Kolumne: Warum 30 werden eigentlich ziemlich gut ist

27. Mai 2016 von in

Eigentlich müsste ich mittlerweile in Panik verfallen, mein erstes graues Haar sprießen und ich mich nur noch unter der Bettdecke verstecken. Zumindest, wenn es nach den einschlägigen Frauenmagazinen geht, die nach ihren wunderbaren Tipps „So behältst du ihn für immer“ auch wirklich positive Berichte zum Thema Älterwerden bringen – „Botox und Co. – was du jetzt machen solltest“. Altern? Oh mein Gott. Am Ende auch noch unverheiratet, Single, Karrierefrau, unabhängig und selbstständig – und ganz zufrieden damit. Na dann, gute Nacht! (Ironie!)

Das Selbstverständnis der zufriedenen, glücklichen und emanzipierten Frau, die in Würde altert und keinerlei Panik schiebt, kollidiert leider oftmals noch mit der Themenvielfalt der Frauenmagazine und deren Social Media Kanälen. Wird aber offensichtlich immer noch gut von der Zielgruppe, also uns Frauen, geklickt – aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zum Alter. Weder verheiratet, noch mit Kind und Kegel, bin ich immer noch ziemlich entspannt. Und das o b w o h l ich in knapp zwei Wochen 30 werde. Denn ganz ehrlich: Ich finde das ziemlich gut. Klar, es gibt schönere Zahlen als 30. Ich mag die 28. Aber so grundsätzlich fühle ich mich sehr wohl. Weder alt, noch superjung, gleichzeitig mit so viel mehr Wissen und Erfahrungen ausgestattet, als noch mit 18 (der wohl letzte wichtige Geburtstag). Damit wir der ganzen Panikmache zum Thema Altern entgegensetzen, liefere ich euch heute meine Gründe, warum 30 werden ziemlich super ist.

Ich weiß, was ich will.
Erinnert ihr euch noch an die Jahre Anfang 20? Als die Meinung der Freundinnen oder Mama superwichtig war. Wie ein Fähnchen im Wind ist man in den Teenie-Jahren, während man sich in den Twens langsam aber sicher festigt. Sich abnabelt von Meinungen, Einflüssen und Idealen und seine eigenen Werte, Grenzen und Vorstellungen steckt. Auch Erfahrungen und Erlebnisse in Beziehungen, Freundschaften sowie im Job prägen einen, sodass sich immer mehr herauskristallisiert, was man will – und was eben nicht. Ich weiß heute genau, was ich will. Sei es im Job oder in der Liebe oder in einfachen Dingen wie Essen, Mode und Freizeit. Ich will einen Job, der mich erfüllt, mir Freiraum lässt und kreativ sein lässt. Menschen, die mir und meinen Liebsten nicht gut tun, lasse ich hinter mir. Das Leben ist zu kurz, um allen zu gefallen. Ehrlichkeit und Loyalität sind die wichtigsten Werte für mich – genauso wie Vertrauen. In allen Lebensbereichen. Zu wissen, was man will, und das auch zu leben, ist so wundervoll. Und es gibt einem sehr viel Freiheit.

Erfahrungen machen uns weiser und stärker
Das Herz gebrochen, enttäuscht von Freunden oder der erste Todesfall: In den Zwanzigern machen wir meist die ersten schmerzhaften Erfahrungen in unserem Leben. Wir lernen damit umzugehen, Kummer und Trauer zu überwinden und viel über uns. Wie konnte diese Beziehung zerbrechen? Was will ich künftig ändern? Wie gehe ich mit Tod und Trauer um? Und was erwarte ich von meinem Leben? Aus jeder schmerzhaften Erfahrung ziehen wir Schlüsse, lernen unfassbar viel über uns und unsere Mitmenschen und gehen gestärkt hervor. Denn: Jede Erfahrung, ob gut oder schlecht, lässt uns wachsen, neu erleben und erkennen: Egal, wie schlecht es einem geht, irgendwann wird es wieder okay. Dieses Wissen gibt einem Stärke und Sicherheit. Und das ist wohl eine der schönsten und wichtigsten Erkenntnisse im Erwachsenwerden.

