Zuhören und lernen: Meine 10 liebsten Podcasts für den Kopf

16. Juni 2020 von in

Podcasts sind mein Medium, wenn ich nicht gerade selbst schreibe oder Bücher lese. Wenn andere ihre liebsten Songs hören, lausche ich Gesprächen und putze dabei meine Wohnung, miste aus, gehe spazieren oder schlafe dabei ein. Was früher Die drei Fragezeichen ??? und Bibi und Tina waren, sind heute für mich True-Crime-Formate wie Zeit Verbrechen oder Verbrechen von nebenan. Dank meiner Leidenschaft und meinem jahrelangen Job als Reporterin bin ich gefühlt Expertin im Bereich True-Crime. Damit ich mich langfristig aber nicht nur bei Mord-Methoden auskenne, sondern auch politisch, historisch sowie gesellschaftlich mehr im Köpfchen habe, höre ich natürlich auch noch anderes. Dank Podcasts ist das Weiterbilden und Lernen mehr als einfach – und in Zeiten wie diesen wichtiger denn je.  Während ich also meine 10.000 Schritte mache oder das Bad schrubbe, frische ich ganz einfach mein Wissen in Sachen DDR oder Bürgerkrieg-Unruhen in Ruanda auf, blicke in andere Lebenskonzepte und -Welten und lausche schlauen Menschen bei ihren Gedankengängen. Mein Ziel, ein wandelndes Lexikon zu werden, komme ich so auf jeden Fall ein Stückchen näher.

Welche Podcasts ihr hören solltet, um ein bisschen Wissen abseits der Instagram-Story in euer Leben zu lassen und wie ihr eure Hörgewohnheiten dabei gleich diverser gestaltet, erfahrt ihr jetzt. Hier kommen meine 10 liebsten Podcasts für den Kopf (und das Herz natürlich).

Alles gesagt

Ein Klassiker – und wie fast alle Podcasts aus dem Hause Zeit großartig. Das liegt nicht nur an der wunderbaren Producerin Maria Lorenz, sondern natürlich auch den beiden Gastgebern Jochen Wegener und Christoph Amend. Zwei Journalisten, die ich nicht nur aufgrund ihrer Schreibe, sondern auch ihres Wissens und Humors mag. Gemeinsam interviewen sie spannende Gäste in ihrem Podcasts – und zwar unendlich lang, bis der Gast keine Lust mehr hat oder ihm die Themen zu heiß werden. Hier lernt man nicht nur Persönlichkeiten wie Ulrich Wickert, Rezo, Carolin Emcke, Alice Hasters oder Herbert Grönemeyer von einer allumfassenden Perspektive kennen, sondern lernt auch viel Neues dazu. Schließlich helfen unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen immer auch selbst, das eigene Ich und den eigenen Weg zu reflektieren. Der vielleicht inspirierendste Interview-Podcast momentan.

Auf einen Polittee mit Yasmine M’Barek
Eine Tasse Tee schnappen und aktuelle politische Geschehnisse verstehen? Dank Yasmine M’Barek und ihrem Podcast Auf einen Polittee funktioniert das ganz wunderbar. Die freie Journalistin, die unter anderem für taz, funk und i-D Germany arbeitet, beleuchtet transparent das scheinbar unmöglich Durchschaubare. Herauskommt eine intelligente Tee-Stunde, die Licht ins Dunkel bekommt. Oder wer von euch kann das Konjunkturpaket in zwei Sätzen erklären?

Das nehme ich mal mit

Die Grünen-PolitikerInnen Aminata Touré und Lasse Pettersdottir sprechen in ihrem Podcast Das nehme ich mal mit über ihre Erfahrungen in der Politik. Seit 2017 sitzen beide für Bündnis 90/Die Grünen im Kieler Landtag und beschäftigen sich ausgiebig mit Politik auf Landes- sowie Bundesebene. Mal beleuchten die beiden aktuelle politische Ereignisse, mal erzählen sie von ihrer Erfahrung aus dem Landtag. Ein spannender Blick hinter die Kulissen.

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Feuer und Brot

Die beiden Kölner Freundinnen Alice und Maxi sind die Macherinnen von Feuer und Brot. Während Alice als freie Journalistin arbeitet, ist Maxi Sprecherin. Die perfekte Kombination für einen intelligenten Gesprächspodcast. Die beiden besprechen gesellschaftlich relevante, popkulturelle und persönliche Themen wie Rap, Feminismus, kulturelle Aneignung, Männlichkeit oder auch mal die weibliche Lust oder Menstruation. Quasi ein Rundumpaket mit intelligenten Gedankengängen und jeder Menge Unterhaltung. 

Hart unfair

Ein Podcast, auf den ich erst vergangene Woche stieß – nicht zuletzt wegen der so wichtigen Rassismus-Diskussion. Hart unfair hätte ich aber schon viel eher hören sollen. Ari Christmann, Anna Dushime und Yelda Türkmen sprechen in ihrem Podcast über Beyoncé, Duschen und Politik. Und das auch aus nicht weißer Perspektive.  Was für ein Gewinn, wenn so viele unterschiedliche Lebensrealitäten aktuelle Themen beleuchten und reflektieren. Der Ansatz des Trios: mit ihrer Namens-Anspielung eine Gegenperspektive zu deutschen Talkrunden bieten. Denn diese ist – wie wir alle leider wissen – doch sehr einseitig und vor allem sehr weiß.

