Die Clutch-Typen

9. Februar 2014 von in

Clutches sind unpraktisch und bieten wenig Platz. Sie sind der suboptimalste Begleiter, vor allem an stressigen Tagen wie während der Fashion Week – und deshalb natürlich das absolut wichtigste Detail. Wer eine Clutch trägt, möchte uns nach dem Credo „I woke up like this!“ klar machen, er brauche nicht viel für unterwegs. Und wir, die mit ihren schweren, vollgepackten Taschen, sehen zu diesen Frauen herauf und können nicht anders, als uns denken „Wenn ich mal groß bin, will ich so perfekt aussehen wie du!“. Denn die Art der Tasche ist auf großen Fashion Weeks sowas wie das Kastensystem des Hinduismus. Je kleiner dein Begleiter, desto wichtiger bist du.

Doch Clutch ist nicht gleich Clutch. Wer bei den ganz großen mitspielen möchte, sollte das Clutch-Tragen trainieren wie die Mädchen den Catwalk bei Germanys Next Topmodel.

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1. The Classic
Zeitlos und klassisch ist sie, die Clutchträgerin, die ihre Tasche in die Hand nimmt und lässig hin und her schwingen lässt. Als wäre sie einem zufällig in die Hand gefallen und man hätte sie glatt vergessen, wieder abzulegen. Wenn ein Streetstyle-Fotograf aufmerksam werden sollte, nimmt man die Tasche einfach nach vorne und platziert sie mittig, damit sie auch für jeden sichtbar ist – natürlich vorausgesetzt, sie hat ein Schweinegeld gekostet. Mit der Classic kann man nichts falsch machen – die Trageform wird wohl immer en vogue bleiben.

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2. The Wannabe

Die Füchse unter den Besuchern der Modewochen greifen auf The Wannabe zurück. Eigentlich handelt es sich bei der relativ kleinen Tasche um eine stinknormale Schultertasche – meist mit goldenen oder silbernen Kettenapplikationen. Aber wie gesagt, wer die Tasche vor der Show über der Schulter trägt, ist raus. Deshalb funktionieren die Fashionistas der Straße die Schultertasche gekonnt um und tragen sie als Clutch. Auf die Idee wurden viele von Victoria Beckhams Show für Herbst/Winter 2013 gebracht – absolut sinnbefreit. Aber wer’s nicht anders kann, darf als „The Wannabe“ mitspielen.

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3. The XL

Die Trägerinnen einer XL-Clutch sind in der Bredouille. Sie gehören zu den Mädchen, die normalerweise die schweren, vollgepackten Taschen herum schleppen und die sich nun auf das allerwichtigste beschränken müssen. Die kleinen Clutches treiben ihnen aber Tränen in die Augen. Kein Puder mehr? Kein Geldbeutel? Keine Zigarettenschachtel? Kommt nicht in Frage. Die XL-Clutch ist ein guter Mittelweg für diejenigen, die sich von ihrem wichtigsten Hab und Gut nicht trennen können.

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4. The Newspaper

Der Zeitungsgriff bei Clutches hat das Baguette abgelöst. Keiner trägt seine Clutches mehr im Baguette-Style (in diesem Falle wird eine längliche Clutch unter den Arm geklemmt, in der verzweifelten Hoffnung, man kann beide Hände wieder benutzen – trotz fehlenden Tragehenkels). Der neue Griff ist leicht abgewandelt. Hier presst man den Arm nicht mehr an den Körper, somit sieht der Tragearm nicht mehr 4 cm dicker aus als der lockere, und hält die untere Ecke locker mit der Hand. Es sieht verdammt lässig aus und gibt einem das Gefühl von „Ich war nur schnell drüben bei meinem Lieblingskiosk und habe mir die neue Ausgabe der Vogue gekauft“ – eben Carrie-Style, ist aber mindestens genau so unpraktisch wie alle bisherigen Varianten.

