Einfach anfangen: Das ETF-Einmaleins mit Tessa & Denise von finance, baby!

10. März 2021 von in

ETFs, Aktien, Sparpläne, Depots: In den letzten Jahren wurde das Thema Finanzen, Investment und finanzielle Unabhängigkeit immer mehr demokratisiert. Durch Bewegungen wie Madamemoneypenny, in deren Facebookgruppe sich mittlerweile über 100.000 Frauen über Finanzthemen austauschen, ist das Thema auch immer mehr in den feministischen Dunstkreis gerutscht – schließlich bilden eigenes Geld und ein durchdachter Überblick einen wichtigen Faktor der Unabhängigkeit, die gerade für Frauen wichtig ist. Doch wie fängt man an, und wie geht man den Schritt konkret, das Thema nicht noch ein bisschen weiter vor sich herzuschieben?

Mit finance, baby! haben Tessa und Denise ein Portal gegründet, das einem direkt ein Stück weit die Angst nimmt, in das Thema Finanzen einzutauchen. In den letzten Jahren habe auch ich versucht, mir mehr Überblick über meine Finanzen zu schaffen und langfristiger zu denken. Eine wichtige Säule, die mich zum ersten Mal bis in mein Rentenalter blicken lässt, ist mein ETF-Sparplan – ich bin ganz stolz, plötzlich tatsächlich sagen zu können, dass ich einen habe! Allerdings steht der noch auf ziemlich wackligen Beinen und ich stoße bei der tieferen Recherche immer wieder an meine Grenzen, habe keine Ahnung und Lust mehr und klappe den Laptop zu. Also möchte ich mit Tessa und Denise heute mal Schritt für Schritt darüber sprechen, wie man einen tatsächlich sinnvollen ETF-Sparplan für sich aufstellt!

Bei finance, baby! könnt ihr Classes besuchen, die euch helfen, eure Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Aktuell gibt es die Starter Class und die Aktien & ETF Class im Paket für 84,80 Euro – mehr Infos findet ihr hier!

 

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Der erste Schritt: Das Online-Depot. ETFs kann man nicht über sein Girokonto traden, sondern braucht ein sogenanntes Depot. Was ist das überhaupt genau, worauf sollte ich in der Auswahl achten und was braucht es, um sich ein Depot anzulegen?

Um in Aktien oder ETFs zu investieren oder einen Sparplan anzulegen benötigst du ein Depot. Ein Depot ist ein Konto bei einer Bank, auf welchem du deine Wertpapiere, wie zum Beispiel Aktien, aufbewahrst. Du kannst ein Depot bei vielen verschiedenen Banken eröffnen, so oft auch bei Deiner Hausbank.

Bei der Auswahl solltest du auf die laufenden Kosten und auf einmalige Kosten, also die Ordergebühren achten, besonders in Relation zu Deinen investierten Beiträgen. Du solltest, bevor du dein Depot eröffnest, unbedingt auch einen Blick auf die “Produktpalette” werfen, also schauen, ob es beispielsweise deine ausgewählten ETFs auch bei diesem Broker gibt. Am Besten nimmst du dir hierfür einen Depotvergleich zur Hilfe. Wir haben für unsere Finance Class: Aktien & ETFs einen Depotvergleich erstellt, welcher dir hoffentlich schon etwas weiterhilft.

Mein Depot ist eingerichtet, ich habe alle Zugangsdaten. Wie kann ich jetzt loslegen und wie kriege ich Geld von meinem Girokonto auf das Trading-Depot?

Ab dem Zeitpunkt geht eigentlich alles total easy und schnell! Wenn du einen ETF-Sparplan angelegt hast, dann funktioniert es am Besten, wenn du einen Dauerauftrag mit deiner monatlichen Sparrate auf dein Trading-Depot einrichtest. Bis die Überweisung angekommen ist, dauert es meist 1-3 Tage. Dann kannst du direkt loslegen und dir aus der Auswahl von Aktien und ETFs etwas aussuchen.

Natürlich solltest du dir, bevor du deinen ersten Trade machst, überlegen, in was du überhaupt investieren möchtest und was dein Ziel dahinter ist. Unsere Regel: zuerst deinen finanzieller Puffer von 3-6 Monatsgehältern ansparen, dann deine finanziellen Ziele definieren und dann für deine Investments entscheiden.

