Zoomers attackieren jetzt Millennials – und sie haben Recht

2. Juli 2020 von in

Erinnert ihr euch noch an den „Ok, Boomer“-Hype im letzten Jahr? Es war eine herrliche Zeit für uns Millennials, denn gemeinsam mit den Kids – der Generation Z, auch Zoomers genannt – hatten wir einen gemeinsamen Feind. Zwei politisierte Generationen, die genug hatten von den bornierten und unreflektierten Meinungen der alten Leute, die uns als verwöhnte Gören abtun und uns als „Snowflakes“ oder „Social Justice Warriors“ zu beleidigen versuchen. Naja, diese Zeiten sind jetzt vorbei. Denn jetzt, da wir mit dem Boomers vorerst fertig sind, fallen uns die Zoomers in den Rücken – und attackieren ihre ehemals Verbündeten. Und wisst ihr, was das Schlimmste ist? Sie haben Recht!

Zoomers sind die besseren Millennials

Aber fangen wir am Anfang an: Wer sind sie eigentlich, diese Zoomers? Grob gerechnet ist diese mystische Generation zwischen 1996 und 2010 geboren. Sie hatten ihre ersten Social-Media-Profile mit 10 und ihre ersten Smartphones mit 12. Das Internet ist für diese Generation eine natürliche Ressource wie Wasser und Luft und wenn wir Millennials von MySpace oder Knuddels erzählen, dann klingt das für sie ein bisschen, als würde Oma von einer Zeit ohne Elektrizität berichten. Unter Menschen in meinem Alter – also Millennials, geboren zwischen 1980 und 1995 – beobachte ich eine sehr interessante Faszination für diese Kids, denn sie scheinen alles so viel besser zu machen als wir: Schon im jungen Alter sind sie unheimlich politisiert, individuell und tolerant. Sie gehen auf Fridays For Future Demos, engagieren sich für LGBTQ*-Rechte, fordern lautstark Gleichberechtigung ein, sehen alle unglaublich cool aus: Alles, was wir uns in diesem Alter gewünscht hätten, aber aus Zeitgeistgründen nicht geschafft haben, scheinen sich die Zoomers heute einfach herauszunehmen. Zoomers sind die besseren Millennials.

 

Selbstverständlich kam diese Entwicklung nicht aus dem Nichts. Dass Zoomers heute derartig selbstbewusst sind, haben sie mit Sicherheit zum Teil auch uns Millennials und dem Kampfgeist, den wir kollektiv entwickelt haben, zu verdanken. Millennials haben innerhalb der letzten 10 Jahre mühsam gelernt, nervig und laut zu sein und Dinge einzufordern – und wir mussten deswegen viel Spott einstecken: Gutmenschen, Snowflakes, Feminazis – man kennt die Wörter. Inzwischen scheinen all die älteren Generationen sich damit abgefunden zu haben, dass wir so schnell nicht gehen. Und inzwischen sitzen Millennials – nicht mehr ganz so jung – in Chefetagen und Parlamenten und geben mit an, wie der Hase läuft. Unsere Generation ist jetzt Teil eines Mainstreams, der in dieser Form früher nur als Underground denkbar gewesen wäre. Man könnte sagen: We walked, so Zoomers could run. Vielleicht ist das der Grund, wieso so viele Millennials einen Soft Spot für Zoomers haben: Sie empfinden elterliche Faszination und Stolz, auch wenn Zoomers nur knappe 10 Jahre jünger sind als wir. Und wie es sich für diese Art von Beziehung gehört, empfinden Zoomers diese Zuneigung vor allem als peinlich und nervig.

„All they do is drink wine and post cringey ’90’s kids‘ memes“

@mayalepainspired by @wholesam♬ original sound – mayalepa

Alles fing – wie auch sonst – mit einem TikTok an. In diesem sagt @mayalepa einfach nur einen Satz, der alles ins Rollen brachte: „I’m tired of boomers bunching Gen Z and Millennials together because I personally don’t wanna be associated with people who still think that Harry Potter movies are a personality trait.“ Hat gesessen, oder? In den Kommentaren wurden weitere Millennial-Vorurteile gepostet, die – man muss es leider zugeben – alle einen wahren Kern haben: „They name their kids after video game characters“, „they always say shit like ‚ugh adulting is so hard‘, ‚i can not adult today‘“, „they worry about their Harry Potter houses but live in a one bedroom apartement. Y’all worry about the wrong houses“, „they think liking fries and pizza makes them sooo relatable“, „all they do is drink wine, post cringey ‚90’s kids‘ memes and talk about tech start-ups“.

