Botox, Filler und Co.: Alle Infos und mein Erfahrungsbericht

22. November 2019 von in

„Ich habe mir eben die Mundwinkel aufspritzen lassen“, schrieb ich letzte Woche etwas perplex an meine Freunde, gefolgt von ein paar Selfies in schlechtem Licht, auf denen man so ziemlich gar nichts erkennen konnte. Nach ein paar Tagen mit leichten Blutergüssen und  Schwellungen bleibe ich die einzige, die einen, wenn auch nur kleinen Unterschied zu vorher sieht – und bleibe nicht nur deshalb unschlüssig, was ich von Gesichtsbehandlungen im Allgemeinen, von Botox und Fillern bis zu Lash-Extensions, überhaupt halte. Vom Beauty-Optimierungswahn, der süchtig machen kann, von Veränderungen, einfach nur, weil sie möglich sind – und gleichzeitig auch von der Frage, ob es so etwas anderes ist, sich nach dem Sport wohler in der Haut zu fühlen, als nach einer Hyaluron- oder Botox-Spritze.

Von meinem Gedanken zum Thema Schönheit, einem Gespräch mit einem Schönheits-Doc und allen Infos zu Botox, Fillern, aufgespritzten Lippen und Fadenliftings

Los ging alles mit der Möglichkeit, den erfahrenen Facharzt und Schönheitschirurgen Dr. Branislav Matejic bei Medical One in München interviewen zu dürfen – und im Anschluss, wenn ich denn wollte, auch etwas selbst auszuprobieren. Auf Instagram hatte ich euch im Vorfeld gefragt, ob ihr Botox oder Filler ausprobieren würdet – ziemlich genau 50% antworteten mit ja, 50% mit nein. Genau so zwiegespalten stand und stehe auch ich dem Thema gegenüber: Es macht mich neugierig, was alles über Cremes und Seren hinaus möglich ist, ohne sich unter’s Messer legen zu lassen – und mit meiner allgemeinen Beauty-Affinität sind die Grenzen schwammig. Statt 100 Euro für eine teure Creme auszugeben, ist eine Hyaluron- oder Botox-Spritze für nur wenig mehr die sehr viel effektivere Lösung – aber wo fängt Optimierungswahn an und hört der Spaß an Beauty auf? Um mir eine Meinung bilden zu können, wollte ich mich zunächst endlich mal richtig über das Thema informieren – und habe all meine und eure Fragen zusammengetragen und sie Dr. Matejic gestellt. Hier kommt der Überblick!

Medical One

Was ist Botox, was sind Filler, wie lange hält es und wo liegt der Unterschied?

Eine Falte ist sozusagen eine Sollbruchstelle der Haut, eine Stelle, die durch immer wiederkehrende Bewegungen besonders beansprucht und gefaltet wird. Botox lähmt die umliegenden Muskeln, sodass die Stelle nicht mehr bewegt wird. Hyaluron-Filler geben der Haut den verlorenen, hauteigenen Stoff Hyaluronsäure zurück und füllen die Falte auf. Somit wird die Stelle auch weniger beansprucht, so lange sich die Hyaluronsäure noch nicht abgebaut hat. Filler halten ungefähr drei bis sechs Monate, Botox vier bis sechs Monate – das ist individuell und hängt zum Beispiel vom eigenen Stoffwechsel ab. Es kann sinnvoll sein, nicht zu warten, bis sich der Stoff vollkommen abgebaut hat und die Falte wieder komplett zurückgekommen ist. Kleinere Abstände führen dazu, dass sie gar nicht erst wieder entsteht und man nicht jedes Mal wieder von Null anfängt. Dreimal pro Jahr ist ein Zyklus, der die Faltenrückbildung dauerhaft verhindern kann. Bei bestimmten Falten wie der Zornesfalte fängt man mit Botox an, um die Muskeln zu entspannen. Oft ist damit schon viel getan, wenn die Falte aber trotzdem noch vorhanden ist, kann sie mit Fillern aufgefüllt werden.