Außerdem solltest du, bevor du anfängst, deinen Freibetrag beim Broker hinterlegen. Der Freibetrag, der sogeannnte Sparerpauschbetrag, liegt derzeit bei 801 Euro, bei Verheirateten beim Doppelten, also 1602 Euro. Wenn du innerhalb eines Jahres mehr als 801 Euro reine Gewinne aus Wertpapierhandel machst, dann wird dein Gewinn mit 25 Prozent versteuert. du musst aber hierfür absolut nichts tun – die Steuern werden meist direkt bei der Gewinnausschüttung abgezogen und du läufst keine Gefahr, irgendetwas zu vergessen oder falsch zu machen.

Anfängern wird geraten, in den MSCI World zu investieren. Wenn man diesen sucht, kommen ganz unterschiedliche Ergebnisse – allein von diesem ETF existieren verschiedene Varianten. Wie entscheide ich, welcher hier der richtige für mich ist?

Nicht nur für AnfängerInnen ist der MSCI World sinnvoll. Am Besten erklären wir ganz kurz, was das überhaupt ist: der MSCI World ist ein globaler Aktienindex – er bildet sozusagen “die Welt” ab oder zumindest die Kursentwicklung von ca. 1.600 Aktien aus Industrieländern. Wenn du in den MSCI World investierst, dann bist du also sehr breit aufgestellt und dein Investment ist automatisch diversifiziert. Man kann sagen: je mehr Diversifikation, desto geringer ist dein Verlustrisiko.

Allerdings bildet der MSCI World, wie bereits erklärt, nur die Aktienkurse aus Industrieländern ab. Wenn du tatsächlich die “gesamte Welt abbilden möchtest”, dann kannst du außerdem in Schwellenländer investieren. Beliebt ist hier die 70:30 Methode: 70% deiner Investments gehen in die entwickelte Welt, 30% in Schwellenländer.

Bei Aktien und ETFs gibt es verschiedene Anbieter, so wie es beim Kauf von (random thought) Milch auch verschiedene Anbieter gibt. Manchmal können dann zum Beispiel die Preise variieren oder die Zusammensetzung der ETFs weicht leicht ab. Beim iShares MSCI World, iShares ist hierbei der Anbieter, ist der Schwerpunkt USA deutlich ausgeprägter als beim Vanguard FTSE All-World. Am Besten recherchierst du vor dem Kauf mithilfe der ISIN-Nummer, die du meist direkt in deiner Trading-App findest, wie sich dein ETF zusammensetzt.

Was ist der Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs?

Die Begriffe klingen erstmal total abschreckend. Wir haben uns am Anfang auch den Kopf darüber zerbrochen und gedacht, wir können uns das nie merken. Mittlerweile ist es jedoch total logisch und easy:

Ausschüttend bedeutet, dass dir die Gewinne, welche dein ETF abwirft, ausgezahlt werden. Thesaurierend bedeutet, dass die Gewinne automatisch wieder für dich in den ETF investiert werden. Wenn du immer weiter investieren und den Zinseszins ordentlich für Dich arbeiten lassen möchtest, sind thesaurierende ETFs eine gute Wahl. Wenn du aber beispielsweise nach 18 Jahren dein Sparziel erreicht hast, kannst du auf ausschüttende ETFs wechseln und dir die Erträge auszahlen lassen.

 

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Was ist ein ETF-Sparplan und was sind die Vorteile eines festen ETF-Sparplans?

Ein ETF-Sparplan ist eine sehr gute Möglichkeit, in kleinen Schritten und meist über einen längeren Zeitraum ein Vermögen aufzubauen. Du kannst beispielsweise schon ab einem sehr geringen Betrag monatlich deinen Sparplan besparen und somit für dein Alter vorsorgen oder für andere Träume sparen. Du zahlst monatlich oder in einem von dir festgelegten Rhythmus einen von dir festgelegten Betrag ein. So kannst du auch mit einem geringen Budget ganz einfach in einen ganzen Markt investieren und dein Geld gut anlegen.

Mit ETFs kannst du dein Vermögen sehr breit streuen und reduzierst damit die Anlagerisiken, da du nicht in eine einzelne Aktie sondern in sehr viele Wertpapiere gleichzeitig investierst.

