Trennung mit Kind: 2 Frauen erzählen ihre Erfahrungen

17. Juni 2021 von in

Eine Trennung ist hart. Je älter wir werden und je tiefer die Beziehung ging, desto traumatischer kann es sein, sich von dem Menschen zu lösen, der die eigene Familie war, die eigene Zukunft, das eigene Zuhause. Nach einer Trennung ganz neu auf die Beine zu kommen, ist eine große Aufgabe, bei der es hilft, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse, neue Wünsche und Chancen an erster Stelle zu sehen. Was aber, wenn man sich nicht alleine trennt, sondern ein gemeinsames Kind hat? Wir haben euch gefragt, welche Herausforderungen eine Trennung mit Kind mit sich bringt – und wie ihr geschafft habt, den schwierigen Schritt zu gehen. Zwei Leserinnen haben ihre Geschichte erzählt!

Theresa, 32

Seit meiner Trennung mit kleinem Kind weiß ich endgültig, was Mental Load bedeutet. Tausende Sachen laufen parallel: Arzttermine, Behördenangelegenheiten, Anträge stellen, Pampers kaufen, Wäsche waschen. Während man sich darum kümmert, ist das Baby noch nicht versorgt, muss gewickelt, gestillt, gefüttert und gekuschelt werden. Es ist eine Herausforderung, dabei noch gute Laune haben, dem Baby das Gefühl zu geben, gewollt zu sein, geliebt zu werden – und den eigenen emotionalen Stress, den Trennungsschmerz und die Überforderung dabei hinten anzustellen. Vorspielen lässt sich das ich nicht, ein Baby spürt sowas.

Für mich war es in der ersten Zeit nach der Trennung ein ständiger Balanceakt aus emotionaler Offenheit und der Arbeit am Mindset, positiv zu bleiben, so kompliziert die Situation auch sein mag. Wie oft saß ich da, habe mich durch den Behördendschungel gekämpft, mit dem linken Fuß das Baby gewippt, am rechten Ohr in einer Warteschlange, tausende von Browser-Tabs offen. Als Mensch kam ich da natürlich erstmal zu kurz – die 25 zusätzlichen Schwangerschaftskilos waren nach zwei Wochen weg. Obwohl ich sowieso schon die ganze Zeit am Limit war, hatte ich trotzdem ein ständig schlechtes Gewissen, dem Baby nicht genug Aufmerksamkeit zu schenken, die Liebe zu geben, die es braucht und verdient.

Was hat mir in der Zeit geholfen hat: vor allem meine Freund*innen, die bedingungslos für uns da waren, mir zugehört haben. Mich nicht verurteilt haben, dass ich immer noch versucht habe, an der Beziehung festzuhalten und zu hoffen, dass wir endlich eine kleine glückliche Familie werden, so wie ich es mir vorgestellt hatte.

In der alles, was das Kind betrifft, gleich verteilt ist, wir uns sich gegenseitig tragen, „in guten wie in schlechten Zeiten“, schlechte Laune oder Angespanntheit vergeben wird, wir uns gegenseitig halten, wir die wunderbaren Momente der Elternschaft teilen. Vor allem durch die Zuwendung meiner Freund*innen, konnte ich mich letztendlich aus der missbräuchlichen Partnerschaft befreien, diese Hoffnungen aufgeben und lernen, nicht mehr an dem Wunschbild festzuhalten.

Auch habe ich gemerkt, was für eine Mutter ich sein möchte und was für eine nicht: Ich möchte keine Mutter sein, die sich alles gefallen lässt, abhängig und schwach ist.

Die Beziehung, die mein Ex-Partner und ich hatten, ist nicht die Art von Beziehung, die ich haben möchte, und auch nicht nicht die Art von Beziehung, die ich meinem Kind vorleben möchte. Außerdem haben meine Freund*innen mir geholfen, mich nach der Trennung so unabhängig wie möglich vom Vater zu machen. Einerseits hatte ich den Gedanken: er ist doch genauso ein Elternteil wie ich, soll er sich genauso kümmern, da sein, sich beteiligen. Meine eigentliche Grundeinstellung war: Warum soll all die Care-Arbeit an mir hängen bleiben? Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass mich diese Haltung in der ungesunden Beziehungsdynamik gehalten hat, ich dennoch Erwartungen hatte, die nicht erfüllt wurden – ich mich geärgert habe, immer wieder enttäuscht wurde. Auch dadurch konnte ich mich emotional nicht aus der Beziehung lösen.