Bei welchen Falten kommen Botox und Filler typischerweise zum Einsatz?

Botox wird zum Beispiel an der Zornesfalte zwischen den Augenbrauen und an den Stirnfalten angewandt, das Stirnrunzeln wird sozusagen eingefroren. Filler können die Nasolabialfalten auffüllen, die ganz anders entstehen: durch das Absacken der Wangen. Auch die sogenannten Marionetten- oder „Merkelfalten“ unterhalb der Mundwinkel können durch Filler aufgefüllt werden, die Mundwinkel können auch angehoben werden. Mit dem aktuell sehr beliebten Fadenlifting, auch einer nichtinnvasiven Technik kann zum Beispiel die Kieferpartie oder „Jawline“ verändert werden, man kann es bei Lachfalten oder Stirnfalten anwenden, die Augenbrauen anheben, die Nase oder die Wangen verändern.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit Botox oder Fillern anzufangen?

Grundsätzlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er überhaupt Eingriffe wie diese machen möchte. Und nur dann, wenn man das Gefühl eines Makels spürt, der einen selbst stört, kann es sinnvoll sein – es sollte dabei nicht um andere gehen, sondern nur um das eigene Gefühl. Vorbeugung ist im Allgemeinen immer effektiver, als im Nachhinein etwas wegzaubern zu wollen. Wenn der Alterungsprozess angefangen hat, ist es sinnvoll, die Gesichtszüge eher früher als später zu unterstützen, wenn man die Faltenbildung aufhalten oder verlangsamen möchte. Auf keinen Fall sollte man aber übertreiben und bei einem komplett faltenlosen Gesicht zu früh mit Behandlungen anfangen, um späteren Entwicklungen vorzubeugen. Man kurbelt damit zwar keine Faltenbildung an, aber es ist unnötig.

Wo liegen die Kosten?

Wie viel eine Behandlung kostet, hängt viel mit der verwendeten Menge an Wirkstoff zusammen. Man kann also nicht sagen, die Nasolabialfalten aufzuspritzen kostet soundso viel, sondern der Preis hängt davon ab, wie viele Ampullen zum Einsatz kommen. Bei Botox liegt die verwendete Standardmenge bei ungefähr 26 bis 28 Einheiten, die bei 300 Euro liegen. Wenn man nur zum Auffrischen kommt und nur 16-18 Einheiten gebraucht werden, liegen die Kosten bei 150-200 Euro.

Für die Nasolabialfalten reicht meist eine Ampulle Hyaluron, die bei ca. 350 Euro liegt. Lippen aufzuspritzen liegt je nach Intensität zwischen 350 und 450 Euro.

Die Kosten für Fadenliftings beginnen bei ungefähr 600 bis 1600 Euro, der Effekt hält bis zu eineinhalb Jahren. PDO-Fadenliftings funktionieren so, dass Fäden, die sich wieder auflösen, unter die Haut gelegt werden. Durch den Fremdkörpereffekt spannt sich die Haut darüber an und wird straffer.

Wie viel können Cremes, Seren und Co.?

Anti-Aging-Cremes haben schon eine Wirkung, sie können auf jeden Fall leichte Fältchen mindern. Aber den Effekt, den man sich wünscht, wenn man tatsächlich tiefe Falten hat, können sie nicht liefern. Wenn eine Falte erstmal da ist, kann sie nur durch Filler, Botox oder Fadenliftings sichtbar gemindert werden. Die Haut mit der verlorenen Hyaluronsäure wieder zu heben, und oder den Muskel, der die Falte verursacht hat, zu blockieren.

Was sollte man bei der Wahl des Arztes beachten und was sind die Risiken?