Einer der großen Vorteile eines ETF Sparplans: die Flexibilität. Einen ETF Sparplan kannst du jederzeit starten, stoppen oder anpassen. Bist du einmal knapp bei Kasse, so kannst du die Sparrate ganz easy senken oder den Sparplan komplett pausieren.

Einzelaktien, aber auch ETFs schwanken jeden Tag. Wie wichtig ist es, die Kurse zu beobachten und den perfekten Zeitpunkt für einen Kauf oder Verkauf zu erwischen?

Allgemein gesagt ist es natürlich sehr wichtig, immer die Entwicklungen deiner Investments im Blick zu behalten. Allerdings kommt es hierbei total darauf an, welche Investmentstrategie du verfolgst. Wenn du zum Beispiel nicht aktiv tradest, also nicht günstige Zeitpunkte am Markt beobachtest um dann zu kaufen/zu verkaufen, sondern dich für eine eher passive Anlagestrategie wie zum Beispiel die “Buy & Hold”-Strategie entschieden hast, dann solltest du immer im Kopf haben: think in years, not in days. Wenn die Kurse deiner ETFs also an einem Tag mal nach unten gehen, muss dir das keine Sorgen bereiten, da die Weltwirtschaft in der Regel stetig steigt. Wenn du zum Beispiel die Wirtschaftskrise 2008 im gesamten Verlauf des letzten Jahrhunderts betrachtest, dann gingen die Kurse danach trotzdem langsam aber sicher wieder nach oben. Wichtig ist hierbei, dass du dir überlegst: wie geduldig und ruhig kann ich persönlich bleiben, wenn die Kurse mal schwanken? Wenn die Antwort eher lautet, dass dich das ins Schwitzen bringt, solltest du vielleicht erstmal in ETFs und nicht in Einzelaktien investieren, da diese diversifiziert sind.

Wer in den MSCI World investiert, investiert in die erfolgreichsten Unternehmen der Welt – und damit auch in so manche Firma, hinter der man nicht unbedingt steht. Wie ist es möglich, in nachhaltige und ethisch korrekte Firmen zu investieren, und trotzdem Sicherheit zu haben? Welche nachhaltigen ETFs könnt ihr empfehlen, und wie informiert man sich am besten?

Nachhaltigkeit ist ein großes Fragezeichen, wenn es um Investments in ETFs geht – das können wir leider auch nicht schönreden. Auf was du achten kannst sind jedoch die sogenannten ESG- und SRI-Kriterien. Die Abkürzung “ESG” steht hierbei für „Environment, Social, Governance“, “SRI” steht für “Socially Responsible Investment” und setzt sogar mit etwas strenger an, als die ESG-Kriterien. Die Kriterien dienen als Ausschlussverfahren und eliminieren sozusagen die Unternehmen aus einem ETF, die als nicht nachhaltig genug gelten.

Das Thema ist jedoch trotzdem noch unscharf und auch wenn die Nachhaltigkeitskriterien greifen, informierst du dich am Besten anhand der ISIN-Nummer genau darüber, welche Unternehmen denn in deinem ausgewählten ETF vertreten sind.

 

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Sagen wir, ich habe monatlich 50 Euro zu Verfügung, die ich in ETFs stecken möchte. Ist das überhaupt sinnvoll, oder lohnt sich das Ganze erst mit mehr Budget?

Auf jeden Fall! 50 Euro mögen im ersten Moment super wenig klingen, wenn du das jedoch auf 30 Jahre rechnest, dann hast du 18.000 Euro eingezahlt – aber dank des Zinseszins (wenn wir mit einer durchschnittlichen Rendite von 6 Prozent pro Jahr ausgehen) knapp 48.000 Euro gemacht. 48.000 Euro haben oder nicht haben macht einen ganz schönen Unterschied, oder?

Manchmal liest man Faustregeln à la: Wer unter 10.000 Euro investiert, sollte nicht mehr als 2 ETFs haben. Oder: Mindestens 5 ETFs, um in alle Richtungen zu diversifizieren. Was ist da dran, und was ratet ihr für den Einstieg mit einer moderaten monatlichen Sparrate im zwei- bis dreistelligen Bereich?