Acht Milliarden – der Auslands-Podcast vom Spiegel

Ein Nachrichtenmagazin ohne eigenen Podcast – geht heutzutage ja kaum mehr. Der Spiegel hat jetzt auch einen und zwar mit niemand geringeren als Journalist Juan Moreno. Jener Reporter, der die Fälschungen von Claas Relotius offen legte. Jetzt darf er anderen Kollegen auf den Zahn fühlen und spricht einmal die Woche mit den Spiegel-KorrespondentInnen auf der ganzen Welt in Acht Milliarden über die Schlagzeilen aus Politik, Gesellschaft und Kultur. Ein etwas anderer Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage – ich liebs.

Mal angenommen – Der Tagesschau Zukunfts-Podcast

Ich liebe Was-wäre-wenn-Gedankengänge. Denn sie müssen nicht nur negativ behaftet sein, sondern können ja auch manchmal ganz positiv in die Zukunft gesponnen werden. Was wäre eine Welt ohne Kurzstrecken-Flüge? Wie wäre eine Welt ohne Internet heute? Und können wir uns vorstellen, wie es ohne Social Media wäre? Viel zu oft bleibt es ja beim Was-wäre-wenn, nur selten schaffen es die wirklich innovativen Ideen aus der Politik über die Nachrichten-Schlagzeile in die Realität.
In Mal angenommen denkt ein fünfköpfiges Korrespondenten-Team aus dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin jede Woche eine aktuelle politische Idee in die Zukunft weiter und spielt in einem Gedankenexperiment die möglichen Konsequenzen durch: Mal angenommen, Deutschland würde keine Waffen mehr exportieren – was wären die politischen Folgen? Oder mal angenommen, Bargeld würde abgeschafft – welche Auswirkungen hätte das auf unseren Alltag und die Wirtschaft? Unbedingt reinhören und für die nächste Dinner-Runde spannende Ideen sammeln.

Lage der Nation

Ein Must-Listen für alle, die politisch auf dem aktuellen Stand sein möchten und politische Entwicklungen aus der vergangenen Woche kurz und knapp zusammengefasst und eingeordnet haben wollen. Der Polit-Podcast Lage der Nation aus Berlin mit Philip Banse und Ulf Buermeyer ist fast schon ein Urgestein, denn die beiden sprechen bereits seit 2016 jede Woche eine Folge ein. Übrigens: Seit 2017 gibt es mit Lea Börgerding endlich auch eine Frau mit an Bord. Sie ist die Außenpolitikexpertin. Für mich der beste Podcast, um kurz und knapp politisch auf dem Laufenden zu bleiben.

Eine Stunde History

Manchmal erwische ich mich, wie ich gedanklich historische Daten und Fakten abklappere. Weiß ich wirklich noch, wann der Zweite Weltkrieg begonnen hat? Was hatte es mit Tschernobyl auf sich? Und warum gab es den Kalten Krieg? Dank Deutschlandfunk Nova und Eine Stunde History bekomme ich einmal die Woche meine Geschichtsstunde gratis ins Haus. Das Wunderbare: Der Podcast erklärt nicht nur, was es mit Karl, dem Großen auf sich hatte, sondern spinnt gekonnt den Weg in unsere Gegenwart. Geschichtsunterricht, wie er sein muss. Und für alle Schul-Traumatisierten: Es ist längst nicht so trocken wie damals in der Schule und vor allem oft gar nicht eine ganze Stunde lang!

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Edouard Marry ist 1945 in Ägypten geboren – als Sohn einer Libanesin und eines Franzosen. Für seinen Vater steht früh fest, dass er das Land verlassen muss. Er sah seine Zukunft in Europa. Für Edouard eine schwierige Situation: Konnte er sich doch in seinem Heimatland nicht verwurzeln. Auch in Deutschland hat er am Anfang Schwierigkeiten. Im Land der Dichter und Denker, so stellt er fest, gibt es doch auch Menschen, deren Stärke nicht das Denken und Dichten ist. 😅 Mittlerweile empfindet er Deutschland als seine Heimat, hat aber immer noch eine starke Bindung zu Ägypten. Hört mal rein 🎧👉🏼 Link in Bio! . . . #halbekatoffl #podcast #podcasts #migrationshintergrund #migrationsvordergrund #migrationsuntergrund #integration #ägypten

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Halbe Katoffl
Der wichtigste Podcast für alle, die immer noch glauben, die eigene Lebensrealität entspricht der aller Menschen. Im Podcast Halbe Katoffl kommen Deutsche zu Wort, die nicht-deutsche Wurzeln haben. Die selbst ernannten „Halben Katoffln“ sprechen über ihre Erfahrungen, ihre Storys, ihr Leben. Wie es ist, zwischen den Stühlen zu sitzen, aber auch, wie sie davon profitieren, in verschiedenen Kulturen beheimatet zu sein. Themen wie Identität, Migrationshintergrund und Stereotype werden besprochen und unterhaltsam sowie authentisch und offen dargestellt. Großartig! Danke dafür!

 

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2 Antworten zu “Zuhören und lernen: Meine 10 liebsten Podcasts für den Kopf”

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