Je erfahrener der Arzt, desto besser ist es natürlich. Risiken gibt es, man kann aus Versehen in ein Gefäß spritzen, was zu erheblichen Schäden führen kann: Zu Nekrosen, dem Absterben eines Weichteiles oder dauerhaften Schäden im Gesicht. Auch Infektionen sind natürlich ein Risiko, im Augenbereich kann es durch das Verletzen eines Gefäßes sogar bis zu Erblindung kommen. Die Risiken bei einem erfahrenen Arzt, der auch diese kleinen Behandlungen ernst nimmt, sind aber ungefähr so wahrscheinlich wie ein Flugzeugabsturz. Kurz nach der Behandlung kann es außerdem zu allergischen Reaktionen, Schwellungen und Blutergüssen kommen.

Mein Selbsttest & Fazit

Meine Haut wurde von Dr. Matejic als quasi faltenfrei eingestuft, bei der so gut wie gar nichts nötig wäre. Trotzdem sei es meine Entscheidung, ob ich etwas ausprobieren möchte. Ich erzählte von der einen Stelle, die mir seit einiger Zeit leicht auffällt, und zwar die ersten Anzeichen von Marionettenfalten – die Falten unterhalb der Mundwinkel, die die Mundwinkel selbst auch gefühlt nach unten ziehen. Als wirklich störend oder gravierend hatte ich das nie empfunden, die Idee, hier zur Vorbeugung etwas zu machen, war mir aber schon einige Male gekommen. Als wirklich wichtig hatte ich es nie gesehen, in diesem Moment entschied ich mich aber dazu, Hyaluron-Filler in den Mundwinkeln auszuprobieren – vor allem aus Neugier, und weil ich unheimlich gespannt war, ob man überhaupt einen Effekt sehen könnte. Auch interessierte mich, wie schmerzhaft das Spritzen ist: Weil ich nicht mehr allzu viel Zeit hatte, verzichtete ich auf eine optionale Betäubungssalbe. Das Spritzen habe ich gespürt, es war in den Mundwinkeln aber sehr gut auszuhalten. Nach dem Eingriff waren die Stellen zwei Tage lang angeschwollen und es bildeten sich leichte blaue Flecken, die aber schnell wieder weg waren. Jetzt, zwei Wochen später, sehe ich einen minimalen Unterschied, meine Mundwinkel zeigen etwas mehr nach oben, und der Ansatz von Falten ist in dieser Partie weg. Ganz sicherlich bin ich allerdings die Einzige, der der Unterschied auffällt – das ist aber schließlich auch das, worauf es ankommt.

Ähnlich wie bei Lash Extensions oder einem Wimpernlifting habe ich mit den Fillern den Effekt, dass ich mich ungefähr so gut wie mit einem tollen Lippenstift fühle – nur dass es länger dauert, bis dieser wieder verschwunden ist. Gleichzeitig machen sowohl Filler, als auch Botox oder Lash Extensions ein Fass auf, dass ich lieber nicht so weit öffnen möchte: Man fängt an, sich selber kritischer wahrzunehmen, achtet plötzlich auf jede hängende Wimper oder jede Falte. Das ist ein Zustand, den ich für mich nicht möchte, weshalb ich niemals dauerhaft die Perfektion aufgeklebter Wimpern oder komplett faltenfreier Haut zu meinem Standard werden lassen möchte. Ob ich eine Filler- oder Botox-Behandlung nochmal machen werde, schließe ich aber definitiv nicht aus!

Zum Schluss noch ein Tipp: Aufpassen bei der Arztwahl 

Nur approbierte Ärzte dürfen uneingeschränkt mit Fillern und Botulinum behandeln, Heilpraktiker eingeschränkt mit Fillern – dies sogar ohne eine entsprechende Zusatzausbildung. Allen anderen Berufsgruppen, auch Kosmetikerinnen, sind invasive Behandlungen mit Botulinum und Fillern untersagt. Botox ist in Deutschland verschreibungspflichtig, Filler sind es nicht, da sie als frei verkäufliches Medizinprodukt eingestuft sind. Aufgrund dieser juristischen Lücke ist es Nicht-Ärzten möglich, Filler rezeptfrei zu beziehen und illegal an Patienten anzuwenden – umso wichtiger ist es, hier den richtigen Arzt zu wählen. Mehr Infos dazu findet ihr bei der Deutschen Gesellschaft für ästhetische Botulinum- und Fillertherapie!

