Cherry Picks #43

17. November 2019 von in

„Es ist nicht einfach, an ein gutes Leben zu glauben, wenn nichts Gutes passiert. Das führt im Allgemeinen dazu, dass man wütend wird; weil andere scheinbar glücklicher sind, weil sie mehr Möglichkeiten haben, weil man irgendwie die falsche Lebenskarte bei der Geburt gezogen hat. Man denkt, jetzt gehe es für immer so weiter mit dem Scheißleben, während die anderen um einen herum eben ein gutes führen dürfen. Mein großes Glück bestand darin, nie an ein gutes Leben geglaubt zu haben.“

Ich liebe Mirna Funks Kolumne auf Edition F, in der sie kleine und große Lebensfragen beantwortet. Die Kolumne dieser Woche finde ich ganz besonders stark, denn sie spricht ein Kernelement des Glücklichseins an: Unglücklich sind wir so oft, wenn wir uns wünschen, irgendwelche Dinge seien anders, wären anders verlaufen oder nie passiert, aber all das selbst nicht unter Kontrolle haben. Glücklich wiederum macht, wenn wir das annehmen, was tatsächlich da ist, die Dinge, die wir selbst in der Hand haben, Gutes wie Schlechtes.

Wir können nicht alle Ereignisse beeinflussen, denn Freiheit ist nicht das Rebellieren gegen Grenzen, sondern das Anerkennen dieser. Aber wir können entscheiden, wie wir auf die Ereignisse reagieren, sie nicht überhöhen, egal ob sie gut oder schlecht sind, sondern sie pragmatisch einordnen und als ein Teil von vielem betrachten.

Kann man sich nach einer Trennung wieder anfreunden? Auch, wenn die Trennung das ganze Leben auf den Kopf gestellt und einem gefühlt das Herz herausgerissen hat? Alexa von Heyden hat über die Trennung von ihrer großen Liebe sogar ein Buch geschrieben, jetzt spricht sie in diesem Artikel fünf Jahre nach der Scheidung ganz offen, liebevoll und auf Augenhöhe mit ihrem Exmann. Über die Dinge, die beiden gegenseitig am meisten wehgetan haben, über Entwicklungsschritte nach der Trennung und über die Tatsache, dass tiefe Beziehungen immer in unserem Leben bleiben werden, egal, ob sie mit Groll oder mit Wohlwollen verbunden sind. Wie schlimm auch immer eine Trennung verlaufen mag: Wenn man es schafft, irgendwann so wohlwollend miteinander zu sprechen wie in diesem Gespräch, schafft man es auch, die negativen, verletzten Gefühle hinter sich zu lassen und sie nicht ein Leben lang mit sich herumzuschleppen.

„In Deutschland wird immer mehr Kleidung auf den Markt geworfen, die niemand kauft. Ein riesiger Berg – mindestens 230 Millionen Textilien pro Jahr – landet im Schredder, in der Müllverbrennungsanlage oder als Billigware im Ausland.“ Und all das passiert, obwohl die Textilbranche Schätzungen zufolge für rund 20% der weltweiten Abwässer, 10% der CO2 Emissionen sowie 24% aller verbrauchten Insektizide und 11% aller Pestizide verantwortlich ist. Welche kranken Ausmaße die Überproduktion der Textilindustrie mittlerweile annimmt und warum 2019 230 Millionen Kleidungsstücke im Einzel- und Onlinehandel neu und ungetragen vernichtet werden, sagt dieser Artikel.

So langsam fühle ich mich immer älter, denn ich bin nach wie vor nicht auf TikTok angemeldet, und zwar aus Angst vor Reizüberflutung – also dem Argument, das ältere Generationen seit Jahren in Bezug auf Instagram, Facebook und allgemein „Online“ anwenden, und von mir belächelt werden. Dass ich mich nun dringend endlich auf TikTok anmelden sollte, zeigt zum Beispiel die Tatsache, dass hier schon ein komplett neues Schönheitsideal entstanden ist, mehr dazu hier:

You’ve probably seen an E-Girl or two already (how could you miss ‘em), but for the uninitiated, the aesthetic is all about a-line tennis skirts, layered T-shirts with long sleeved turtlenecks, pigtails, over the knee socks and some seriously creative makeup. Noses and cheeks are rouged in what is surely an affront to anyone who has ever spent an excess of 12 minutes watching Kardashian-inspired contouring tutorials on YouTube, while liquid eyeliner is used to perfect a razor-sharp cateye, before drawing hearts or stars high up on the cheekbone. This is a new kind of cool girl.

„Ein Trigger in der Psychologie ist nichts anderes, als ein Auslöser, der unangenehme Gefühle, Gedanken oder Verhaltensweisen hervorruft. So etwas kann ganz schnell passieren, und oftmals auch dann, wenn gerade eigentlich noch alles okay war. Ganz plötzlich ist man dann in dieser Spirale, die in schwindelnder Eile nur noch den Weg nach unten kennt, ganz gnadenlos, weil psychische Krankheiten nun einmal keine Rücksicht nehmen und das Gehirn schon gar nicht rational denken lassen.“

Warum Triggerwarnungen wichtig sind, und schon der Seufzer, dass man sich diesen Keks nicht gönnen sollte, ein Trigger für jemanden sein könnte – und warum sich Triggerwarnungen am besten anfühlen sollten, wie ein schützendes Augenzuhalten, ein kurzes Flüstern mit dem Hinweis, nicht hinzuschauen, erklärt Julia Carevic in diesem Text, den wir uns alle hinter die Ohren schreiben sollten.

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