeutischen Lobby, wie viel Geld in die Erziehung und Verbreitung gesteckt wird – deshalb müssen die Impulse mehr vom Einzelnen heraus kommen.

Siehst du es ein bisschen als deine Mission mit Chiaro, diese Impulse anzukurbeln?

Mit Produkten wie Elvie wollen wir ein neues Gesprächsklima schaffen, um über Themen zu sprechen, die sonst oft totgeschwiegen werden. Wir forschen an weiteren Produkten für Frauen, die ihnen nicht nur gut tun, sondern auch Hemmschwellen nehmen. Elvie ist hightech, sieht aber trotzdem schön aus – und löst Probleme von Frauen. Technologie war lange genug ein Thema nur für Männer!

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Vielen Dank für das Gespräch, Tania! Mehr über Elvie erfahrt ihr hier, der Trainer kostet 199 Euro!

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Eine Antwort zu “Besserer Sex und neues Körperbewusstsein: Elvie”

  1. Interessant. Ich würde mir persönlich nichts unter die Gebärmutter klemmen was funkt und ständig mit meinem Handy hin und her strahlt, habe aber gute Erfahrungen mit normalen „Liebeskugeln“ (blödes Wort) aka Beckenbodentrainern gemacht. Next step: Jade eggs.

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