– Die Behandlung durfte ich kostenlos bei Medical One ausprobieren – 

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23 Antworten zu “Botox, Filler und Co.: Alle Infos und mein Erfahrungsbericht”

  1. ich muss sagen, dass ich es leider extrem merkwürdig und auch kein Stück Vertrauenserweckend finde, wenn Ärzte mit influencern kooperieren. Die von dir genannte Klinik kenne ich von Instagram-Rabattcodes und ich finde ein kosmetischer Eingriff ist nichts, wofür man werben sollte und im schlimmsten Fall noch 50% Codes rausballert. Klar, kann man dann in den Text sowas schreiben wie, „änder dich nicht für andere“ und „das muss jeder selber entscheiden“, aber mal ehrlich, was ändern solche Floskeln schon wirklich? Ärzte sind für mich immer noch „Vertrauenspersonen“ und da passt diese Art von Werbung leider gar nicht und würde mich eher von einem Besuch bei Medicalone abhalten.

    • Liebe Liz, wo liegt für dich der unterschied von Kooperationen von Kosmetikstudios zu denen mit Ärzten, die ästhetische Behandlungen/Eingriffe vornehmen? Ich verstehe deinen Punkt, wenn es sich um normale Arztpraxen handeln würde (wobei auch Kliniken wie die Schön Klinik sehr Social Media aktiv sind und hier nach Bekanntheit suchen, denn auch Kliniken/Praxen brauchen Patienten). In diesem Fall sehe ich aber keinen gesundheitlichen, sondern nur einen ästhetischen Hintergrund und ordne das Thema damit in die Beauty-Ecke ein, in der sich tatsächlich viele unsere Leser für noninvasive Treatments wie Botox oder Filler interessieren! Danke dir trotzdem für die reflektierte Kritik :)

  2. Liebe Milena, ein ganz anderes Thema: Würdest Du verraten woher diese wunderhübschen Creolen sind?

    Ich bin selbst mit Merkel-Mundwinkeln gesegnet und überlege was zu machen, wenn sie stärker werden – von daher fand ich deine Gedanken zu dem Thema sehr spannend.

    Liebe Grüße von Milena zu Milena :)

  3. Liebes amazed-Team,

    ich lese euch schon seit 2013, und ich finde dieses Interview mit diesem Arzt richtig seltsam. Besonders beunruhigend finde ich die verharmlosende und weichmachende Sprache und der fehlende kritische Umgang damit. Hier sind einige Sprachlichkeiten, über die ich beim Lesen gestolpert bin:

    * “ […] fängt man mit Botox an, um die Muskeln zu entspannen […] “ – entspannen? Hier werden Muskeln gelähmt, und „entspannen“ ist eine absurde Umschreibung davon.

    * Die Bezeichnung der „Merkelfalten“ – auf einer Seite mit feministischem Anspruch? Jowa, was sagst du dazu? Amelie? Kein Widerspruch?

    * “ […] die Gesichtszüge eher früher als später zu unterstützen […] “ – unterstützen? Nochmal: hier werden Muskeln gelähmt, „unterstützen“ ist ein seltsames Wort dafür. Unterstützt wird das Urlaubsbudget des Arztes.

    * „Meine Haut wurde von Dr. Matejic als quasi faltenfrei eingestuft, bei der so gut wie gar nichts nötig wäre.“ – nötig? Was für ein Bild wird hier gezeichnet?

    Insgesamt finde ich es sehr problematisch, mit einem Arzt, der von solchen Behandlungen lebt, zu sprechen und dieses Gespräch als umfassende Information zu verbuchen. Er hängt da ja finanziell drinnen – natürlich werden seine Antworten davon gefärbt und eben nicht unabhängig sein.

