Cherry Picks: Von Chaos-Tagen, Italien-Träumen und dem Mut, sich Schwächen einzugestehen und weiterzumachen

11. September 2020 von in

Immer, wenn ich denke, jetzt kehrt langsam Ruhe ein, beweist mir das Leben: falsch gedacht. 2020 ist eine wilde, verrückte, manchmal schöne, oft auch schwierige Achterbahnfahrt und ich sitze mittendrin.

Diese Woche hat mich vor allem die Situation im Camp Moria beschäftigt. Ich verstehe nur schwer, warum Europa sich so davor drückt, endlich wichtige, menschliche Schritte zu gehen, um Menschen zu helfen. Hier lest ihr nochmal unseren Text, viel wichtiger ist aber, dass seit dieser Woche viele Menschen das Wort ergreifen – zu lange war es still. Lisa von Beige fasst ganz gut zusammen, warum das so war: „Ich habe, wie Europa, wie Deutschland, gepennt. Ich weiß, ich bin hier sicher nicht allein: Corona, die #BlackLivesMatter Bewegung und allgemeine Überforderung vom Leben haben mir oft genug Scheuklappen verpasst. Scheuklappen, die nun ebenso zu Asche geworden sind, wie die unwürdigen Unterkünfte im größten Geflüchtetenlager Europas.“ Ihren Text zum Thema der Woche lest ihr hier.

„Das Nachjagen und Hinterherkommen, das Gefallen, Gerechtwerden und Genugseinwollen, das Überanstrengen und Zerdenken und das immer etwas drüber sein. Ehrlich gesagt weiß ich längst nicht mehr, wie lange ich es jetzt schon so halte: Meinem Umfeld erkläre, dass „es gerade eben etwas chaotisch sei“, das Leben. „Entschuldige, ich wollte mich ja längst melden, aber hier geht’s drunter und drüber, weil dies, das, Ananas.““

Ich fühle Nikes Text so sehr. Ich bin die, die dauernd sagt: Gerade viel los, melde mich morgen. Die permanent Treffen verschiebt, weil es wieder super stressig ist und am Ende immer das Gefühl hat, nichts und niemanden gerecht zu werden. Zeit, sich einzugestehen: Es ist nicht nur eine Phase, sondern ein Zustand. Und den will ich erstmal akzeptiert – und dann ändern.

Ich trinke niemals Milch, ich hasse Milch in allen Formen, und doch fand ich die Diskussion, die rund um den „Skandal“ von Oatly entstand spannend. Der Hafermilch-Produzent, der vor allem in veganen Kreisen beliebt ist, steht in der Kritik, da ein Teil des Unternehmens an Blackstone verkauft wurde. Das Problem: Jenes Unternehmen investiert in Firmen, die an der Abholzung des Regenwaldes beteiligt sind. Doch damit nicht genug: Der CEO von Oatly ist auch großer Trump-Supporter. Zwei Problematiken, die sich für Oatly-KundInnen beißen – und zeigen: Dem Kapitalismus zu entkommen ist schwer. Auch spannend dazu die Frage, die das Magazin Brandeins zur Naturkosmetikmarke Stop the water, while using me stellt: Wie unabhängig bleibt eine Marke nach dem Verkauf an einen Großkonzern?

Anfang April war ich sicher, dieses Jahr geht es nicht mehr groß in den Urlaub, im Juli packte mich dann doch die Sehnsucht und ich begann davon zu träumen, Ende September, Anfang Oktober in Richtung Italien zu düsen. Jetzt, nachdem die Corona-Infektionszahlen wieder steigen, ist die Reise ungewiss – und ich denke, ich werde wohl eher ein paar schöne Tage in den Bergen verbringen. Ganz auf das Bella Italia Gefühl möchte ich aber dennoch nicht verzichten, glücklicherweise hat heute der Onlineshop einer Freundin namens Sodeste Italia gelauncht. Hier gibt es wunderbares zum Essen und Trinken – und ich weiß schon jetzt, dass ich ganz bald einen Italien-Abend machen werde.

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So… you may have noticed we've made some changes!! Here's some context from a *new* post on our *new* site with our *new* name: "Hello and welcome back to our website, redesigned to make this universe a lot easier to navigate and immerse yourself in. It’s a universe that will—pregnant pause—henceforth be known as Repeller (!!!) These updates (the site design and the name shortening) are just one part of the larger changes we’ve been working toward this year both internally and externally—a transformation that extends beyond the surface level of what Repeller simply looks like and actually reimagines what it is. These are just a few of many more changes to come. As for the shortening of our name: We want it to be clear that we’re a brand made by and for the full range of odd eggs, banana nut loaves, and curiously spicy sweet potato fries who want to find a community online. We think our name should reflect something that’s been true for a while: being a “Man Repeller” was defined as empowering yourself by deflecting the male gaze when this site began 10 years ago, but today discovering yourself and earning your confidence feels far more multidimensional. You can still expect the same dad jokes, the same feel-it-in-your-bones essays, the same souped-up outfit ideas—just told by more people and taken to the next level. Consider the ante upped!!" Link in bio to start spelunking.