Aktuell fahre ich die Strategie, mein Leben mit meinem Kind so unabhängig wie möglich zu gestalten.

Wenn ich Unterstützung brauche, frage ich Freund*innen. Früher fiel es mir schwer, um Hilfe zu bitten, mittlerweile habe ich gelernt, dass dies keine Schwäche bedeutet und frage danach, wenn ich etwas brauche. Über alles, was das Kind betrifft, informiere ich den Vater, er kann immer kommen und sein Kind sehen, wenn er möchte – die beiden sollen eine Beziehung zu einander haben, unabhängig von unserer. Alles weitere, die Befriedigung meiner Bedürfnisse, meine Lebensplanung, mache ich nicht mehr anhängig von ihm.

Eine weitere Herausforderung sind die Wochenenden, meine Single Freund*innen machen Singlesachen, meine Freund*innen mit Familie haben Familienzeit. Früher habe ich es geliebt, freie Tage auf mich zukommen zu lassen – nun liegen die Wochenenden oft wie ein großes leeres Etwas vor mir, vor denen ich richtig Panik habe. Wieder allein mit dem Baby zu sein, schwankend zwischen Überforderung und totaler Langeweile. Daher habe ich begonnen, meine Zeit stark zu strukturieren. Morgens Baby versorgen, aufräumen, putzen, waschen, dann Yoga und Meditation wenn das Kind schläft, im Anschluss eine schöne Aktivität, wie einen Ausflug an den See, einen Museumsbesuch, Essen gehen, idealerweise mit Freund*innen, abends Baby ins Bett bringen und die Wohnung soweit in Schuss bringen, dass das morgendliche Aufräumen nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Und es mir dann erlauben total fertig, oft gemeinsam mit dem Kind, ins Bett zu fallen, in einer Mediathek zu stöbern und mich berieseln zu lassen, etwas zu lesen.

Ein wichtiger Faktor, abgesehen von der Trennung und emotionalen Ablösung vom Vater, ist, dass ich mich nicht mehr mit anderen Eltern vergleiche und meine Ansprüche an mich selbst, an die Situation anpasse. Ich hatte mir in der Schwangerschaft unzählige Dinge vorgenommen, wie mein Baby voll zu stillen solange es geht, Stoffwindeln zu verwenden, das Baby nur zu tragen und nicht im Kinderwagen abzulegen. Das meiste habe ich über den Haufen geworfen – wenn nicht genug Milch kommt, gebe ich eine Flasche, nun ist die Milch fast weg und es ist mir egal – auch andere Kinder sind schon mit der Flasche groß geworden, und wenn es mir Zeit und Energie verschafft, mit meinem Baby zu spielen, ist mir das wichtiger. Wenn ich es nicht schaffe, jeden Brei selbst zu kochen, so what, es gibt alles in super Qualität im Drogeriemarkt zu kaufen. Wenn ich es nicht schaffe, einen hartnäckigen Kacka-Fleck aus dem wunderschönen weißen Body zu bekommen, meine Güte, probier ichs nochmal, ansonsten drehe ich ihn um oder er kommt im Zweifel weg. Meine Freund*innen in Partnerschaften können manches anders leisten, dafür hab ich andere Freiheiten, die ich tatsächlich mehr und mehr genieße. Ich muss mich nicht absprechen und kann mein Leben wieder selbstbestimmter leben.

Die größte Herausforderung aber ist, dem Menschen, der mich so sehr verletzt hat, mit dem es soviel Misskommunikation gab, dass letztendlich die Beziehung daran zerbrochen ist, das, was einem am wichtigsten ist, anzuvertrauen – obwohl er gleichzeitig der Mensch ist, dem ich wenigsten vertraue.