    Auch das Vergleichen von Cremes mit Botox, dessen Wirkung aus Lähmung besteht, halte ich für verharmlosend. Bei einer Creme kann kein Nerv absterben – hier sind die Grenzen zwischen den verschiedenen Produkten eben überhaupt nicht „schwammig“.

    Also – was denkt ihr? Kritischer Diskurs, anyone? Pleaze!

    Viele Grüße,
    Paola

    • Liebe Paola, danke für deinen kritischen Beitrag. Wir alle haben unterschiedliche Standpunkte zum Thema Botox und co. und es ist bei vielen unserer Artikel so, dass nicht alle von amazed zu 100% dahinter stehen können und bei gewissen Standpunkten gehen bei uns die Meinungen auseinander. Das kann aber bereichernd für amazed als Ganzes sein, so auch dieser informative Beitrag von Milena. Der Begriff Merkelfalte ist wohl ziemlich gängig in der Szene und jetzt wo du es ansprichst, finde ich ihn ebenso fragwürdig.

      Ich freue mich über deinen Input und bin mir sicher, dass wir bald eine Gruppendiskussion zum Thema Schönheitsops, Botox und alles, was dazu gehört veröffentlichen werden.

      Liebe Grüße!

    • Liebe Paola, danke für deine kritischen Anregungen! Die Mundwinkelfalten sind tatsächlich mehr unter dem Begriff „Merkelfalte“ oder sogar „german lines“ bekannt, der fachliche Begriff sind Marionettenfalten – dass der umgangssprachliche Begriff diskriminierend in Bezug auf Angela Merkel ist, ist natürlich richtig.

      Zu deinen anderen Anmerkungen: Der Terminus unterstützen bezieht sich auf das natürliche Absacken der Wangen, das Wort entspannen kann man kritisch sehen, allerdings habe ich von einigen Frauen gehört, dass sie sich durch Botox in der Stirn tatsächlich entspannter fühlen, weil sie sie nicht mehr so verkrampfen. Nichts von all den Behandlungen ist jemals nötig, genau so wenig wie es nötig ist Kosmetika zu verwenden, für die Tierversuche gemacht wurden oder eben die Risiken einzugehen, die Spritzen mit sich bringen. Ich verstehe zu 100%, dass man solchen Eingriffen, aber auch Beauty im Allgemeinen oder Mode total kritisch gegenüberstehen kann. Trotzdem gibt es individuelle Gründe, so etwas machen zu wollen, und die Entscheidung dazu sollte man frei für sich treffen. Für mich persönlich war es total spannend, mal alle Fragen dazu stellen zu können und es auch selbst auszuprobieren. Damit möchte ich aber niemanden beeinflussen, sondern eben all denen davon erzählen, die auch mit dem Gedanken spielen!

    • Hab gerade keine Energie für Standpunkte aber bin gehörig geschockt. Finde es natürlich in Ordnung aber in der Vorbildfunktion ganz schön kritisch vor allem wennman bedenkt was für Ausmaße Schönheitsoperation annehmen.

    • Liebe Ann, das Frauenbild, das wir vermitteln wollen, ist vor allem in der Freiheit begründet, individuelle Entscheidungen treffen zu dürfen. Ich finde es wichtig, dass dazu auch Dinge wie Botox oder sogar Silikonbrüste, aufreizende Kleidung oder was auch immer gehören – für mich ist Feminismus die individuelle Freiheit jeder Frau und jedes Menschen, sich selbst definieren zu dürfen, ohne Judgement von außen. Und dazu gehört auch die Option, ohne Judgement eine Botox- oder Fillerbehandlung machen zu dürfen, wenn man das möchte – was natürlich jedem komplett frei steht!

      • Yes. Man braucht auch kein Frauenbild, das sagt Schönheits-OP ist gleich dumm und unfeministisch. Und genauso wie bei Makeup / Pflege muss man niemandem unterstellen, dass man das nur tut, um Männern zu gefallen.