Die Welt steht uns offen
Unsere Generation kann so viel und günstig wie nie reisen. Die Welt steht uns quasi offen. Ende 20 haben die meisten von uns das Studium oder die Ausbildung hinter sich, das erste Geld wird verdient. Und endlich können wir auch reisen, ohne auf jeden Cent zu achten. Mit den besten Freunden, mit dem Partner – selbst das Verreisen mit den Eltern ist Ende 20 schon wieder toll. Definitiv etwas, was ich auch nach meinem 30. noch weiter ausbauen will. Denn die Welt will ja entdeckt werden!

Von wegen Botox! Wir sind alle schön!
Anfang 20 sind wir meist noch sehr unsicher, was unseren Körper und die eigene Schönheit betrifft. Ständig vergleicht man sich, hechelt Idealen hinterher und verliert sich in Schönheitsidealen. Wir haben Panik vor den ersten Falten und widmen uns an Sonnentagen mehr den imaginären Dehnungsstreifen und Dellen, als dem Spaß in der Sonne.
Auch wenn ich nie der Typ war, der sich zu viele Gedanken über sein Aussehen oder das anderer gemacht hat, habe ich mich früher weitaus mehr an Oberflächlichkeiten festgehalten – bei mir und anderen. Heute zählen für mich innere Werte, Tiefe und Intelligenz. Schönheit kommt immer von innen – und jeder ist auf seine Weise schön. Und vor Falten habe ich keine große Angst – hauptsache, sie kommen vom Lachen. Außerdem kann ich jetzt alle tollen Cremes ausprobieren, die der Beautymarkt so hergibt. Yeah!

Dem eigenen Körper Gutes tun
Infolgedessen habe ich aber auch ein größeres Körperbewusstsein entwickelt. Ich weiß, was mir und meinem Körper gut tut, dass Sport auch meiner Seele hilft und dass bestimmte Lebensmittel nicht dauernd sein müssen, damit ich mich wohl fühle. Gleichzeitig steht bei mir Lebensqualität immer vor Schönheitsideal. Für immer auf Kohlenhydrate verzichten, nur um den flachesten Bauch aller Zeiten zu haben? Nö! Pizza schmeckt einfach zu gut. Sich selbst zu akzeptieren, ist mit Ende 20/Anfang 30 sehr viel leichter, als noch als Teenie.

Zu guter Letzt: Achtsamkeit
Ich achte auf mich. Mehr denn je. Was tut mir gut, was nicht. Fear of missing out – gibt es nicht mehr. Wenn ich Lust habe, drei Abende daheim zu bleiben, tue ich das. Ohne in Panik zu verfallen, dass ich das Beste verpasse. Auszeiten, Entspannung und mir Gutes tun – das sind Sachen, die ich in den letzten Jahren immer öfter gelernt habe. Ich denke viel mehr an mich und mein Wohlbefinden. Gehört wahrscheinlich auch zum Erwachsenwerden dazu.

So – was sind eure Gründe, warum das Älterwerden Ende 20 gar nicht so schlecht ist?
Ich freue mich auf jeden Fall auf das nächste Jahr – und was es alles so bringen wird. Denn: A lot can happen in a year!

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15 Antworten zu “Kolumne: Warum 30 werden eigentlich ziemlich gut ist”

  1. Ach liebe Antonia, wie recht du hast!
    Genauso erging es mir auch als ich im Januar 30 geworden bin. Keine Panik, kein nix, nur die Erkenntnis, die 30 ist super! Ich liebe die Zahl. Ich fühle mich so erwachsen und gleichzeitig so jung.

    Den Jugendwahn konnte ich noch nie verstehen. Ich wollte nie mehr 16 sein oder 18 oder 23 sein. Die Unsicherheit und die ganze Selbstbestätigung, die nur von außen kommt, damit ist endlich Schluss. Ich freue mich schon so auf das nächste Jahrzehnt mit seinen spannenden Geschichten. Noch nie fühlte ich mich so bereit für die Abenteuer des Älterwerdens.