Nicht exakt und zu jeder Zeit zu wissen, was die beiden machen, wenn sie ohne mich sind, nicht ständig die Kontrolle zu haben. Wenn ich das Baby zum Vater gebracht habe, könnte ich eigentlich endlich mal die Beine hochlegen, Schlaf nachholen. Aber ich tigere in Wahrheit stundenlang ruhelos durch die Wohnung und warte, dass er das Baby zurückbringt. Hiermit habe ich noch keinen Umgang gefunden, aber ich werde lernen (müssen), loszulassen und zu vertrauen.

Jana, 31

Mein Exfreund und ich waren erst sechs Monate zusammen, als ich ungeplant schwanger wurde. Ob wir das Kind bekommen, war eine schwere Entscheidung für uns beide, wir haben uns aber letztendlich dafür entschieden. Die Schwangerschaft und das erste Jahr mit Kind waren für uns noch Kennenlernzeit, und ob wir uns jemals richtig geliebt haben, kann ich gar nicht wirklich sagen. Wir haben es aber lange miteinander versucht und uns sehr gewünscht, unserer Tochter das klassische Familienmodell geben zu können. Ich bin selbst Scheidungskind und wollte diese heile Familie vielleicht noch ein bisschen mehr. Nach fünf bis sechs Jahren des Versuchens haben wir aber beide immer mehr gemerkt, dass wir gemeinsam einfach nicht glücklich sind – als Eltern funktionieren wir gut, als Paar nicht.

Die Entscheidung zur Trennung fiel mir unglaublich schwer, es hat mir das Herz gebrochen, unserer Tochter nicht die heile Familie geben zu können. Und trotzdem war uns klar, wir haben beide verdient, einen Partner zu finden, mit dem wir glücklich sind.

Obwohl die Trennung einvernehmlich war, bin ich danach erstmal in ein Loch gefallen. Ich hatte schon immer mit Depressionen zu kämpfen, die in dieser Lebenssituation besonders heftig über mich kamen. Dass ich meiner Tochter und auch mir selbst den Wunsch einer Familie nicht erfüllen konnte, war für mich schwer auszuhalten. Die ersten Monate lag ich gefühlt nur im Bett, nach und nach ging es aber bergauf – natürlich halfen mir dabei Freund*innen, meine Familie und auch meine Tochter sehr, vor allem aber musste ich mir selbst helfen. Mir immer wieder vor Augen führen, dass mich die Beziehung nicht glücklich gemacht hat, vielleicht sogar toxisch war.

Schritt für Schritt bekam ich neue Kraft, wurde endlich wieder mehr ich selbst. Nach Jahren mit kleinem Kind und schwieriger Beziehung hatte ich teilweise gar nicht mehr gewusst, wer ich bin, was mich ausmacht, was mich glücklich macht.

Nach sechs Monaten war ich langsam wieder bereit, zu Daten. Und meldete mich in der Pandemie bei Dating-Apps an. Zusätzlich zu der Angst vor meinem neuen Leben nach der Trennung und dem Einfluss der Situation auf meine Tochter kam die Angst, als Frau mit Kind niemanden mehr zu finden. Und tatsächlich scheint es Männer in meinem Alter eher abzuschrecken. Das finde ich sehr schade und habe das Gefühl, Frauen haben weniger Probleme mit Männern, die schon ein Kind haben. Trotzdem hilft es meinem Selbstbewusstsein, mich wieder zu öffnen, neue Männer kennenzulernen und nicht mehr in der unglücklichen Beziehung festzustecken.

Mittlerweile geht es mir immer besser und ich bin froh, aus der Beziehung raus zu sein. Auch, wenn meine Tochter unter der Situation leidet, wie auch ich als Kind darunter gelitten habe. Doch ich habe mich immer mehr davon gelöst, ihr auf Teufel komm raus die heile Familie bieten zu können und bin überzeugt, dass es wichtiger ist, dass ich wieder selbst glücklich werde – und das an meine Tochter weitergeben kann. Ich versuche, nach vorne zu blicken und mein Leben zu leben, das sich ganz anders anfühlt als vor der Trennung. Ich unternehme wieder mehr und nehme sie dann einfach mit, auch wenn sie dann mal ein bisschen später ins Bett kommt.