  4. Ich finde diesen Artikel echt traurig und kann daraus überhaupt keinen Mehrwert ziehen. Warum laufen so viele mit diesen aufgeplusterten Lippen rum? Warum beginnen Mitte/Ende Zwanzigjährige mit Botox? Damit alle gleich aussehen? Glatt und perfekt? Ich könnte da echt heulen. Alle predigen davon, sich selbst so anzunehmen wie man ist. Dieser Artikel vermittelt etwas anderes. Soll jede/ jeder gleich aussehen?

    Ich finde genau das fördert man mit solchen Artikeln und Aktionen. Nicht jede/r hat volle Lippen, na und? Mit vierzig sieht man nun mal anders aus als mit zwanzig. Wir alle werden älter, vielleicht eher versuchen dahingehend zu investieren, sich gern zu haben, anstatt einem unerreichbaren Ideal hinterher zu rennnen, es wird nämlich nicht besser, es kommen eher mehr Baustellen hinzu. Optimierung der Optik betreibt dieser Artikel, etwas anderes ist es nämlich nicht. Mit Kleinigkeiten fängt es an, wo hört es auf. Ich finde die Nachricht die mit solchen Artikeln transportiert wird nicht gut, ich finde sie sogar furchtbar traurig. Und ich finde es schlimm wenn zwanzigjährige das lesen und denken, super lass ich mich verschönern, am besten auch noch vorbeugend, dann bin ich glücklicher! Bloß nicht alt aussehen.
    Immer schön sein, das ist das wichtigste. Genauso wird es uns Frauen seit hunderten von Jahren eingeimpft und genau so eine Berichterstattung führt dazu, dass sich das nicht ändert. Ist ja nur eine kleine Spritze, dann ist die Falte weg, machen ja schon alle, dann kann ich das auch. Es ist ganz einfach noch besser und jünger auszusehen.

    Keiner ist perfekt! Ich fände es interessanter Artikel zu lesen, die es unterstützen sich in seiner Haut wohlzufühlen, egal wie man aussieht und nicht zum Beautydoc zu rennen. Ich kann sowas nicht ernst nehmen! Ich kann auch nicht verstehen, wie man so etwas bewerben kann. Wie gesagt, ich könnte da echt heulen.

  5. Für mich gehört zu einer feministischen Denkweise auch eine kritische Haltung gegenüber ausbeuterischen und unterdrückenden Strukturen. Von daher finde ich es äußerst fragwürdig, sich für eine Botox-Behandlung zu entscheiden, obwohl du selber sagst, dass dein Gesicht absolut faltenfrei ist, und dabei eine Industrie zu unterstützen, die zum Eenen grausame Tierversuche durchführt und zum anderen überwiegend privilegierten Menschen zur Verfügung steht.
    Die Bezeichnung „Merkelfalte“ ist auch für meinen Geschmack stark diskriminiert. Nur weil es diese gibt, musst du sie ja nicht nutzen.
    Ich hatte zu Beginn des Jahres gehofft, dass euer so häufig angesprochene feministischer Anspruch sich auch auf beispielsweise den Umgang mit Mode und weiteren, hier häufig besprochenen Themen, bezieht. Das ist leider so gar nicht der Fall.

  6. Ich habe dieses Thema mit meinen FreundInnen diskutiert, als sich eine Freundin überlegte, einen ähnlichen Eingriff machen zu lasse. Ich stehe diesem Thema grundsätzlich offen gegenüber – wir haben heute die Möglichkeiten, jeder kann für sich entscheiden, ob er sie nutzen möchte. Trotzsem finde ich die Publikation eines solchen Artikels auf einer Plattform mit der Reichweite eures Blogs problematisch, da eine Beinflussung stattfindet. Es ist keine Diskussion unter Freundinnen mehr. Milena hat einen gewissen Einfluss auf ihre Leserschaft, wurde für die Behandlung eingeladen, schreibt einen Artikel mit einem positiven Tenor für „leichte Eingriffe“ – man kann dies daher unter Role-model marketing für Botox & Co. verbuchen.