    Genieß deine Feier! Ein Hoch auf die 30!
    Liebe Grüße,
    Bibi von http://happyandcity.blogspot.de

    • Liebe Bibi,
      wie schön :) Absolut, ich möchte keinesfalls mehr 16 oder 22 sein :) 28 fand ich super – aber im Grunde ist das ja alles ein natürlicher Lauf der Dinge. Man darf sich nur nicht stressen – oder von irgendwelchen „bis dahin sollte man aber..“ beeindrucken lassen.
      Ich freu mich schon sehr auf meinen Geburtstag!
      Hab ein schönes Wochenende!

  2. Ich stimme dir in allen Punkten zu, und dementsprechend finde ich das Gejammere, das viele Frauen da sehr gerne (ja, so sehe ich das) anstimmen, unglaublich nervig. Mir soll da auch bitte keine mit „die Gesellschaft…“ kommen, denn die Gesellschaft ist man letztlich selbst, und so wie uns beide + alle anderen, die das so sehen, noch keiner verstoßen hat, genauso wenig stehen all die anderen Frauen unter irgendeinem Druck – außer dem, den sie sich selbst machen…..

    Um was konkretes von meinen Erfahrungen zu berichten: ich hab im letzten Jahr (mit 30) eine Weile recht intensiv mit Praktikanten im Alter von Anfang bis Mitte 20 zusammengearbeitet, und obwohl sich da einige recht offensichtlich tatsächlich etwas auf ihr Alter eingebildet haben, bzw eine gewisse Vorstellung von 30jährigen hatten, der ich nicht entsprach, sah ich im Kontrast zwischen uns eigentlich alle Punkte, die du aufführst, bestätigt.

    • Liebe A,
      ich kann das total verstehen!
      Ich traf letztens auch auf einen 21-Jährigen und kam mir plötzlich furchtbar alt vor. :) Aber das ist ja auch okay – solange man sich trotzdem auf Augenhöhe begegnet!

      Liebe Grüße!

  3. Bei mir dauert es noch ein wenig bis zu dem 30 ;) Trotzdem, vor allem der letzte Punkt hat mir angetan – etwas, was IMMER gelten sollte, egal welches Alter! Achtsamkeit fängt schon bei den kleinsten Dinge an (für SICH SELBER schöne Unterwäsche kaufen z.b.!) und jeder sollte sich stets vor Augen halten: was will ich?

    <3

  4. Sehr schöner und wahrer Artikel! Auch wenn es bei mir noch fünf Jahre bis zur 30 sind, kann ich sehr Vieles von dem was du sagst so unterschreiben.
    Genau wegen solchen Texten lese ich amazed wahnsinnig gerne.

    • Danke liebe Julia! Und natürlich ist das Ganze ja ein Prozess, der in den Zwanzigern stattfindet – somit kann das wahrscheinlich jeder in der Zeitspanne gut nachvollziehen:)

  5. Ein sehr schöner Beitrag und wohl wahre Worte :)
    Mit Anfang 20 kamen mir Menschen mit 30 echt alt und irgendwie erwachsen vor. Jetzt bin ich selbst dabei und fühle mich gar nicht so, nur bin ich um all die Erfahrungen sehr froh und finde es gut so wie es ist.
    Bestimmt wird es ein aufregendes Jahr für dich <3

  6. sehr schöner Blog. war dort leider noch nicht. diese kleider sind sehr schön. freu mich auf mehr. schöner Tag wünsche ich Dir :) Bis Bald. Bleibe dabei und lese weiter dein Blog! <3

  7. Das kann ich mit Ende 20 so unterschreiben, liebe Antonia. Man fängt an, so viel mehr in sich selbst zu ruhen und sich nicht mehr an den kleinen Dingen aufzuregen, das hab ich auch ganz extrem bemerkt. Vor allem Oberflächlichkeiten wie der flachste Bauch und die schönste Figur und die pickelloseste Haut und der perfekteste Lidstrich zählen weniger. Und auch beim Daten schaut man viel weniger auf Äußerlichkeiten.. die 30 werden prima!! :)
    Liebe Grüße,
    Kathi

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