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5. The Smartphone

Die Gewinnerinnen unter allen Clutchträgerinnen sind, große Überraschung, die Nicht-Clutchträgerinnen. Wer braucht schon Geld, den Haustürschlüssel oder ähnliches? Keiner. Denn das Wichtigste von allem tragen sie bei sich – nicht mehr und nicht weniger: das Smartphone. Das Handy, das immerzu in der Hand gehalten wird, dient neben Whatsapp und Instagram als Accessoire, das das restliche Outfit perfekt abrundet. Wer hat es von euch geschafft? Na herzlichen Glückwunsch!
Clutches_The-Handy

Ich habe es ein- oder zweimal versucht, mit den Clutches, bin aber noch nicht überzeugt. Irgendwie sieht es auf all diesen Streetstylefotos so schrecklich einfach aus. Wenn ich einen Tag mit einer Clutch durch die Gegend renne (übrigens Newspaperstyle), erwische ich mich im Minutentakt dabei: Ach, hätte diese Tasche doch nur Henkel. In der großen Liga werde ich also vermutlich nie mitspielen, aber dafür kann ich mit meinem großen Rucksack an der Seite stehen und solche Texte schreiben.

Fotocredit: Sandra Semburg

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18 Antworten zu “Die Clutch-Typen”

  1. toller Artikel!
    Ich besitze zwar auch 2 Clutches, benutze die aber seeehr selten.
    Eigentlich nur auf Hochzeiten oder mal in der Oper, wenn es etwas festlicher ist.
    Und auch dann, weiß ich nie so recht, wie ich die ordentlich halten soll.
    Die wandern dann mal von unterm Arm, zur linken und dann wieder zur rechten Hand ;-)

  2. Also ich bin ja mehr so der Rucksackmensch. :D Ein bißchen praktisch muss es für mich neben bloßem dekorativem Aussehen schon auch sein. Schultertaschen, die mir alle paar Minuten von selbiger heruntergleiten, nerven mich ebenso. Mit einer Clutch wäre ich wahrscheinlich komplett überfordert.

  3. Ich stehe auch lieber mit meinem Kamerarucksack ganz trampelig daneben, und mache die Bilder ;). Sehr toller Artikel, und, im Ernst, Clutches und ihre Trägerinnen sind mir auch ein absolutes Rätsel. Die wirklich wichtigen Damen bei der Fashion Week lassen ihr Equipment vermutlich beim Fahrer im Auto. Bei der einen oder andern Bloggerin hat vielleicht der mitreisende Fotograf noch was in seinem Rucksack. Bei denen, die tatsächlich allein unterwegs sind, und auf Taxi und Öffs angewiesen sind, kann ich auch nur staunen. Ich bin nicht permanent am nachpudern, aber ich brauch bei einem vollen Tag in der Stadt einfach mehr, als in so ein Miniteil reingeht. Und dann ständig nicht die Hände frei haben, das nervt mich ehrlich gesagt unendlich. Ich hab selbst eine, und führe sie aus, wenn ich irgendwo hingehe, wo ich den ganzen Abend an einem festen Platz sitze, und dann von dort direkt heim fahre. Die strecke zur Bahn kann ich sie gerade noch tragen, in Restaurant/Theater etc lege ich sie dann erleichtert ab. Bzgl der Mengen, die ich so mit mir herumtrage, bin ich gerade dabei, mir kleinere Taschen anzutrainieren, aber dann bitte mit Tragegurt…

  4. Ich trag durchaus häufiger abends Clutch. Und wunder mich grad ernsthaft dass ich sie noch nie, auch nicht im schlimmsten Suff, jemals irgendwo hab liegen lassen.
    Und ja es gibt Situationen (siehe Bier/Drink rechts, Clutch links und dann möchte man noch eine schmökern) wo es mit Clutch wirklich kompliziert wird.
    Generell sind sie mir aber abends zum Look lieber als eine bollige Tasche die unterm Arm hervorquillt oder sonstwie auf meinem Outfit aufliegt. Die Clutch lässt dem Outfit Raum sagen wirs so (abgesehen natürlich von den XL oder Newspaper Variante). Also definitiv pro Clutch von meiner Seite. Allerdings nur abends. Für den Gang zum Bäcker oder in die Bib gibts bessere Modelle.