    • Ist es nicht gerade weil jeder frei entscheiden kann in Ordnung, darüber zu schreiben, wenn ich mich selbst dazu entschieden habe, das zu testen? Ich fände es schwierig, wenn keine Infos oder Erfahrungsberichte über Botox und Filler, oder auch über andere Schönheits-OPs veröffentlicht werden dürften. Das würde die eigenständige Auseinandersetzung damit meiner Meinung nach nur erschweren. Die Fähigkeit, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, würde man damit allen absprechen. Ich verstehe, dass es um das Hinterfragen gängiger Schönheitsideale geht, und dass es sehr gut für uns alle ist, diverse Körper, Gesichter etc. zu sehen, statt nur ein Schönheitsideal zu haben. Trotzdem existieren für jeden individuelle Schönheitsideale, das wird nie weggehen. Es sollte jedem selbst überlassen sein, was er in dieser Hinsicht tun will und was nicht – ich würde auch niemandem (mit Reichweite) verbieten wollen, über extremere Schönheits-OPs zu sprechen. Finde es eher schwierig, diese zu verheimlichen und so zu tun, als wäre das alles natürlich – das erzeugt meiner Meinung nach mehr Druck. Ich danke euch allen trotzdem für eure ehrlichen Meinungen zum Thema!

      • Ich weiss nicht wie dieses Interview zustande gekommen ist.
        Wenn Milena sich selbständig und unabhänig über das Thema informiert hat, sich entscheidet, dieses Treatment durchzuführen und anschliessend auf Amazed ihre Erfahrungen mit uns teilt, sehe ich es genauso wie Milena – ihr sollt über alles schreiben dürfen, alles andere wäre Zensur. Einen schalen Beigeschmack erhält das ganze, wenn Medicalone die Zusammenarbeit mit dir sucht und so gezielt KundInnen erreichen will. Gerade junge Menschen lassen sich stark von ihren Idolen beinflussen, das muss man sich einfach bewusst sein, wenn man eine solche Zusammenarbeit eingeht.
        Ich wollte mir mit 20 meine Zähne bleachen lassen, da sie meiner Meinung nach nicht mit Hollywoods 08/15-Schubladen um die Wette strahlten. Meine Zahnärztin hielt mir eine Farbpalette hin und meinte: Deine Zähne sind in einer völlig normalen Farb-range. Sie riet mir davon ab, die Zähne zu bleichen. Verdient hätte sie ja trotzdem daran. So hätte meiner Meinung nach auch der Arzt reagieren müssen, als er dich alsn faltenfrei eingestuft hat und nichts „nötig“ sei.

        • Die Entscheidung für Bleaching, Botox oder Filler sollte nie beim Arzt liegen und war meine ganz eigene, die vor allem auf Neugier beruhte. Ich habe das zum Anlass genommen, all meine Fragen zu stellen und von meiner Erfahrung zu berichten, und das ganz offen – sehr viele andere (Beauty-)Bloggerinnen haben auch schon diverse Behandlungen machen lassen, davon aber gar nicht oder nur ganz am Rande berichtet. Genau das wollte ich nicht tun, sondern ganz offen damit umgehen. Nicht, um das Thema jedem schmackhaft zu machen oder zu empfehlen, sondern um die anzusprechen, die gerne mehr darüber wissen möchten, und um das Thema aus der Heimlichkeits-Schiene zu holen. Das sehe ich nämlich persönlich am kritischsten: Behandlungen wie diese machen zu lassen, aber nicht dazu zu stehen. Dass du dich gegen das Bleaching entschieden hast kann ich auch gut verstehen, die Entscheidung und Abwägung sollte wie gesagt bei jedem selbst liegen, und dazu sind Infos darüber eine gute Grundlage.
          Übrigens sehe ich uns von amazed was die Verbreitung unrealistischer Schönheitsideale angeht im Bereich der Influencer ohnehin in einer ganz anderen Ecke als ich sehr viele andere einordnen würde – weil wir weder unsere Bilder facetunen, noch Behandlungen machen lassen, aber nicht dazu stehen. Für mich ganz persönlich ist der offene Umgang damit die einzig gute Option, und unsere Leserschaft schätze ich als kritisch und reflektiert genug ein, sich davon distanzieren zu können, wenn es für einen selbst nicht infrage kommt!