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2020 ist das Jahr der Veränderungen – das dachte sich auch eine meiner liebsten Anlaufstellen im Internet. Aus Man Repeller wird Repeller – und die Website bekam auch gleich noch einen neuen Anstrich. Ich liebe den neuen Look und freue mich auf viele weitere inspirierende Texte von Leandra & ihrem Team.

Wie wichtig es ist, Kinder schön frühzeitig verschiedene Familienkonstellationen aufzuzeigen, vergessen wir oft. Wann immer Familie, FreundInnen oder auch LehrerInnen versuchen, über das klassischen Familienmodell Vater-Mutter-Kind hinauszugehen, gibt es nicht selten einen Aufschrei. Man könne Kinder doch nicht so jung verunsichern oder überfordern. Müssen Kinder mit sechs Jahren wirklich schon wissen, dass es auch Vater-Vater und Transgender gibt? Ich finde persönlich: Ja – denn das frühe Aufzeigen verschiedener Lebens- und Liebesmodelle sorgt für Toleranz und Verständnis. Die vermeintliche Sorge um die Kinder, die damit nicht klar, kämen, ist fatal – wie auch Margarete Stokowski in ihrer Kolumne schreibt.
„Es ist ein extrem alter, aber verbreiteter Trick, die eigene Ablehnung gegen alles Queere als Sorge um Kinder zu tarnen, die angeblich geschützt werden müssen, weil sie die Tatsache nicht ertragen, dass es Leute gibt, die homo- oder bisexuell oder trans sind. Häufig wird dabei der Mythos der „Frühsexualisierung“ verwendet: Kinder werden demnach durch Spiele oder Kinderbücher auf hinterhältige Art dazu gebracht, sich mit queeren Identitäten zu beschäftigen.“ Heißt übersetzt: Wer sich um die Kinder sorgt, kann zumindest ja mal bei sich anfangen und im Jahr 2020 ankommen. Ihren ganzen Text lest ihr hier. 

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Today is suicide prevention day. I’ve struggled for a while to share something as personal as this. But eventually the belief that we need to de-stigmatize mental illness was stronger than the urge to protect my privacy (thanks also to @mireille_ngosso for sharing her story this week, this encouraged me loads). At some point I became really sick. I was diagnosed with depression after a battle of several years in which I never believed that I was going to be “one of those people”. I always functioned on the highest level, I never openly verbalized my problems, I never even felt like they were valid. I had it all now, why should I complain? I reached a point where I could no longer function, where I eventually wasn’t able to do anything other than breathe. And even that seemed impossible some days. I carried my illness with me for years, behind an invisible curtain of perfectionism, blaming it on “stress” and feeling like I was in no position to complain. Years ago I interviewed a woman suffering from a mental illness and when I asked her what she is thankful for she said “my medication”. Not very romantic, right? Today I know what that means. I’m so thankful I’m still around thanks to amazing doctors, a great support system but also the medication that is currently helping me to feel like my old self. Suffering from depression or any other mental illness is as normal as breaking a leg and I wish I would have known that earlier. If you are in that dark place I strongly encourage you to seek help, even if it seems like nothing can make you feel better. I know that dark place, I know how lonely and scary it is there. Please know you’re not alone and I hope sharing my story will help us all, especially those affected, overcome the stigma of mental illness. Today I’m really thankful to still be around ❤️#suicidepreventionday

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Diesen Donnerstag war World Suicide Prevention Day – und dieser eine Tag im Jahr ist so wichtig. Denn wir vergessen oft, dass jedes Jahr viele Menschen an Depressionen und anderen mentalen Krankheiten sterben, weil sie keinen Ausweg mehr sehen und sich das Leben nehmen. Damit sich Menschen trauen, sich zu öffnen und Hilfe frühzeitig anzunehmen, ist es so wichtig, dass wir offen und ehrlich über psychische Probleme und Erkrankungen sprechen und aufzeigen: Es kann jeden treffen – und es ist okay. Madeleine von DariaDaria schrieb diese Woche auf Instagram über ihre Depression und hat mich sehr berührt. Denn ganz oft ist das stille Leiden eben nicht sichtbar. Der World Suicide Prevention Day war auch Auftakt des #Krisenmonats. Ich werde kommende Woche im Rahmen dessen über mein Buch sprechen und warum es okay ist, hin und wieder (übersteigerte) Angst zu haben.

Apropos Angst: Ab morgen findet ihr mich im Spiegel Podcast Smarter leben – hier spreche ich über meine Angst, wie ich mit ihr lebe und warum es gut und richtig ist, zur Therapie zu gehen. 

„Versuche ich etwas unter den Teppich zu kehren, stolpere ich kurz darauf im großen Bogen über den Hügel auf dem Boden und stürze. Es ist, als würde aus meiner kleinen Schummelei ein Riesendino heranwachsen, der sich erst verabschiedet, wenn ich ihm zuhöre, um was es wirklich geht.“
Mein liebster Text der Woche kam übrigens von Steffi von Ohhhmhhh. Sie schreibt darüber, wie man in diesen wilden Zeiten lernt, wieder mehr sich zu vertrauen und warum es hin und wieder Stolperer braucht, um den richtigen Weg zu finden.

 

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