 

 

Ich muss zugeben: Auch meine erste Reaktion war es – wie bei den meisten Millennials in der Kommentarspalte –, in die Defensive zu gehen. How dare you, Zoomers?! Ihr verdankt uns alles, ihr undankbaren kleinen Scheißer! Seit bald 10 Jahren müssen wir uns dem Hass der Boomers aussetzen – und jetzt fangt ihr auch noch damit an?! Und überhaupt, alles was ihr macht, ist Tide Pods essen und Fortnite-Tänze auf TikTok hochladen! Aber nachdem ich ein paarmal durchgeatmet hatte und mich ein bisschen bremsen konnte, musste ich zugeben: Sie haben schon ein bisschen Recht. Unsere Generation ist wirklich ziemlich nervig. Und das wussten wir eigentlich auch schon, bevor Zoomers es laut ausgesprochen haben, denn seit es Millennials gibt, hassen Millennials Millennials.

 

Ja, wir sind peinlich

Wir wissen eigentlich ganz genau, dass sehr viele Dinge an uns peinlich sind: Unsere Emophasen, dass wir Two and a Half Men mal witzig fanden, die Lippen-Piercings, dass wir mit 19 noch Pokémon-Merch gekauft haben. Dass wir die Jodel-App erfunden und uns mehrere Jahre tatsächlich für beziehungsunfähig gehalten haben, weil wir mit 23 noch keine feste Beziehung hatten. Dass wir „Deine Mudder“-Witze viel zu lange witzig und Infinity-Tattoos tiefgründig fanden und uns mit Mitte 20 noch auf Festivals Federschmuck angezogen haben. Einige von uns tragen immer noch Fedoras, Sprücheshirts und blonde Dreads! Oder für die Tatsache, dass in jedem Abibuch aus den frühen 2010er-Jahren unironisch ein „Carpe Diem“ als Motto steht. You get the idea: Wir sind peinlich. Und jetzt endlich alt genug, damit Jüngere uns darauf hinweisen können. Das ist ungewohnt, aber normal.  

 

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Dass Zoomers das nun auch erkannt haben, folgt einem einfachen Naturgesetz: Generationen müssen sich gegenseitig merkwürdig finden. Je merkwürdiger sie sich gegenseitig finden, desto schneller hat sich die Welt verändert. Und ist das nicht genau das, was wir wollten? Abgesehen davon gibt es außerdem noch einen sehr wichtigen Grund, wieso wir einfach akzeptieren sollten, dass wir peinlich sind: Tun wir es nicht, sind wir auch nicht besser wie Boomers. Und sind nicht wir nicht die Generation, die besonders viel von Kritikfähigkeit hält?

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5 Antworten zu “Zoomers attackieren jetzt Millennials – und sie haben Recht”

  1. Ich, als Zoomer, kann sagen, ohne es böse zu meinen: Ja, ihr seit peinlich und tut einen auf quirky obwohl ihr nichts mehr als einfach nur nervig seid. Tut bitte nicht so als ob ihr noch so jung und relatable seid. Ihr geht auch langsam auf die 30 zu und das Altersheim ruft auch für euch bald. Ach und noch was: Macht euch nicht darüber lustig, dass wir über fast alles lachen können, was ihr uns lustig und komisch findet. Ihr versteht unseren Humor einfach nicht. Ihr versteht ja auch nicht, warum wir für Anonymous und die Specops simpen (falls ihr die nicht kennt dann googelt nach specops Protest und schaut bei Twitter nach Anonymous). Wahrscheinlich wisst ihr nicht mal, was simpen heißt…und ihr benutzt eh nur Facebook, also könnt ihr es nicht nachschauen…egal, ihr würdet es sowieso nicht verstehen. Gebt einfach zu, dass ihr nicht wisst, was elite, deep, alt und straight tiktok ist. Es ist sehr lustig, aber ihr versteht sowas nicht. Oder auch die ganzen memes, die sind so gut und lustig. Egal, wir sind die beste Generation und ihr könnt nicht dagegen machen. Bye bitches, ich geh jetzt edits von anonymous anschauen.

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