Das pauschal zu sagen sehen wir eher kritisch. ETF ist ja nicht gleich ETF. Es gibt ja einen Unterschied zwischen dem MSCI World oder einem ETF, der lediglich eine einzelne Branche abbildet. Vielmehr solltest du dir anschauen: was habe ich denn alles in meinem Portfolio? Decke ich nur eine oder zwei Branchen ab und besteht deshalb ein höheres Verlustrisiko, falls es der Branche plötzlich nicht mehr so gut geht? Hättest du zum Beispiel nur 2 ETFs, in der Reise- und Tourismusbranche, dann würdest du während der Corona-Zeit sicherlich ein bisschen schwitzen. Wenn du jedoch in mehrere Branchen oder Länder investiert hast, sieht das Ganze schon etwas stabiler aus – und zwar vollkommen unabhängig von der absoluten Sparrate.  Wichtig ist nämlich vor allem die prozentuale Gewichtung deiner Investments.

 

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Und zum Schluss: Warum ist es gerade für uns Frauen so wichtig, uns mit dem Thema zu befassen und selbständig für unser Alter vorzusorgen?

Wir haben ein paar Facts im Schnelldurchlauf für dich gesammelt: Frauen verdienen im Schnitt 21% weniger als Männer für die exakt gleiche Arbeit. Frauen erhalten als Folge rund 59% weniger Rente und leben deshalb sehr häufig in Altersarmut oder am Existenzminimum. Zudem müssen Frauen länger mit ihrem Geld auskommen, da sie im Schnitt älter werden. Da gibt es also große, finanzielle Lücken, die leider niemand stopfen kann, außer wir selbst.

Wir liegen eindeutig zurück, wenn es um finanzielle Gleichberechtigung geht.

Und das ist, wenn man sich die letzten Jahrhunderte anschaut, auch irgendwie total verständlich. Aber genau deshalb müssen wir aufholen und jetzt alle Chancen nutzen, die wir haben, um die Folgen selbst so wenig wie möglich zu spüren und eine bessere finanzielle Zukunft für uns und die Frauen nach uns zu schaffen.

Wenn man sich vor Augen führt, dass Frauen noch nicht einmal 100 Jahre lang dazu berechtigt sind, ein eigenes Konto zu eröffnen, so kann man sich vorstellen, dass es im Hinblick auf Frauen an der Börse ernüchternd aussieht.

Im Schnitt investieren nur 18 Prozent der Frauen, aber 30 Prozent der Männer. Frauen lassen ihr Geld jedoch tatsächlich erfolgreicher für sich arbeiten. Sie sind zwar risikoscheuer, wenn sie jedoch investieren, so erzielten sie im vergangenen Jahr im Durchschnitt 24,1 Prozent Gewinn, männliche Anleger dagegen nur 23,5 Prozent.

Also zum Schluss eine Blitzermutigung: die Fakten sind noch ein weiterer Beweis dafür, dass du das kannst und nach dieser Class keine Angst mehr vor Investments haben musst! Let’s do this, baby!

 

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5 Antworten zu “Einfach anfangen: Das ETF-Einmaleins mit Tessa & Denise von finance, baby!”

  1. Super wichtiger Beitrag! Ich investiere auch schon seit längerer Zeit selbstständig in ETFs und Aktien. Leider scheuen sich sehr viele davor sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auch in Freundschaften finde ich es schwierig darüber zu reden, weil es sehr schnell an das Unwissen eines anderen kratzen kann und zu Unmut führt. Die Leute fühlen sich dann oft angegriffen. Umso wichtiger ist es, dass es Beiträge wie diese gibt. Sobald man einmal anfängt etwas darüber zu lesen, tut es auch schon nicht mehr so weh :)

    • Danke für dein Feedback! Sehe ich genauso – und am liebsten setze ich mich mit Freundinnen zusammen und wir tauschen uns über unsere bisherigen Wissensstände aus, man lernt ja bei dem Thema wirklich nie aus :)

  2. Hatte mir den Artikel abgespeichert und jetzt, nachdem ich das Thema Finanzen endlich angehen werde, rausgekramt und direkt paar nützliche Sachen mitgebracht. Vielen Dank für den Beitrag!

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