  7. Schade, ich bin ehrlich gesagt enttäuscht über diese aus meiner Sicht sehr einseitige Berichterstattung zum Thema. Ich hätte von Euch eine kritischere Auseinandersetzung damit erwartet, z. B. auch mit der Frage nach Tierversuchen und ungeklärten Langzeitschäden, die mit Botox in Verbindung stehen. Wenn aber nur ein Botox-anwendender Arzt befragt wurde und am Ende noch eine kostenlose Anwendung rauskommt, ist doch klar, dass das Ganz arg verzerrt ist.

    • Liebe Su,

      da bin ich gerade dran. Wir planen ja eine Diskussion zum Thema und ich recherchiere schon wegen der Tierversuche bei Botox und der Langzeitfolgen. Das sind nämlich die Fakten, die mich auch interessieren, die Ärzte aber leider oft nicht beantworten können. Auch mein Zahnarzt riet mir zu Botox wegen meines Kiefers, aber beim Thema Tierversuche/Langzeitfolgen war er blank.
      Mal sehen, was ich rausfinden kann.
      Liebe Grüße, Antonia

  8. Ich bin ja eine treue Allesleserin hier – jeden Tag freue ich mich auf neues aus der Amazed-Welt und mag es auch, dass Ihr Euer Nichtperfektsein hier nicht verheimlicht und sogar zum Thema macht. Aber diesen Artikel fand ich total gruselig. Und nicht weil Du neugierig warst, sowas ausprobierst und uns teilhaben lässt. Das an sich verstehe ich (und verstehen auch meine Vorkommentiererinnen) und wäre ok. Aber die Art und der Ton haben bei mir Unwohlsein ausgelöst. Werblich, Merkelfalte, rechtzeitig anfangen, Falten als eine Art Makel oder lauernde Gefahr… Vermutlich zeigt es einfach, wie gefangen wir und ihr in gesellschaftlichen/beautyindustrieinduzierten Aussehensvorschriften sind. Das ist irgendwie traurig und gefährlich. Aber das Gute ist ja immer: Wir können dazulernen, Fehler erkennen, Perspektiven wechseln, diskutieren und wachsen. Auch ich als Journalistin dachte erst kürzlich mit Schaudern an einen Artikel, bei dem ich fürs Propagieren eines gesünderen und diverseren Schönheitsideals Thinshaming betrieben habe. Einfach weil ich es nicht besser wusste damals und nicht genug darüber nachgedacht hatte.
    Liebe Grüße und ich bin gespannt auf Eure Diskussion!

    • Liebe Katharina, danke für deine Worte – du hast da total recht mit dem doch mehr Gefangensein in bestimmten Idealen, als man es in der Theorie, oder wenn man logisch darüber nachdenkt, sein sollte. Übrigens sind die Antworten auf die Fragen nicht meine Worte, sondern die des Arztes, deshalb auch die Art der Formulierungen – vielleicht ist das nicht ganz klar!

      • Doch doch, das ist schon klar. Da ist dann halt die Frage, welchen Interviewpartner man wählt und wie man dessen Antworten kritisch und unabhängig einordnet. Aber wie gesagt: so ein Artikel ist ja nur eine kleine Momentaufnahme und wie sehr ihr daran interessiert seid, ein modernes und tolerantes Frauenbild zu fördern, weiß ich und wissen wir. Schönen Sonntag!

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