Regeln sind für mich nicht mehr so starr, und ich setze mich selbst auch weniger unter Druck.

Was für mich bei meiner neuen Lebensgestaltung gerade noch ein Thema ist, ist die eingeschränkte Freiheit. Mit einem Kind, das man gemeinsam erzieht, kann man nicht mal eben in eine andere Stadt ziehen, oder ein paar Monate in Italien verbringen, was aktuell eine Option für mich wäre. Ich könnte mich aber nie so lange von meiner Tochter trennen oder ihr antun, ihren Vater so lange nicht zu sehen. Dass ich mein Leben, obwohl wir getrennt sind, allein räumlich von ihm abhängig machen muss, ist schwierig für mich.

Natürlich steht an oberster Stelle, dass meine Tochter auch mit ihrem Vater aufwachsen kann – aber die Selbstverwirklichungs- und Veränderungswünsche, die man oft nach Trennungen spürt, sind dadurch einfach hinten angestellt.

Nach unserer Trennung war für meinen Exfreund erstmal selbstverständlich, dass unsere Tochter primär bei mir leben wird. Und je mehr Zeit nun vergeht und je mehr ich darüber nachdenke, desto schwieriger finde ich, dass nach einer Trennung ganz selbstverständlich von der Mutter erwartet wird, künftig mit dem Kind zu leben, und etwas anderes gar nicht zur Debatte steht. Für mich war es eine zu große emotionale und auch finanzielle Herausforderung, die Hauptverantwortung zu haben, daher versuchen wir ein 50:50-Modell. Allerdings will meine Tochter oft nicht gerne zu ihm, ich muss sie immer überreden. Sie ist noch sehr im Trennungsschmerz und muss die Veränderungen erstmal verarbeiten. Unser Verhältnis ist gerade leider ziemlich schwierig, trotzdem versuche ich ihn aus meinem Alltag nicht auszugrenzen und lade ihn immer wieder zu gemeinsamen Aktivitäten ein, was aber selten funktioniert.

Trotz allem hoffe ich, dass wir es nach dieser ersten Umstellungsphase jetzt langfristig hinkriegen, ein gutes Verhältnis zu haben.

Mir ist sehr wichtig, dass meine Tochter eine gute Beziehung zu ihrem Vater hat, denn ich selbst hatte keine zu meinem, was bis heute schwer für mich ist.

Bild: Anna Shvets

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2 Antworten zu “Trennung mit Kind: 2 Frauen erzählen ihre Erfahrungen”

  1. Wow, danke dass ihr das Thema hier behandelt. Ich bin selbst seit Januar von dem Vater meiner Tochter getrennt und habe so viele Punkte (keine Lust dem Mann meine Tochter zu überlassen, dem ich am wenigsten vertraue/ wenig Freiheit bezüglich des Wohnorts und längerer Urlaube) nachvollziehen können. All das beschäftigt mich total und ich finde es wichtig dieses Thema öffentlich zu behandeln, um Frauen Mut zu machen aus Beziehungen ausbrechen zu können, in denen sie sich nicht wohl fühlen.
    Es wäre super wenn ihr noch Artikel über Dating als Mutter veröffentlichen könntet. Da stecke ich selbst zur Zeit drin und würde total gerne die Erfahrung von anderen dazu hören.

    • Liebe Hannah,

      danke für deinen tollen Input, und viel viel Kraft für deine aktuelle Umschwungs-Lebenssituation! Toller Vorschlag, hast du vielleicht selbst Lust, deine Dating-Erfahrungen als Mutter zu teilen? Du kannst uns gerne eine Email an hello@amazedmag.de schreiben und wir machen zusätzlich einen Aufruf dazu!

      Liebe Grüße,
      Milena

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