Kolumne: Das Sommergefühl

28. Mai 2014 von in

Tiefenentspannung und Sonne auf der Haut. Letzte Woche auf Kreta konnte ich mal wieder von Kopf bis Fuß eintauchen in dieses ganz bestimmte Sommergefühl, das man nur in einem Urlaub am Meer empfindet. Als unsere Freundin am sechsten Urlaubstag Geburtstag hat und ich zur Feier des Tages Concealer und Lippenstift herauskrame – den Makeup-Minimalismus, mit dem ich mich zu Hause fast nackt fühle – komme ich mir viel zu angemalt vor. Meine sommergesprosste Sonnenhaut sieht ungeschminkt am schönsten aus, meine Haare haben luftgetrocknete Wellen und meine Klamotten sind einfach nur bequem.

Das Sommergefühl hat uns alle gepackt, wir fühlen uns leicht und ausgelassen wie nie. Natürlich liegt es vor allem daran, dass wir im absoluten Nirgendwo stecken, unsere Handys mit eingeschaltetem Flugzeugmodus tief in irgendwelchen Taschen vergraben. Kein Anruf, keine Email und keine Pflicht kann uns erreichen, nicht mal einen Computer oder einen Fernseher haben wir im stromlosen Ferienhaus dabei. Das Leben wirkt so einfach, wir stehen im Sonnenschein auf, frühstücken mit Blick aufs Meer, liegen am Strand und genießen jeden Moment so bewusst wie zu Hause kaum einen.

Dieser Urlaub ist der Inbegriff des Sommergefühls. Aber muss es zu Hause wieder vorbei sein? Kaum gelandet zeigt das Handy wieder 3G an und sofort ploppen massenweise Emails und Nachrichten auf. Mein Hirn, das gerade noch tiefenentspannt war, hat sofort 10 Gedanken auf einmal – da ist die Email vom Uniprofessor zwischen unübersichtlich vielen Pressemitteilungen, Facebook-Benachrichtigungen, Agenturanfragen und die Oma hatte auch noch Geburtstag. Einmal Whatsapp geöffnet existiert die Außenwelt erstmal nicht mehr, man will ja schließlich mit allen reden und tippt, tippt, tippt. Instagram gibt es ja auch noch, mal sehen, was da so los war, und ein paar Bilder lade ich auch gleich mal hoch.

Sofort ist der alte Stresspegel wieder da, mehrere Dinge werden auf einmal gesagt, gedacht, gefordert. Und der Alltag hat noch nicht mal angefangen. Wieder ganz zu Hause angekommen, ist das Sommergefühl schneller wieder verflogen, als ich erwartet hatte. Es regnet in Strömen, das Handy ist wieder pausenlos an, die Pflichten prasseln auf mich ein. Und kaum wieder in der Stadt, sind Gedanken über das Outfit wieder da und die Wimperntusche wieder im Gesicht.

Woher kommt sie genau, diese Leichtigkeit, die wir im Sommerurlaub empfinden? Und wieso ist es zu Hause so schwer, diese Leichtigkeit zu halten? Auch, wenn diese Woche ein einziger trauriger Regenschauer ist, mag ich die Sommerleichtigkeit nicht loslassen. Die Tiefenentspanntheit festhalten, auch wenn die Alltagspflichten wieder herumschwirren. Die erste Lektion nach der letzten Woche: Internetlose Zeit entspannt viel mehr, als man denkt. Ein erster Schritt zur Sommerleichtigkeit ist daher, das Handy öfter bewusst wegzulegen oder sogar auszuschalten. Nicht immer muss man erreichbar sein oder sofort auf alles antworten.

Damit sind wir bei der zweiten Lektion: Entspannung bedeutet auch, Multitasking sein zu lassen und ganz im Moment zu leben. Ist das Handy erst mal nicht mehr dauerpräsent, fällt es leichter, sich bewusst auf jeden Moment einzulassen. Lektion drei: Ungeschminkt und windverwehte Haare, so fühlt man sich unbeschwert. Natürlich macht Beautykram immer noch viel Spaß, jetzt im Sommer darf die Foundation aber ruhig mal weggelassen werden und die Haare sehen mit ein bisschen Sea Salt Spray aus wie frisch vom Strand. Und zuletzt: Ohne Jacke oder schwerer Tasche bewegt man sich am sommerleichtesten durch die Gegend. Lange müssen wir ja zum Glück nicht mehr auf das passende Wetter dafür warten – und dann bleibt das Sommergefühl bitteschön auch ohne Urlaub da!

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3 Antworten zu “Kolumne: Das Sommergefühl”

  1. So ein schöner Text, du hast so recht. Ich hoffe, irgendwann trifft auch das Sommergefühl bei mir ein – spätestens in den Semesterferien, wenn alle Prüfungen vorbei sind!

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