  5. Ich finde es großartig, wenn Autorinnen von Modeblogs den ganzen Modezirkus nicht so ernst nehmen. Denn jetzt mal Butter bei de Fische. Wir sind doch ganz normale Frauen, die ihren Detoxsaft selber mixen;-), beim Sport nicht aussehen als wären wir ein potenzielles Motiv für einen Streetstylefotografen, sonntags bevorzugt ungeschminkt bleiben und eben sowas wie Wasserflasche, Geldbörse, Schlüssel, Taschentücher, Ladegerät, Handy, Lippenstift, Lippenpflegestift, Handcreme und in meinem Fall einen Einkaufsbeutel mit sich herumschleppen. Cccc…Ccclutch? Was macht man damit? Steckt man die in den Shopper, um dort seine Ob’s unterzubringen, damit die nicht überall in der Tasche herumfliegen?

  6. Ich finde der „the wannabe“ wird etwas unrecht getan, denn so kann man eine clutch tragen (sieht ja schon anders aus, als über der schulter) ohne eine neue tasche zu kaufen, die dann doch immer rumliegt. Ich bewundere leute mit clutch, genau wie leute barfuss im winter. Für mich jedenfalls kommt es nur bedingt in frage, da es für mich nicht nur nicht nützlich ist, sondern auch durchaus teuer, bereits zwei mal wurde mir meine clutch geklaut. In diesem sinne guter artikel, aber lieber thewannabe als mehr klamotten-müll.

  7. Endlich sagt das mal jemand! Ich finde allerdings es sieht nicht unbedingt gut aus, sondern irgendwie ein bisschen als wäre die Trägerin paranoid vor Pickpockets. Irgendwie auch dieses kindliche „GUCK MAL WAS ICH HAAAAAB“… Ich mag Handtaschen und spätestens wenn dich die Clutchträgerin nach Taschentuch/Handcreme/Zigarette oder egal was fragt, siehst auch in ihren Augen, dass sie keine Lust mehr hat.

  8. Ein richtig toller Artikel und witzig zu gleich! Ich hatte mal eine Clutch, jedoch wurde die eigentlich nie getragen. Zum feiern gehen finde ich sie zu unpraktisch, da man ja auch tanzen möchte. Am besten eignet sie sich wohl für einen Bar Abend mit den Freundinnen. Edel sieht es auf jeden Fall aus!

    Liebe Grüße
    Rike

  9. Wieder einmal ein wunderbarer Artikel! Ich frage mich auch immer, ob diese Taschen einen doppelten Boden haben, in dem versteckt, es doch noch Platz für allen möglichen Krimskrams gibt. Irgendwo muss ich diese Damen zwar bewundern, bleibe aber doch bei meiner riesigen Tasche, in die wirklich alles rein passt. In diese Taschen passt ja leider noch nicht mal eine Flasche Wasser und ohne Wasser gehe ich nun mal nicht aus dem Haus! Superschlichte und stylische Clutch hin oder her. Viele Grüße und bitte weiter so schön geschriebene Artikel.
    Julia

  10. Ohne den letzten Absatz wäre das Geschriebene einfach nur unglaublich arrogant und uuuultra hip rüber gekommen. Wer im Modezirkus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen, wenn man das so sagen kann.

    • Liebe Angelique, dieser Text ist mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Der Modezirkus verträgt schon den einen oder anderen nicht ganz ernst gemeinten Seitenhieb – vor allem dann, wenn man im Glashaus sitzt. Viele Grüße!

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