Filmtipp: Yves Saint Laurent

19. März 2014 von in

Yves Saint Laurent, das große französische Modehaus, dessen Name schon wie purer Luxus klingt – jetzt kommt ein Film in die Kinos, der den drei großen Buchstaben ein Gesicht gibt, die Persönlichkeit Yves Saint Laurent beleuchtet. In Zusammenarbeit mit Yves‘ Lebensgefährten und Geschäftspartner Pierre Bergé ist der Film von Jalil Lespert entstanden. Am 17. April läuft er in den deutschen Kinos an und wir durften ihn diese Woche schon vorab sehen.

Der Beginn des Filmes zeigt den stillen, schüchternen Yves, gerade 19 und aus einer wohlhabenden kolonial-französischen Familie in Algerien, der 1955 nach Paris geht, um dort als Modedesigner zu arbeiten. Keiner hat Zweifel an ihm, der schon sein ganzes Leben nichts anderes tut, als Modeskizzen anzufertigen. Tatsächlich wird er kurze Zeit später der Assistent Christian Diors – und als dieser 1957 stirbt, wird der 21-jährige Yves an die Spitze des Haute Couture Hauses berufen. Allein wegen seines Alters und seines schüchternen Auftretens steht er im Rampenlicht und seine erste Kollektion wird ein voller Erfolg. Yves wirkt in dem ganzen Trubel wie ein zartes Reh, in dem geniale Kreativität schlummert, der aber nichts mit dem realen Leben am Hut hat. Er ist verwöhnt, beschäftigt sich nur mit seinen Entwürfen und interessiert sich für keine der schönen Frauen, die sich ihm an den Hals werfen.

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Doch für einen gehen seine Augen auf: Den etwas älteren Pierre Bergé lernt er auf einer seiner Modenschauen kennen, er wird von ihm in sein Landhaus eingeladen und die Liebesgeschichte beginnt. Bergé ist die Zutat, die Yves gefehlt hat, denn er erweckt in ihm nicht nur Liebesgefühle, sondern wird schon bald zu seinem Manager und Berater. Er kann Yves melancholische Gefühlsausbrüche und Krisen lindern und ihm Strukturen im kreativen Chaos geben. Gemeinsam erleben sie eine unglaublich erfolgreiche Zeit, bis Yves in den Algerienkrieg eingezogen wird und einen völligen Nervenzusammenbruch erleidet. Als bei ihm eine manisch-depressive Störung diagnostiziert wird und er den Kriegsdienst verweigert, verliert er auch die Leitung bei Dior. Ein Schock, den Bergé aber aufzufangen weiß: 1961 gründen sie gemeinsam ihr eigenes Modelabel, in dem sich Yves jetzt endgültig kreativ ausleben kann, während Bergé alles Weitere übernimmt. Und auch das Label Yves Saint Laurent wird zum Erfolg.

Nachdem Yves die erste Hälfte seiner Zwanziger unglaublich diszipliniert durchgearbeitet hat, beginnt er sich langsam in der schicken Pariser Szene auszuleben, verliert nach und nach seine Schüchternheit und geht aus sich heraus. Bergé ist für ihn die wichtigste Säule in seinem Leben, aber ihre Beziehung erlebt Einbrüche, andere Partner und vor allem Yves steigernde Exzesse als wachsende Belastung.

Der Film zeigt die persönliche Veränderung und die selbstzerstörerischen Kräfte in Yves, die seiner Kreativität immer neues Feuer liefern und ihn dazu bringen, die Mode zu revolutionieren. Von der anfänglichen Haute Couture in der Tadition Diors geht es am Ende zu dunkelhäutigen Models in Smokings oder salontauglichen Safariklamotten.

Wer von diesem Film jedoch Tiefgang in die Mode Yves Saint Laurents oder mehr zum Einfluss seiner Mode auf die Gesellschaft und die Frauen in den 60er- und 70er-Jahren erhofft, der wird enttäuscht. Diese Themen werden, wenn überhaupt, nur nebenbei und an der Oberfläche angeschnitten. Und auch von der inneren Zerrissenheit, der Melancholie und den Zwängen Yves wären intensivere Szenen schön gewesen. Immer wieder brechen diese gefühlt zu früh ab, man wünscht sich einen intensiveren Einblick in seine Persönlichkeit. Trotzdem liegt der Fokus des Filmes auf der Person Yves Saint Laurent aus der Sicht des wichtigsten Menschens seines Lebens, Pierre Bergé, der ein Jahr nach Yves Tod 2009 in einer Rekordauktion die gemeinsame Kunstsammlung versteigern ließ. 370 Millionen Euro Erlös für die YSL-Stiftung und die Aidsforschung sowie ein riesiger Medienrummel waren der Abschluss des gemeinsamen Lebens dieses Paares, dessen Beziehung in diesem Film gekrönt wird.

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7 Antworten zu “Filmtipp: Yves Saint Laurent”

  1. Ich habe den Film auch schon vor ein paar Wochen auf der Berlinale gesehen. An sich ist er wirklich toll, aber natürlich wird man enttäuscht, wenn man sehr viel Eindrücke von seiner Mode erwartet. Die wird, genauso wie du es beschreibst, nämlich nur sehr oberflächlich beschrieben.
    Aber ich fand den Film auch sehr schockierend. Denn wenn man sich nicht genauestens mit der Biografie von Saint Laurent beschäftigt hat, verblüfft sein von Skandalen geprägtes Leben einen schon. Irgendwie sieht man doch immer nur seine Kleider vor sich, aber nie sein Leben.
    Alles in allem kann ich den Film nur empfehlen!!!

  2. Ich warte schon ewig auf diesen Film! Habe mir vor ein paar Jahren die Biographie durchgelesen, und seine Geschichte ist wirklich faszinierend! Bei Filmen ist mir mit am wichtigsten die Ästhetik und die Dialoge, wie sind die so ?

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